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Fichtelgebirge

"Christkind" aus dem Fichtelgebirge macht Doctor of Pharmacy in USA

Franziska Benker macht in Florida ihren Doctor of Pharmacy. Mit großem Ehrgeiz erfüllt sich die frühere Werbeträgerin der Frankenpost einen Traum.



Als sympathische Weihnachtsbotin unserer Zeitung war Franziska Benker in den Jahren 2011 und 2012 als Frankenpost -"Christkind" bei Firmen der Region unterwegs. Foto: Archiv
Als sympathische Weihnachtsbotin unserer Zeitung war Franziska Benker in den Jahren 2011 und 2012 als Frankenpost -"Christkind" bei Firmen der Region unterwegs. Foto: Archiv   » zu den Bildern

Habnith - Franziska Benker ist verliebt. Allerdings nicht in einen jungen Mann, sondern gleich in ein ganzes Land. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben es ihr angetan, ganz besonders der Bundesstaat Florida. So bald wie möglich möchte sie wieder "rüber". Aber das ist - trotz US-Doktortitel - gar nicht so leicht.

Zielstrebig hat die 31-Jährige aus dem Marktleuthener Ortsteil Habnith ihren Amerika-Traum verfolgt. Vielen in der Region ist die hübsche junge Frau mit den goldenen Locken noch als "Christkind" der Frankenpost in Erinnerung. In den Jahren 2011 und 2012 war sie die erste Weihnachtsbotin der "Stimme der Region", beschenkte in der Adventszeit jeden Tag Kunden und Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen mit Glühwein, Kinderpunsch, Lebkuchen - und mit ihrem Lächeln.

Damals steckte Franziska Benker mitten im Pharmazie-Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg. Im praktischen Jahr, das nach dem zweiten Staatsexamen vorgeschrieben ist, machte die junge Frau einen Traum wahr: Nach mehreren Monaten in einer Wunsiedler Apotheke ging sie für ein Auslandspraktikum nach Florida. Professor Hartmut Derendorf, ein deutscher Pharmakologe, der an der University of Florida in Gainesville lehrt, hatte ihr die Austausch-Stelle verschafft, das Visum und alle nötigen Papiere organisiert.

Benker wird vom "American Way of Life" infiziert. "Das Land hat mich sofort begeistert", berichtet sie. "Ich habe direkt eine emotionale Beziehung aufgebaut, war beeindruckt von der Mentalität der Menschen." Klar, Amerikaner leben und denken anders, aber sie sind unheimlich gastfreundlich und offen gegenüber Fremden. "Manche nennen das oberflächlich, aber ich habe diese natürliche Freundlichkeit sehr genossen", sagt Benker. "Ich habe mich in das Land verliebt."

Ihr beruflicher Weg führt sie allerdings zurück nach Deutschland. Sie macht ihren Abschluss zur Apothekerin. Aber sie will unbedingt wieder in die USA. "Die Möglichkeiten dafür waren allerdings ziemlich begrenzt", sagt die junge Frau aus dem Fichtelgebirge, deren Eltern in Habnith neben ihrer Landwirtschaft eine Gastwirtschaft betreiben. Sie hätte sich auf eine Stelle bei einem deutschen Pharma-Konzern mit Niederlassung in den USA bewerben können, aber: "So eine Laborratte bin ich eigentlich nicht." Also bleibt nur der Weg, die amerikanische Apotheker-Lizenz zu erwerben, also Doctor of Pharmacy zu werden.

Europäische Abschlüsse lassen sich nicht so einfach auf US-Diplome umschreiben. Die Amerikaner pochen auf ihre Regeln und Vorschriften, verlangen von Ausländern zwei schwere Eingangsprüfungen, ein Praktikum mit mindestens 2080 Arbeitsstunden und zwei Examina am Schluss, analog zu denen der US-Pharmazie-Studenten. "Das war - mal ganz abgesehen vom Lernen - ein enormer Aufwand", sagt Benker. Dokumente mussten übersetzt und beglaubigt werden, eine Unterkunft gefunden, ein Auto gemietet werden. Und allein die Gebühr für die Anmeldung zu einer Prüfung kostete mehr als tausend Dollar.

Wie kann ich das stemmen?, fragt sich die Frau aus dem Fichtelgebirge. Sie erwirbt das Apotheker-Diplom für die Schweiz, weil dort Apotheker besser verdienen als in Deutschland. Sie geht nach Zürich. Und sie spart. Die vorgeschriebenen Praktikumsstunden absolviert Franziska Benker in der Krankenhaus-Apotheke am Uni-Klinikum in Gainesville. "Das war fast ein Jahr. Ein Einkommen hatte ich als Praktikantin nicht. Aber enorme Ausgaben."

Dennoch: Die erneute Zeit in Florida ist spannend, weil Apotheker im Beruf dort andere Schwerpunkte setzen: "Man ist stärker in das Team mit Ärzten und Pflegepersonal eingebunden. Alle kümmern sich gemeinsam um das Wohlergehen des Patienten." Diese praxisorientierte Form einer klinisch angewandten Pharmazie kennt Benker aus Europa nicht. Die fertig ausgebildete Apothekerin kommt sich in Florida vor "wie ein Lehrling". Aber sie lernt, mit der größeren Kompetenz, mit den weiter reichenden Befugnissen und mit den neuen Freiheiten umzugehen. Sie macht die beiden Abschlussprüfungen und fährt zurück in die Schweiz, ohne zu wissen, ob sie bestanden hat. "Meine Lizenz kam dann einfach mit der Post", erzählt sie. Benker ist überglücklich: "Das war mein Traum. Und ich habe ihn verwirklicht." Wer an sich glaube und hart arbeite, der werde am Ende belohnt.

Zur Examensfeier fliegt sie wieder nach Florida. Typisch amerikanisch, mit Doktorhut und Wissenschaftler-Robe nimmt sie ihr Diplom entgegen. Franziska Benker aus Habnith im Fichtelgebirge ist Doctor of Pharmacy.

Derzeit ist sie wieder in Zürich. Doch das Abenteuer USA soll nicht beendet sein. Sie will in Amerika arbeiten. Also stürzt sie sich in den nächsten Papierkrieg. Job-Suche, Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitserlaubnis. "Ich brauche einen Arbeitgeber, der mich sponsert, nur dann habe ich die Chance auf ein Visum", sagt sie. Professor Derendorf, in den Staaten gut vernetzt, unterstüzt sie wieder.

Das Fichtelgebirge sieht Franziska Benker immer noch als Heimat, als "Gefühl im Herzen, wo man herkommt". Sie ist gerne zu Hause in Habnith bei den Eltern, bei den Geschwistern und Freunden. Aber ihre große Liebe ist nun mal Amerika. Sie ist zuversichtlich, dass es klappen wird mit einer Stelle in den USA.

Vielleicht verbringt sie ja das nächste Weihnachtsfest schon dort. "Dann muss ich wieder versuchen zu erklären, dass ich mal das Christkind war", sagt sie lachend. "Das gibt es ja drüben gar nicht. Da bringt der Weihnachtsmann, Santa Claus, die Geschenke. Und das auch erst am ersten Feiertag, nicht an Heiligabend." Wenn um sie herum dann alles in allen Farben blinkt und sich die Nachbarn mit Plastik-Weihnachtsdeko überbieten, wird sie erzählen, dass sie zu Hause in Deutschland mal für die Zeitung ihrer Heimat etwas ganz Besonderes war. "Ich sage nicht Christkind, sondern Weihnachtsengel. Dann verstehen die das."

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
16:22 Uhr

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Rainer Maier

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
16:22 Uhr



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