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Fichtelgebirge

Wilde Spekulationen um Verletzte

Eine angebliche Messerstecherei erhitzt die Gemüter in Marktredwitz. Die Polizei stellt klar: "Wir vertuschen nichts!" Von einem Messer sei nie die Rede gewesen.



Ob letztlich eine abgebrochene Bierflasche zu den Verletzungen der drei jungen Männer führte, muss die Polizei noch ermitteln. Foto: Tobias Hase/dpa
Ob letztlich eine abgebrochene Bierflasche zu den Verletzungen der drei jungen Männer führte, muss die Polizei noch ermitteln. Foto: Tobias Hase/dpa  

Marktredwitz - Die Meldungen und wilden Spekulationen überschlagen sich auf Facebook. Seit ein Nutzer dieser Plattform einen "offenen Brief" ins Netz gestellt hat, dass sein Bruder und dessen Kumpel auf dem Altstadtfest in Marktredwitz "brutal niedergestochen" worden seien, artikulieren sich Menschen zu Hunderten in Kommentaren - zum Teil in recht ausfälliger Weise. Fast 800-mal ist der "offene Brief" geteilt worden, in dem unterstellt wird, "dass sich niemand auch nur einen Scheiß dafür interessiert, was da passiert ist". Zu dem Vorfall finde man "absolut gar nichts in Berichten".

Bitte um Hinweise

Wer am Sonntag gegen 0.30 Uhr im Bereich Braustraße, Einmündung Ottostraße, Hinweise zu dieser Auseinandersetzung geben kann, möge sich unter der Telefonnummer 09231/9676-0 bei der Polizei melden. Auch die Staatsanwaltschaft Hof ist in die Ermittlungen eingeschaltet.


Die Frankenpost berichtete am Montag über diese körperliche Auseinandersetzung unter dem Titel "Polizei im Dauereinsatz". Dabei ging es um eine gefährliche Körperverletzung, zu der es nach Mitteilung der Polizei gegen 0.30 Uhr im Winkel gekommen sein soll. "Dabei soll ein 17-Jähriger auf einen anderen mit einer abgebrochenen Flasche losgegangen sein", hieß es im Polizeibericht. Und dass man noch auf der Suche nach Zeugen sei, zumal sich die Beamten noch kein klares Bild von den Geschehnissen machen könnten.

Auf weitere Nachfrage bei der Marktredwitzer Inspektion verdeutlicht Sachbearbeiter Ulrich Rieß, "dass wir aus taktischen Ermittlungsgründen nicht viel dazu sagen können". Wohl hätten drei junge Männer Schnittverletzungen davongetragen, "die jedoch nicht von einem Messer stammen". Von einem Messer sei nie die Rede gewesen, betont Rieß. Man könne eher davon ausgehen, dass es sich um eine abgebrochene Flasche gehandelt hat. "Doch letztlich wissen wir noch immer nicht genau, woher die Schnittverletzungen stammen."

Die Fotos der Verletzten, die auf Facebook gepostet worden sind, entsprächen der Realität, sagt Rieß. "Aber wer wem was getan hat, liegt noch im Dunkeln." Denn trotz der vielen Gäste um diese Zeit beim Altstadtfest habe keiner der Zeugen etwas gesehen. "Die drei Männer im Alter von 17, 20 und 21 Jahren stammen aus Marktredwitz, Arzberg und Wiesau. Und alle drei wurden verletzt." Der 20-jährige Marktredwitzer habe Schnittverletzungen in der rechten Gesichtshälfte und am rechten Oberarm davongetragen. Der 21 Jahre alte Arzberger erlitt laut Polizei Schnittverletzungen am linken Oberarm und an der rechten Hand. Der 17-Jährige aus Wiesau sei am linken Oberarm und in der rechten Gesichtshälfte verletzt worden. "Nach ambulanter Behandlung im Krankenhaus wurden alle wieder entlassen."

"Übler Scheiß...", schreibt ein Teilnehmer auf Facebook und unterstellt Folgendes: "In den Polizeiberichten wurden alle Einsätze - am Abend und in der Nacht - so verharmlost dargestellt, dass man nicht den Eindruck bekommen könnte, es sei etwas Schlimmeres passiert. Na hoffentlich bekommen die Täter dann wenigstens was draufgedrückt. Wird ja gerne mal etwas unter den Teppich gekehrt ..."

Ulrich Rieß war selbst vor Ort, wie er schildert, nachdem die Polizei vom Rettungsdienst gerufen worden war. Alle drei Verletzten seien ins Klinikum gebracht worden, wo man sich um sie gekümmert habe. Rieß stellt vor allem eines klar: "Die Polizei vertuscht hier rein gar nichts!" Doch ohne handfeste Beweise könne man nicht irgendwelche Vermutungen anstellen. Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, möchte der Beamte nicht sagen. "Da müssen wir uns aus Ermittlungsgründen noch zurückhalten."

Der Facebook-Nutzer, der den "offenen Brief" verfasst hat, beklagt unter anderem Folgendes: "Das nächste, was mich absolut ankotzt, ist, dass man nicht mehr fortgehen kann in dieser absolut kriminellen scheiß Stadt Marktredwitz." Politische Diskussionen wolle er jedoch nicht als Antworten auf diesen "offenen Brief" lesen. Allerdings hat der Mann damit einen regelrechten Shitstorm losgetreten, in dem sich einige Teilnehmer auch rassistisch äußern. "Was das Messer angeht, braucht man nicht lange raten, woher oder wer es benutzt", lautet einer der Kommentare. "Seit 2015 ist unsere deutsche Heimat nicht mehr, was sie mal war... dank ,Wir schaffen das...’ ." "Es hat schon die richtigen erwischt!", meint ein anderer. "Echt schlimm, dass es solche Menschen gibt. Ich bin schockiert. Man traut sich echt nicht mehr raus, auch als Frau muss man echt aufpassen", so eine Teilnehmerin auf Facebook.

Oberbürgermeister Oliver Weigel mischt sich jetzt in die Diskussion ein. Allerdings auf anderer Ebene. "Um mir ein Bild über jene Ereignisse in der Altstadtfest-Nacht machen zu können, habe ich die drei Verletzten zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen."

Autor
Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
18:50 Uhr

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
18:50 Uhr



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