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Fichtelgebirge

Dekan rechtfertigt höhere Beiträge

Peter Bauer spricht von einer bisherigen Unterfinanzierung der Kitas. MdL Martin Schöffel hält die Erhöhung auch für notwendig zugunsten einer besseren Qualität.



Geschäftsführerin Siglinde Janke und Dekan Peter Bauer, Diakonie Selb-Wunsiedel, halten die Erhöhung der Kita-Gebühren für gerechtfertigt. Foto: Peggy Biczysko
Geschäftsführerin Siglinde Janke und Dekan Peter Bauer, Diakonie Selb-Wunsiedel, halten die Erhöhung der Kita-Gebühren für gerechtfertigt. Foto: Peggy Biczysko  

Wunsiedel - "Eltern wütend wegen höherer Beiträge" - so titelte die Frankenpost am 12. August, nachdem sich Eltern in Wunsiedel beklagt hatten, sie würden nicht von den 100 Euro Zuschuss des Freistaats pro Kindergartenkind profitieren. Denn die Diakonie hatte die Elternbeiträge nach dieser Entscheidung um bis zu 40 Prozent erhöht. Dekan Peter Bauer, damals gerade auf Reisen, hatte sich nur knapp dazu geäußert. Doch die Vorwürfe ließen dem Dekan keine Ruhe. Jetzt legt er in einem Gespräch mit der Frankenpost noch einmal nach. Zeitgleich meldet sich in der Sache auch Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (CSU) zu Wort.

"Wir hatten bisher eine Unterfinanzierung der Kindertagesstätten", verdeutlicht Bauer. Die Unterstellung "Das ist nicht sehr christlich", dass die Eltern trotzdem noch Gebühren zahlen müssten, die nach dem Zuschuss durch den Freistaat deutlich unter den bisherigen lägen, schmerzt den Dekan: "Wir in der Diakonie arbeiten nicht gewinnorientiert."

Das unterstreicht auch Geschäftsführerin Siglinde Janke: "Wir sind ein gemeinnütziger Verein und würden diese Gemeinnützigkeit gefährden, würden wir uns in irgendeiner Form bereichern." Es sei stets eine "riesige Gratwanderung", die Kosten in Balance zu halten, zumal jährliche Tariferhöhungen das Budget enorm belasteten. "Im nächsten Jahr sind es 3,8 Prozent mehr", gibt sie zu bedenken. Und die Diakonie lege großen Wert auf eine angemessene Entlohnung ihres Personals. "Aus unserer Sicht wäre es nicht besonders christlich, die Beschäftigten nicht entsprechend zu bezahlen." Janke spricht von fast 600 Mitarbeitern, die Hälfte beim Diakonischen Werk, die andere bei den Diakonie-Vereinen. "Allein im ,Sternenzelt’ in Wunsiedel beschäftigen wir 24 Leute. Und das ist nur das pädagogische Fachpersonal, das sich um rund 130 Kinder kümmert."

Dass die Eltern dachten, sie müssten nach dem Zuschuss von 100 Euro pro Kind bis zur Einschulung gar nichts mehr bezahlen, sei ein großes Missverständnis, betont Dekan Peter Bauer. "Für die Qualität, die wir bieten, ist das ein günstiges Angebot an die Eltern." In Südbayern beispielsweise lägen die Beiträge doppelt so hoch. Und dort übernähmen die Kommunen zu hundert Prozent das Defizit der Kitas. "Bei uns sind es 70 Prozent, 30 Prozent trägt die Diakonie." Verwaltung, Einrichtungsgegenstände, Fortbildungen oder Betriebskosten kämen da noch hinzu. Laut Siglinde Janke betreut die Verwaltung der Diakonie in Wunsiedel, in der fünf Leute beschäftigt sind, 13 Kindergärten im Landkreis Wunsiedel. "Wir fahren personell in der Verwaltung auf absoluter Kante."

Auch Dekan Bauer nennt es "völlig unrealistisch, dass Eltern nichts mehr bezahlen für den Kindergartenbesuch". Er bemühe sich, mit allen Menschen friedlich auszukommen, und könne überhaupt nicht verstehen, "dass Eltern Angst haben, wir würden ihre Kinder aus dem Kindergarten schmeißen, wenn sie öffentlich ihre Meinung kundtun". Er frage sich: "Welches Bild gebe ich denn nach außen ab?"

Auch Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (CSU) klinkt sich in die Diskussion ein. "Der Freistaat unterstützt jedes Kindergartenkind finanziell mit 100 Euro monatlich. Das Geld fließt den Trägern der Kindertagesstätten zu, damit sollen die Elternbeiträge verringert werden. Die Besonderheit im Landkreis Wunsiedel ist, dass in den meisten Einrichtungen über lange Jahre die Elternbeiträge trotz Tarif- und weiterer Kostensteigerungen nicht - wie andernorts in Bayern - angehoben wurden. Sie bewegen sich bislang am untersten Ende im bayernweiten Vergleich." Die Einrichtungen belaste, dass wegen der knappen finanziellen Ausstattung zu wenig Spielraum für mehr Personal herrsche. "Alle müssen ein Interesse daran haben, dass unsere Einrichtungen gut arbeiten können, Qualität in der Betreuung für die Kinder bieten, weiter Personal einstellen können und trotz neuer Herausforderungen finanziell stabil bleiben", unterstreicht Schöffel.

Trotz der Beitragserhöhungen zahlten die Eltern wesentlich weniger als vorher, "weil vom Kindergartenbeitrag 100 Euro monatlich abgezogen werden". Außerdem könnten Eltern oder Alleinerziehende, die sich den verbleibenden Beitrag wegen ihres Einkommens nicht leisten können, die Beitragsübernahme beim Jugendamt beantragen.

Der Abgeordnete weist noch auf eine andere Möglichkeit der Unterstützung hin: "Die Übernahme von Kinderbetreuungskosten nicht schulpflichtiger Kinder von Angestellten ist auch für Arbeitgeber interessant, weil dies für die Arbeitnehmer eine steuer- und sozialversicherungsfreie Leistung bedeutet. Eine Gehaltserhöhung in dieser Form kommt also ohne Abzüge voll beim Arbeitnehmer an. Jeder Unternehmer, der hier mitmacht, trägt aktiv zu einem familienfreundlichen Lebens- und Wirtschaftsraum Fichtelgebirge bei."

Oberstes Ziel sei es, sowohl eine Entlastung für die Eltern als auch eine Verbesserung der Qualität und der personellen Situation zu erreichen. "Ich bitte die Eltern in unserer Region, die Kindertagesstätten in ihrer Arbeit zu unterstützen und die wohlbegründete Beitragserhöhung auch mitzutragen." Die Kitas bittet Schöffel darum, die individuelle Situation ihrer Einrichtungen und der Mitarbeiter den Eltern "offen und transparent" zu erläutern. "Wir alle können die Arbeit der Erzieher in den Kitas nicht hoch genug wertschätzen, weil sie täglich mit Kompetenz, Herzblut und Liebe für die Kinder erbracht wird."

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
17:40 Uhr

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
17:40 Uhr



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