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Fichtelgebirge

Jugend-Klimagipfel stößt fünf Projekte an

Einen Nachmittag lang diskutieren junge Leute über konkrete Ideen zum Klimaschutz im Fichtel- gebirge. Sie haben 10 000 Euro vom Landkreis zur Verfügung.



"Graphic Recording" heißt die Kunst von Ulrike Mahr aus Kronach. Die Schnellzeichnerin protokollierte den Jugend-Klimagipfel auf großen Plakatwänden grafisch mit, hier die Projekte, für die die 10 000 Euro vom Landkreis eingesetzt werden sollen. Fotos: Rainer Maier
"Graphic Recording" heißt die Kunst von Ulrike Mahr aus Kronach. Die Schnellzeichnerin protokollierte den Jugend-Klimagipfel auf großen Plakatwänden grafisch mit, hier die Projekte, für die die 10 000 Euro vom Landkreis eingesetzt werden sollen. Fotos: Rainer Maier  

Wunsiedel - Fünf Zettel liegen am Ende eines ideenreichen Tages in der kleinen Schatztruhe, die Moderator Kai Losert an Kreiskämmerer Stefan Pommerenke überreicht. Darauf stehen die Vorschläge, die nach dem Willen der Teilnehmer des Jugend-Klimagipfels in Wunsiedel umgesetzt werden sollen. Landrat Dr. Karl Döhler hatte für die Aktion 10 000 Euro aus der Kreiskasse zugesagt und damit wahrgemacht, was das bunte Transparent hinter ihm an der Wand fordert: "Taten statt Worte".

Das Plakat stammt von den "Fridays for Future"-Demonstrationen von Schülern in Marktredwitz und Wunsiedel, die die Klimaschutz-Diskussion auch im Fichtelgebirge befeuert haben. Das hatte auch den Wunsiedler Kreistag beeindruckt, der sich auf Antrag der Grünen mit dem Thema beschäftigte. Landrat Döhler sprach sich schließlich nicht nur für ein Gespräch mit den demonstrierenden Jugendlichen aus, sondern für eine echte Beteiligung: Die jungen Leute sollten selbst entscheiden können, was mit den vom Kreis zur Verfügung gestellten 10 000 Euro umgesetzt werden soll.

Um diese konkreten Projekte zu formulieren, haben sich am Donnerstag junge Menschen aus dem gesamten Landkreis im Jugendzentrum Wunsiedel getroffen, wo sie von der kommunalen Jugendpflegerin Svenja Faßbinder begrüßt und auf Workshop-Gruppen aufgeteilt wurden. Drei Themenfelder wurden beackert: Artenvielfalt, nachhaltiger Konsum und Müllvermeidung. Jede Gruppe sammelte bis zum Abend eine Vielzahl von Ideen, mit denen man dem globalen Klimawandel durch regionale Aktionen entgegentreten kann.

Landrat Döhler sagte eingangs, mit dem Klimaschutz könne jeder einzelne sofort beginnen. Natürlich brauche es dazu Vorbilder, Menschen mit Visionen, die man konkret umsetzen könne. Seine Generation sei mit der wachstumsorientierten Wirtschaftsform aufgewachsen. "Jetzt sind wir auf die Ideen der jungen Leute angewiesen, um einen anderen, besseren Weg zu finden." Mit der Zusage der 10 000 Euro für nachhaltigen Klimaschutz im Fichtelgebirge wolle der Landkreis den Wettstreit der Ideen ein wenig anstacheln. "Wir wollen Projekte anstoßen, die dann auch funktionieren."

Moderator Losert führte am Abend durch die Vorstellung der Projektideen. Er sagte, mit dem Jugend-Klimagipfel werde im Landkreis Wunsiedel bundesweites Neuland betreten: "Ihr seid eine exklusive Runde." Und er zitierte den Satz einer Schülerin, den er am Nachmittag in einem Workshop gehört hatte: "Es bringt nichts über Probleme zu reden. Es muss über Lösungen geredet werden."

Der Arbeitskreis "Artenvielfalt", dem Diplom-Agrarbiologe Andreas Schmiedinger von der Umweltstation Katharinenberg zur Seite stand, hatte sich Gedanken gemacht über die Bereitstellung von Insektenhotels, über Baumpflanz-Aktionen und Milchautomaten mit regionaler Milch in den Supermärkten, über das Verwenden von regionalen Produkten in den Schulküchen. Als Top-Idee allerdings schickte man die schulübergreifende Bildung für nachhaltige Entwicklung ins Rennen. Über ein Tutoren-System sollen junge Leute so geschult werden, dass sie ihr Wissen an ihre Mitschüler weitergeben können. Karl Beneš sagte als Sprecher des Kreises, der Landkreis Wunsiedel sei beispielgebend im Kleinen. "Die Politiker in Berlin sollten das auch im Großen verwirklichen."

Das Team "Nachhaltiger Konsum", das mit Unterstützung von Anna Degelmann von der Energievision Frankenwald getagt hatte, legte sich auf zwei Projekte fest. Miriam Andritzky aus Waldershof stellte die Idee vor, einen kurzen Film zu drehen, der den Alltag einer Familie zeigt, die gezielt nachhaltige Produkte kauft. Dieser Film könnte dann im Kino-Werbeblock gezeigt werden oder über die sozialen Medien verbreitet werden.

Sabrina Kießling aus Selb schickte den "Fair-Teilers" ins Ideen-Rennen. Das ist ein Schrank, in dem Schüler für andere Klamotten, Spiele oder Bücher zur Verfügung stellen. Die Mitschüler können sich aus dem "Fair-Teiler" kostenlos bedienen und ihrerseits Dinge hineinlegen, die sie nicht mehr benötigen. Der Landkreis könne das Aufstellen solcher Schränke an den Schulen finanziell unterstützen.

Eine weitere Idee, die es nicht in die Schatztruhe von Stefan Pommerenke schaffte, war die Einführung einer landkreisweiten ökologischen Aktionswoche zum Plastikverzicht. Moderator Losert sagte aber: "Keine Idee ist verloren. Alles, was ihr euch heute ausgedacht hat, wird dokumentiert und vielleicht später verwirklicht."

Der Favorit des Workshops "Müllvermeidung", der unterstützt von Beate Küspert vom Kommunalunternehmen Umweltschutz Fichtelgebirge getagt hatte, war die Anschubfinanzierung für einen "Unverpackt"-Laden, in den die Kunden die Gefäße für die Produkte, die sie kaufen wollen, selbst mitbringen. "Es wäre mega, wenn es so etwas bei uns in der Gegend geben würde", sagte Tamina Seifert aus Marktredwitz, die die Idee gemeinsam mit Kristin Müller vorstellte. Anschieben könne man das Thema aber auch mit regelmäßigen "Unverpackt"-Messen, zum Beispiel auf den Wochenmärkten der Region. Hier könne man den Menschen dann konkret zeigen, welche Alternativen es zur Plastik-Verpackung gibt.

Im Hinterkopf behält die Gruppe andere Ideen wir die Förderung von Soda-Streamern zur Aufbereitung von Leitungswasser, die Organisation von mehr "Ramadama"-Tagen zum Säubern der Landschaft oder die Ausgabe von wiederverwendbaren"Coffee-to-go"-Bechern aus Porzellan an den Schulen.

Der Landrat versprach: "Die fünf Projekte in der Schatztruhe gehen wir alle an." Es seien darüber hinaus viele Ideen vorgetragen worden, "die kein Geld kosten, sondern nur Zeit und Überzeugung". Auch ihnen werde sich das Landratsamt widmen.

 
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Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
19:04 Uhr

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Rainer Maier

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
19:04 Uhr



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