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Fichtelgebirge

Rundumschlag mit scharfen Zungen

Norbert Neugirg und David Zieglmaier präsentieren sich im Wunsiedler Museumshof als bitterböse Reimer. Nicht alles ist stubenrein. Den Zuschauern aber gefällt’s.



Nach anfänglichen Schwierigkeiten nun ein Bühnen-Duo, das sich gegenseitig mit Gemeinheiten übertrifft: Norbert Neugirg (links) und David Zieglmaier im Wunsiedler Museumshof.	Foto: Perzl
Nach anfänglichen Schwierigkeiten nun ein Bühnen-Duo, das sich gegenseitig mit Gemeinheiten übertrifft: Norbert Neugirg (links) und David Zieglmaier im Wunsiedler Museumshof. Foto: Perzl  

Wunsiedel - Keine Frage, es waren zwei mit deftigen Geschichten, Reimen und Zweiteilern gewürzte Abende im Wunsiedler Museumshof. Was Norbert Neugirg und David Zieglmaier da von sich gaben, war nicht unbedingt etwas für zartbesaitete Naturen, umso mehr ein Hochgenuss für Liebhaber des schwarzen Humors. Spätestens bei Sätzen wie "Er war bei Alfons Schuhbeck Koch, doch aß er nicht, drum lebt er noch." ist jedem klar: Wer sich einen Neugirg einbrockt, erhält eben auch einen Neugirg.

Der 58-jährige Chef der "Altneihauser Feierwehrkapell’n" aus der Zoigl-Hauptstadt Windischeschenbach, ein gebürtiger Erbendorfer, verkörpert das Oberpfälzer Idiom in Reinkultur: direkt, mit scharfer Zunge und gleich zur Sache kommend. Und wenn ihm dann noch einer wie David Zieglmaier zur Seite steht, der hinter verschmitztem Lächeln die versteckte Pointe und das Hintergründige nur notdürftig versteckt, ergibt sich damit eine ideale Symbiose. Seine Reime, mitunter abgewandelt, entnimmt der Münchner Werken von Heinrich Heine, Gotthold Ephraim Lessing, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz oder auch Robert Gernhardt. Von echten Dichtern eben.

"Anfangs hat es allerdings gar nicht gepasst", verrät der 38-jährige Schauspieler über die Zusammenarbeit, aber dann habe man sich immer mehr angenähert. Getroffen haben sich Neugirg und Zieglmaier erstmals 2017 auf der Luisenburg, wo sie auf Drängen des damaligen Intendanten Michael Lerchenberg in der sechsköpfigen Kapelle der "Pfingstorgel" mitwirkten. Dort fassten sie den Entschluss, "mal etwas gemeinsam zu unternehmen". Es hat immerhin noch zwei Jahre gedauert.

Den stetigen Wechsel am Stehpult im Museumshof versüßen sich die beiden "Poeten" mit gegenseitigen Animositäten. In Anlehnung an den Slogan des Abends - "wer Arbeit nicht so gern verrichtet, der setzt sich hin und dichtet" - sieht sich Zieglmaier schon dazu bemüßigt, daraufhin hinzuweisen, dass "ein Dichter aus der Oberpfalz" an sich schon ein Widerspruch sei. Für die zahlreichen Zuschauer, es blieben an diesem Abend nur noch wenige Plätze frei, gibt es auf alle Fälle viel zu lachen. Manchmal auch mit Verspätung, weil sich der Witz erst langsam erschließt. Es sind höchst vergnügliche eineinhalb Stunden mit einer zwanzigminütigen Unterbrechung.

Berufe jeglichen Coleurs - Politiker, Bierbrauer, Metzger, Gastronomen oder Golfer - bekommen in etlichen Gstanzln ihr Fett weg. Alles, wie gesagt, nicht immer stubenrein: "Kehrt Ruhe ein im Unterleib, wird Golf des Mannes Zeitvertreib" oder: "über Basketball oder Fußball, meist aber über Tennis dann, sobald er nicht mehr anders kann, kommt der Mann mal auf dem Golfplatz an, demzufolge stimmt die These, dass nach Umfang und nach Größe, die Bälle mit den Jahren auf Erden, beim Manne immer kleiner werden." Das Ganze ergänzt durch eine extrem weise Bauernregel aus der Oberpfalz: "Ist’s an Dreikönig bitterkalt, ist’s neue Jahr sechs Tage alt."

Richtig einstecken müssen in einer Homepage die kleinsten Orte der Region, die das Duo als "Juwelen des Fichtelgebirges" betitelt. Ob sie deren Bürgern damit wirklich die erhoffte "große Freude" bereiteten? Zweifel sind wohl angebracht: "Schneckenhammer, Schneckenmühle sind keine großen Reiseziele / in Valetsberg und Bibersbach, da gehen die Uhren drei Stunden nach / in Vierst und Sinatengrün will keiner weg und keiner hin / in Wintersberg und Wintersreuth, da wird’s erst übermorgen heut / und in Ziegelhütte und in Klause, ist der verreckte Hund zu Hause. In Johanneszeche und Juliushammer, schläft’s ganze Dorf in einer Kammer / in Fahrenbach und in Wurmloh, verzerren sie noch die Katzen roh. / In Meierhof, wo’s Internet so unendlich langsam geht, dass die E-Mails auf dem Bildschirm bleiben und die Bürger sie von Hand abschreiben, dann in einen Umschlag kleben und dem Milchauto mitgeben. / Bernstein, Schönlind und Rügersgrün, wo selbst die Blattläuse vorüberziehn / und Birk, wo alle Straßen enden und sie die D-Mark noch verwenden und bis heute Lebensmittel spenden und Päckchen in die DDR versenden."

Mit einer - natürlich humoristischen - Erzählung Neugirgs über seinen Werdegang bei der Gründung der Altneihauser Feierwehrkapell’n und den damit verbundenen Pleiten, Pech und Pannen, einer Wildsau-Jagd mit einem Halali auf zwei Jagdhörnern sowie einer Parodie auf den amerikanischen Präsidenten ("Donald Trump ist affengeil") endet der Abend mit lang anhaltendem Applaus.

Und einem abschließenden sicher herzlich gemeinten Anliegen der beiden Protagonisten angesichts klammer kreisstädtischer Kassen: "Schütze Wunsiedel vor dem Pleitegeier, das wünschen der Neugirg und der Zieglmaier." PER

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Ingrid Perzl
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Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
18:02 Uhr

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Ingrid Perzl

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Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
18:02 Uhr



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