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Fichtelgebirge

Wasserstoff-Region nimmt richtig Fahrt auf

Der Lichtenfelser Unternehmer Thilo Rießner will sich an der Elektrolyse in Wunsiedel beteiligen. Er sieht in der Technologie großes Potenzial.



Ein 40-Tonnen-Lkw kann etwa 300 bis 400 Kilogramm Wasserstoff transportieren. Foto: Andreas Arnold
Ein 40-Tonnen-Lkw kann etwa 300 bis 400 Kilogramm Wasserstoff transportieren. Foto: Andreas Arnold  

Wunsiedel - Am Anfang steht ein Artikel in der Frankenpost. Als der Lichtenfelser Unternehmer Dr. Thilo Rießner von den Plänen der Wunsiedler Stadtwerke SWW und des Siemens-Konzerns las, die in der Festspielstadt eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff planen, war für ihn klar, dass er sich darüber näher informieren muss. "Natürlich hat mich das interessiert, und deshalb habe ich bei SWW-Geschäftsführer Marco Krasser angerufen", sagt Rießner im Gespräch mit der Frankenpost . Auch Siemens-Projektleiter Andreas Schmuderer war bei dem folgenden Gespräch dabei. Schnell stand für den Lichtenfelser Unternehmer fest, dass er sich an dem Projekt beteiligen will. Noch sind aber nicht alle Fragen geklärt. "Wir sind auf einem guten Weg. Derzeit geht es um Detailfragen."

Die Rießner-Gase GmbH in Lichtenfels ist ein mittelständisches Familien-Unternehmen mit 90 Mitarbeitern. Seit 74 Jahren füllt Rießner verschiedene Rein- und Mischgase ab und vertreibt sie an Industrie, Krankenhäuser und viele weitere Branchen. Auch Wasserstoff haben die Lichtenfelser im Angebot. "Allerdings sind einige Lieferanten nicht immer ganz zuverlässig, sodass eine eigene Wasserstoff-Quelle für uns geradezu ideal wäre", sagt Dr. Thilo Rießner.

Noch ist Wasserstoff vor allem für die Industrie interessant, etwa zur Herstellung von Quarzglas, Chemie-Erzeugnissen oder Metallen. "Ich sehe in Zukunft zudem ein großes Potenzial von Wasserstoff in der Mobilität." Noch gebe es wenige wasserstoff-betriebene Autos. Doch die Brennstoffzellen-Technik entwickle sich weiter.

Die Rießner-Gase GmbH will in Wunsiedel eine Abfüll-Anlage für Trailer bauen. Für das Unternehmen wäre der Standort ideal, da es auch in Tschechien (zwischen Pilsen und Prag) eine Tochterfirma mit 20 Mitarbeitern besitzt. "Wir könnten von Wunsiedel aus auch den tschechischen Markt bedienen."

Nach den Vorstellungen von Dr. Thilo Rießner sollen die Lkw in Wunsiedel befüllt werden und von hier aus die Kunden beliefern. Ein 40-Tonnen-Lastwagen kann etwa 300 bis 400 Kilogramm Wasserstoff transportieren. "Das hört sich nach wenig an. Allerdings muss man wissen, dass der Wasserstoff mit großem Druck in den Behälter gepresst wird. Daher ist ein dicker Stahlmantel notwendig." Ein Kubikmeter Wasserstoff wiegt etwa 90 Gramm - angesichts dieses Gewichts relativieren sich die oben genannten Zahlen. Dass Wasserstoff für die Autoindustrie interessant ist, beweist unter anderem die Limousine Mirai von Toyota. Mit fünf Kilogramm Wasserstoff, die "in den Tank" passen, fährt das Auto 500 Kilometer.

Bis zum Jahresende wollen die Rießner GmbH, Siemens und die SWW Nägel mit Köpfen machen und ein Konzept erarbeiten. "Das Gute an Wunsiedel ist, dass die Kapazität der Anlage flexibel ist." Noch stehe nicht fest, wie viel Wasserstoff pro Stunde produziert werden soll. Letztlich wird sich dies nach der Menge orientieren, die die Gesellschafter vermarkten können oder selbst benötigen.

Auch der Landkreis Wunsiedel engagiert sich für die Wasserstoff-Technologie. Am ersten von der Entwicklungsagentur Fichtelgebirge veranstalteten "Wasserstoff-Stammtisch" haben sich mehrere Dutzend Unternehmen und Institutionen beteiligt, die an dem Thema Interesse haben. Deren Vertreter sammelten Ideen von wasserstoff-betriebenen Staplern bis hin zum Einsatz für Busse im öffentlichen Nahverkehr.

Vor Kurzem haben die potenziellen Gesellschafter (Siemens, SWW Wunsiedel und die Rießner GmbH) im Haus der Energiewende eine Absichtserklärung zum Bau der Elektrolyse-Anlage und der Trailer-Befüllung unterzeichnet. Mit dabei waren Vertreter aus der Politik und der Wirtschaft, die sich ebenfalls beteiligen wollen.

Die Elektrolyse-Anlage selbst wird zwar technisch spektakulär, optisch aber eher unscheinbar werden. "Sie ist etwa so groß wie drei Container. Die Trailer-Abfüll-Anlage benötigt etwas mehr Platz, allein schon, damit die Lkw rangieren können", sagt Rießner.

Wie Andreas Schmuderer, Projektleiter von Siemens, mehrfach äußerte, soll der Spatenstich für die Elektrolyse schon im ersten Quartal kommenden Jahres gesetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt beginnt im Fichtelgebirge tatsächlich das Wasserstoff-Zeitalter.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
18:08 Uhr

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Matthias Bäumler

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14. 08. 2019
18:08 Uhr



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