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Fichtelgebirge

Schläge an der Wohnungstür

Ein 35 Jahre alter Mann aus dem Landkreis prügelt auf einen Bekannten ein. Warum er das tut, bleibt vor Gericht unbeantwortet. Doch das ist nicht das einzige Vergehen.



Wunsiedel - Einen Vorfall mit vielen Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten hat das Amtsgericht Wunsiedel vor Kurzem verhandelt. Fakt ist, dass jede Menge Alkohol und Drogen im Spiel waren. Körperverletzung und Diebstahl wirft der Staatsanwalt dem Mann auf der Anklagebank vor.

Angeklagt ist ein 35 Jahre alter Deutschrusse. Zugrunde liegt dem Vorwurf der Körperverletzung ein nächtlicher Besuch des Angeklagten am 16. März um 2.35 Uhr in der Wohnung eines Ehepaares in der gleichen Stadt. Die Leute kennen sich. Aber warum es zu der Misshandlung des Landsmannes gekommen ist, wurde mit keinem Wort in der Verhandlung erwähnt.

Unstrittig ist, dass der Angeklagte mitten in der Nacht an der Wohnungstür des bekannten Ehepaares klingelte. Das Ehepaar war noch nicht lange zuhause. Sie waren bei Bekannten eingeladen und hatten auch kräftig geladen: Wodka nämlich. Denn beide hatten etwas mehr als zwei Promille im Blut. Der Angeklagte zog laut einer späteren Blutprobe gleich. Das aber nur nebenbei. Der Angeklagte hatte sich ein etwas merkwürdiges Outfit für den nächtlichen Besuch zugelegt. Offenbar, um nicht erkannt zu werden, hatte er sein Gesicht mit schwarzer Schuhcreme eingeschmiert. Dazu hatte er ein Tuch über den Mund, eine Sonnenbrille auf und eine Baseballmütze auf dem Kopf.

Als der Wohnungsinhaber die Tür öffnete, wurde nichts geredet, sondern nur gehandelt. Mehrfach prügelte der nächtliche Besucher auf den schmächtigen Mann ein. Es gab Schläge ins Gesicht. Bei der Anzahl gingen die Meinungen etwas auseinander. Es sei nur ein einziger Schlag gewesen, beteuert der Angeklagte. Von mindestens sieben oder acht Faustschlägen sprach der Betroffene, der darunter laut eigenen Aussagen noch wochenlang litt. Als die Frau des Wohnungsinhabers hinzugekommen war und per Handy die Polizei rufen wollte, nahm sie der Angeklagte unter den Arm, brach ihr eine Rippe und entwendete ihr das Handy. Anschließend ging er. Die Nachbarn riefen die Polizei und der nächtliche Besucher wurde erst einmal auf die Wache gebracht. Warum er sich so verkleidet habe? Die Antwort schien auf den ersten Blick plausibel. Es war Fasching und er wollte sich einen Scherz erlauben, sagte der Angeklagte. Ein Blick auf den Kalender allerdings brachte zutage, dass der Fasching zu diesem Zeitpunkt schon lange vorbei war.

Vor dem Amtsgericht Wunsiedel wurde ein weiterer Vorfall - der hatte sich in Hof zugetragen - verhandelt. Auch hier war es früh am Morgen, und der Angeklagte hatte ordentlich Crystal und Alkohol konsumiert. Unweit der Bahnhofstraße schlug er unvermittelt auf das Auto eines Hofers ein und versuchte, sich mit seinem Gürtel an den Außenspiegel des Personenwagens zu hängen. Das misslang, der Mann fiel hin, aber der Lack des Autos litt etwas darunter.

Als kurz darauf die von dem Autofahrer verständigte Polizeistreife eintraf, lag der Mann immer noch auf dem Boden. Sachbeschädigung lautete hier der Vorwurf. Der Angeklagte machte keinen Hehl daraus, dass das alles so war, wie es der Staatsanwalt vorgetragen habe. An manches allerdings könne er sich einfach nicht mehr erinnern. Auch nicht an ein Motiv. Nur soviel, dass er wieder einmal "völlig zugedröhnt" mit Rauschgift gewesen sei und außerdem noch gehörig Wodka nachgeschüttet habe. Inzwischen sah er ein, dass es so nicht weitergehe, erklärte der 35-Jährige vor Gericht. Schließlich habe er Frau und zwei Kinder zuhause. Deshalb habe er sich mit Erfolg um eine Langzeittherapie beworben und auch eine Zusage erhalten.

Das ersparte ihm wohl das Gefängnis. Denn der Staatsanwalt sah das als strafmildernd an und forderte eine Haftstrafe von sieben Monaten zur Bewährung sowie 1000 Euro Geldstrafe. Der Richter verurteilte den Mann zu sechs Monaten Haft wegen Körperverletzung, Nötigung und eines vorsätzlichen Vollrausches. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er nach der Therapie 50 gemeinnützige Arbeitsstunden verrichten. Zur Auflage wurde zusätzlich gemacht, dass der Mann keinen Tropfen mehr trinkt, kein Rauschgift nimmt und die Therapie von einem halben Jahr durchhält. Andernfalls verwirkt er die Bewährung.

Autor

Herbert Scharf
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 07. 2019
18:54 Uhr

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Herbert Scharf

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29. 07. 2019
18:54 Uhr



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