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Fichtelgebirge

Im Haus der historischen Schätze

Wer an einem Regentag nichts anzufangen weiß, dem sei der Besuch des Egerland-Kulturhauses ans Herz gelegt. Kunst- und Geschichtsinteressierte kommen auf ihre Kosten.



Museumsleiter Volker Dittmar vor der wandhohen Reproduktion des Fotos "Massenspaziergang" aus dem Jahr 1905. Die Aufnahme von Karlsbad Photographie zeigt die Mühlbrunn-Kolonade in Karlsbad. Fotos: kst
Museumsleiter Volker Dittmar vor der wandhohen Reproduktion des Fotos "Massenspaziergang" aus dem Jahr 1905. Die Aufnahme von Karlsbad Photographie zeigt die Mühlbrunn-Kolonade in Karlsbad. Fotos: kst   » zu den Bildern

Marktredwitz - Stolz ist Volker Dittmar auf alle Exponate in "seinem" Museum, das ist deutlich herauszuhören, wenn man mit ihm durch die Dauerausstellung des Hauses geht. Der Leiter des Egerland-Museums im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz ist als Magister der Volkskunde prädestiniert wie kein anderer, einem Besucher, der in der Stadt Urlaub macht - aber vermutlich auch den meisten Einheimischen - die Kulturgeschichte des Egerlandes nahezubringen. Und wer ihn nicht persönlich antrifft, kann sich mit einer aufwendig gestalteten, kostenlosen App, die Videos und vieles mehr zu bieten hat, auf den Weg durch die modern, eindrucksvoll und übersichtlich gestalteten Räume machen.

Wann, wo und wieviel

Öffnungszeiten: Das Egerland-Museum im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können sich auch gerne für Führungen außerhalb der Öffnungszeiten anmelden.

Eintritt: Erwachsene vier Euro, ermäßigt (inklusive Gruppen ab acht Personen) jeweils 2,50 Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist der Eintritt frei.

Adresse: 95615 Marktredwitz, Fikentscherstraße 24.

Kontakt: Telefon 09231/3907,

E-Mail: info@egerlandmuseum.de

—————

www.egerlandmuseum.de


Museum und mehr

Das Egerland-Kulturhaus beherbergt zudem eine Kunstgalerie, die Werke - von gegenständlicher Malerei bis zu konkreter Kunst - von Künstlern aus dem Egerland zeigt, die in der Moderne arbeiteten. Es gibt eine Studienbibliothek zur Kulturgeschichte und immer wieder Sonderausstellungen.


Zunächst beschäftigt den Besucher vielleicht die Frage, warum es mitten im Sechsämterland ein Egerland-Museum gibt. Das hängt mit den 475 Jahren zusammen, in denen der "Markt Redwitz" von 1341 bis 1816 eine Egerländer Exklave war. Und auch damit, dass nach dem Zweiten Weltkrieg 800 000 Menschen aus Nordwest-Böhmen vertrieben wurden und jenseits der Grenze erste Aufnahme fanden. Seit 1946 wurden in Marktredwitz Andenken an das Egerland gesammelt, in den 50er-Jahren gab es in Regensburg und Bayreuth erste Museen. In Marktredwitz fanden die ersten Egerland-Tage statt. "Das waren Großereignisse", berichtet Volker Dittmar.

Aus der Überlegung heraus, einen Ort zu schaffen, wo sich die Egerländer künftig treffen und ihre Kultur bewahren konnten, entstand die Idee für ein Egerland-Kulturhaus. In dem 1973 eröffneten Gebäude wurde eine Heimatsammlung angelegt mit von Egerländern gespendeten Andenken, die in einer Ausstellung zur Kulturgeschichte präsentiert wurden. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass man nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder ins Egerland fahren konnte, dort Kontakt aufnahm mit der Bevölkerung und mit Museums- und Archivleitern in Tschechien wissenschaftlichen Austausch pflegte, war schnell klar, dass das Kulturhaus zu klein werden würde. Die Erweiterung und Modernisierung erfolgte 1999/2000.

"Meine Vorgängerin Dr. Elisabeth Fendl hat das Museum neu konzipiert", berichtet Dittmar. "Die Dauerausstellung, wie sie heute ist, wurde 2000 eröffnet." Diese permanente Schau bietet einen wissenschaftlich aufgearbeiteten Rundgang durch die Kulturgeschichte des Egerlandes im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und die Geschichte der heimatvertriebenen Egerländer.

Gleich am Beginn des Rundgangs empfängt den Besucher das Prunkstück der Sammlung: ein kunstvoller Reliefintarsien-Schrank aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie es ihn in dieser Form nur in Eger gab. "Ein Spitzenstück der Tischler-Kunst in Europa", sagt Volker Dittmar.

Die liebevoll präsentierten Schätze des Hauses reichen von einem (originalen) "Hochzeitsbrot" und einer kompletten alten Bauernstube, die, wie der Museumsleiter einschränkt, recht idealisiert dargestellt ist. So reich seien die Stuben damals doch nicht ausgestattet gewesen.

Das Museum arbeitet auch die Geschichte von Handwerk und Industrie im Egerland auf; zu sehen sind eindrucksvolle Erzeugnisse der Zinngießer, Porzellan aus Alt-Rolau oder Beispiele für die Kunst der Glasveredler und - nicht zuletzt - die Tradition des Musikinstrumentenbaus: Zur typischen Egerländer Volksmusik gehörten, so lernt der Museumsbesucher, die Geige, die Klarinette, der Dudelsack (die "Ziege") und eine tragbare Harfe. Auch hier ergänzt die App die Exponate überaus anschaulich.

Ein größerer Abschnitt der Dauerausstellung ist der böhmischen Bäderstraße gewidmet und ihren kulturellen Besonderheiten. So kann man zahlreiche Gegenstände aus Karlsbader Sprudelstein bewundern, einem Stein, den es heute nicht mehr gibt. Die Ausstellung beleuchtet die Bäder-Kultur mit den Brunnen-Frauen, die den illustren Gästen gegen "Trink-Geld" die Becher mit dem heißen Heilwasser reichten; stolz sind die Ausstellungsmacher auch auf zahlreiche Originalplakate, die, 1819 in Wunsiedel gedruckt, zweisprachig auf Französisch und Deutsch Werbung machten für die Luxushotels in Karlsbad. Und so gibt es noch viele Details und Aspekte mehr, die die Geschichte des Egerlands bis in die jüngste Vergangenheit anschaulich dokumentieren.

Die hauseigene App übrigens macht aus dem Museum eines mit riesigen Möglichkeiten. Sie ist kostenlos aufs Handy herunterladbar. Vor Ort kann man sich auch Tablets ausleihen und sich mit ihnen per App durch die Ausstellung führen lassen. Zu vielen Themen erlebt man so per Film oder in anderer Form zahlreiche sonst verborgene Geheimnisse der Exponate.

In eine eigene kleine Welt taucht ein, wer die jüngste Abteilung des Hauses besucht: die über die besonderen Marktredwitzer Landschaftskrippen. Dort tummeln sich - nach Themenbereichen zusammengestellt - tönerne Menschen und Tiere. Die Szenen spielen im Orient, auf einem Volksfest, auf einer Wallfahrt, im Hochgebirge; sie zeigen "Menschen" im Brauchtum, bei er Jagd, beim Wildern und in vielen weiteren Szenen. Alles aufs Liebevollste und überaus detailreich dargestellt.

Und, um auf die anfangs erwähnten Vorlieben des Museumsleiters zurückzukommen: Nicht etwa das Prunkstück am Eingang ist Volker Dittmars besonderer Stolz. Danach gefragt, verweist er auf einen unscheinbaren flachen Kasten mit zahllosen Farbtöpfchen. Den hat er nämlich höchst eigenhändig vor dem Abriss aus der ehemaligen Werkstatt des Marktredwitzer Krippenfiguren-Töpfers Karl W. Meyer gerettet.

Autor

Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
15:26 Uhr

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Autor

Kerstin Starke

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
15:26 Uhr



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