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Fichtelgebirge

Weiterer Baustein für die Energie-Zukunft

Die SWW und Siemens wollen Nägel mit Köpfen machen: Schon im Winter gibt es voraussichtlich den Spatenstich für die " "Power-to-Gas-Anlage".



Eine Elektrolyse-Anlage ist enorm komplex. Sie muss von Spezialisten betreut werden. Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpa
Eine Elektrolyse-Anlage ist enorm komplex. Sie muss von Spezialisten betreut werden. Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpa   » zu den Bildern

Wunsiedel - Jetzt geht alles ganz schnell. Am Dienstagnachmittag haben der Wunsiedler Energieversorger SWW, die Siemens AG und das Lichtenfelser Unternehmen Rießner-Gase eine Absichtserklärung zur Konzeption und zum Bau einer "Power-to-Gas-Anlage" am Energiepark in Wunsiedel unterzeichnet. Schon Anfang kommenden Jahres planen die Projektpartner den ersten Spatenstich. Ein gutes Jahr später könnte die Anlage in Betrieb gehen. Mit dem sogenannten Elektrolyseur setzt Wunsiedel einen weiteren Baustein für die Energiezukunft.

In der Anlage soll mit elektrischem Strom Wasser in die Bestandteile Wasserstoff aufgespalten werden. Der Wasserstoff kann unter anderem in speziellen Tanks unter hohem Druck gespeichert werden und für den Betrieb von Autos, Bussen oder Maschinen genutzt werden. Mehrere Dutzend Unternehmen und Institutionen in der Region und auch der Landkreis Wunsiedel selbst beabsichtigen, in Zukunft den Wasserstoff zu nutzen.

Bürgermeister Karl-Willi Beck, SWW-Geschäftsführer Marco Krasser und die Vertreter von Siemens, Andreas Schmuderer, Eric Klein und Dr. Bernd Koch, nannten die Absichtserklärung einen weiteren bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende in der Region. Wie Krasser erläuterte, wird in Wunsiedel der überschüssige Strom aus den Windrädern oder den Photovoltaik-Anlagen zur Herstellung des Wasserstoffes genutzt.

Zunächst planen Siemens und die SWW den Bau einer Anlage mit einer Leistung von bis zu zehn Megawatt. "Da wir modular planen, können wir flexibel auf den Bedarf reagieren und sie in Zukunft erweitern", sagte Schmuderer auf Nachfrage der Frankenpost . Schon jetzt haben zahlreiche Unternehmer aus der Region ihr Interesse am Wasserstoff bekundet. Wolf-Christian Küspert, Geschäftsführer der Gelo-Holzwerke in Weißenstadt, kann sich gut vorstellen, Stapler mit Wasserstoff zu betreiben. Auch mehrere Logistiker, Textilveredler, Busunternehmer und Industriebetriebe weiterer Branchen wollen dazu beitragen, das Fichtelgebirge in eine der führenden Wasserstoff-Regionen in Deutschland zu verwandeln.

Einer der größten Mitstreiter hat sich vor Kurzem gemeldet: das Unternehmen Rießner-Gase aus Lichtenfels. Dessen Verantwortliche wollen am Energiepark eine Trailer-Abfüll-Anlage bauen, in der vier bis fünf Lkw parallel befüllt werden können. Viel mehr Laster als bisher werden wegen der Elektrolyse nicht fahren. Wie Schmuderer erläuterte, werden zum Transport zwar 40-Tonner fahren, diese können aber maximal 500 Kilogramm Wasserstoff laden. "Die Lastwagen werden mit einem Druck von 350 bar betankt."

Dass die Absichtserklärung vom Dienstagnachmittag mehr ist als eine PR-Veranstaltung, wurde allein durch die Zahl der Unterschriften deutlich. Der Geschäftsführer des Unternehmens Rießner-Gase aus Lichtenfels, Dr. Thilo Rießner, Bürgermeister Karl-Willi Beck, SWW-Geschäftsführer Marco Krasser sowie die zuständigen Siemens-Manager Eric Klein und Dr. Bernd Koch unterzeichneten jeweils fünf verschiedene Blätter, die vor ihnen lagen.

An der Veranstaltung im "Haus der Energiezukunft" neben der SWW-Zentrale nahmen mehr als 50 Vertreter aus Politik und Wirtschaft teil. So waren unter anderem Bundestags-Vizepräsident Hans-Peter Friedrich, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, Landrat Dr. Karl Döhler und Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner gekommen. Auch zahlreiche Stadträte und Unternehmer wollten bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung mit dabei sein.

Da es, wie Beck sagte, sicherlich nicht interessant ist, fünf Männern beim Unterschreiben zuzusehen, ging es vor allem um die informellen Gespräche am Rande. So sah zum Beispiel Friedrich die geplante Wasserstoffproduktion in Wunsiedel als ein zusätzliches Argument für seinen Wunsch, zwischen Hof und Lichtenfels den ersten Wasserstoff-Zug Bayerns fahren zu lassen. Siemens hat tatsächlich ein derartiges Modell im Angebot. Auch die Vertreter der Entwicklungsagentur Fichtelgebirge waren als Mittler zwischen Wirtschaft und Politik vertreten.

Bürgermeister Beck vermutet, dass der Einstieg in die Wasserstoff-Technologie eine logische Konsequenz eines ganz speziellen Wunsiedler Wesenszuges ist: Mut, gepaart mit dem Willen voranzukommen. "Unsere Vorfahren waren Ackerbürger. Sie wussten, was es bedeutet, mit seiner eigenen Hände Arbeit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und sie wussten sich zu einigen, wenn es galt, die besten Lösungen zu finden."

So sei 1908 die Entscheidung, den damals noch exotischen elektrischen Strom für die Straßenbeleuchtung zu nutzen, enorm umstritten gewesen. "Viele setzten damals auf Gas, da sie dachten, dies sei wesentlich effizienter."

2004 ist schließlich der "Wunsiedler Weg" entstanden. An einem Sonntag haben sich die Stadträte, der Bürgermeister und einige Fachleute stundenlang zusammengesetzt und beraten, wie die Energiezukunft gestaltet werden solle. Noch heute erinnert sich Martin Schöffel an den wegweisenden Nachmittag. "Da war die Energie förmlich zu greifen. Viele der damaligen Visionen sind heute verwirklicht." Tatsächlich kann sich Wunsiedel schon seit Jahren komplett mit selbst erzeugter regenerativer Energie versorgen.

Die Elektrolyse-Anlage, die am Energiepark entstehen wird, muss noch lange nicht der letzte Baustein der Energiewende gewesen sein. Nicht nur die globalen Industrie-Giganten Siemens oder BayWa (als Partner in der Pellets-Fabrik) blicken neugierig auf Wunsiedel. Auch weitere Unternehmen interessieren sich für den Standort.

Das Sahnehäubchen auf allem wäre gleichwohl eine Hochschuleinrichtung. Professor Dr. Dieter Brüggemann, Leiter des Zentrums für Energietechnik an der Universität Bayreuth, sagte, dass er und seine Kollegen seit Jahren neugierig den Wunsiedler Weg verfolgten und auf mehreren Feldern mit der SWW zusammenarbeiteten. "Diese werden wir in Zukunft noch weiter verstärken."

"Ich gehe davon aus, dass es eines Tages einen Energiecampus in Wunsiedel geben wird. Freuen wir uns darauf", sagte Bürgermeister Karl-Willi Beck.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
30. 07. 2019
19:16 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
30. 07. 2019
19:16 Uhr



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