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Fichtelgebirge

Zwei Clubberer und ihre absolute Priorität

Die Profis Johannes Geis und Michael Frey stehen beim Fanklub Rot-Schwarz-Rawetz Rede und Antwort. Über 100 Zuhörer erfahren, dass Kritik einen Spieler kaputtmachen kann.



Michael Frey, Johannes Geis und Club-Fanbetreuer Jürgen Bergmann mit dem Rot-Schwarz-Rawetz-Vorsitzenden Christian Walberer Foto: Perzl
Michael Frey, Johannes Geis und Club-Fanbetreuer Jürgen Bergmann mit dem Rot-Schwarz-Rawetz-Vorsitzenden Christian Walberer Foto: Perzl  

Marktredwitz - Da funkeln die Augen der Club-Fans, als zwei ihrer Hoffnungsträger am Samstag im Marktredwitzer Kössein Einkaufs Center (KEC) auflaufen: Johannes Geis und Michael Frey, die im schneeweißen AMG-Mercedes vorfahren und dem Fanklub Rot-Schwarz-Rawetz zum zehnjährigen Bestehen die Ehre erweisen. Trotz Schwimmbadwetters, Urlaubszeit und zeitgleich stattfindender Amateur-Fußballspiele haben sich gut 100 Fans eingefunden, die den Neuerwerbungen des 1. FC Nürnberg zuhören.

Moderator Peter Berek, der Bürgermeister von Bad Alexandersbad, drückt erst einmal den Finger in die Wunde: Denn gerade 18 Stunden sind vergangen, als der FCN eine 2:0-Führung gegen harmlose Heidenheimer noch verspielte und sich am Ende mit einem Remis zufriedengeben musste. Trotz seines Traumtores ist Johannes Geis die Stimmung gründlich verhagelt: "Meine Gefühle, wenn ich die hier schildern würde, wäre das nicht mehr jugendfrei", sagt der 26-Jährige. Sehr, sehr bitter sei der Abend gewesen, "weil wir, wie ich finde, unser bislang bestes Spiel gezeigt haben".

Auch Michael Frey macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Das waren zwei blöde Gegentore, die wir jederzeit verhindern hätten können", meint er in seinem Schweizer Dialekt. Und Trainer Damir Canadi? Der sei verständlicherweise "nicht der Glücklichste" gewesen, verrät Geis, und habe für die Länderspiel-Pause "eine sehr intensive Woche" angekündigt.

Die Mannschaft müsse sich "noch besser kennenlernen", sagt Geis, der den Kader sonst "gut aufgestellt" sieht. "Das soll keine Ausrede sein, aber wir müssen noch zusammenwachsen wegen der vielen Neuen im Team."

Das sieht auch Frey so: "Wichtig ist, dass wir die Automatismen perfektionieren und an der Feinabstimmung arbeiten." Auch er, der von Fehnerbace Istanbul ausgeliehen ist, trainere ja selbst erst seit ein paar Tagen in Nürnberg, fühle sich aber pudelwohl: "Der Club hat mich schon immer fasziniert." Von der Schweiz aus habe er schon seit frühester Kindheit stets in Richtung Bundesliga geschaut und sich von der Ausstrahlung dieses Vereins anstecken lassen. "Mein Ziel war es immer, in Deutschland einmal Fußball zu spielen." Wie viele Tore er als Stürmer anstrebe, fragte Berek. Da wollte sich der 25-Jährige nicht festnageln lassen. "Am liebsten in jedem Spiel eines, aber eine Zahl sage ich nicht." Am Freitag blieb ihm Treffer Nummer eins versagt, obwohl er schon nahe dran war. Anfangen mit dem Toreschießen will er nun in zwei Wochen in Darmstadt. Die beiden Vollblut-Fußballer sind sich einig, dass "wir dort die vollen Punkte einfahren".

Auch zum Thema Wiederaufstieg herrscht Einigkeit. "Wir wollen auf der Zielgeraden vorne dabei sein und zustechen, sobald sich die Chance ergibt", sagt Geis, der als Jugendlicher nach einem Probetraining durchs Club-Raster gefallen war. Als sich ein halbes Jahr niemand vom Verein gemeldet hatte, habe sein Papa nachgefragt. Ihm wurde erklärt, Johannes brauche noch Zeit. Später hat es Geis zum Jugend- und Junioren-Nationalspieler (U 16 bis U 21) gebracht und hielt zuletzt mit dem FC Köln die Bundesliga. Am meisten geprägt, sagt Geis, habe ihn die Station beim FC Sevilla, obwohl er dort nur ein Jahr verbracht hat. "Ich musste die Sprache lernen und mich allein im Ausland zurechtfinden, das war lehrreich."

Seine bislang schönste Zeit habe er bei Schalke 04 erlebt - das Flair, die Fans, das sei einfach "ein Superverein", schildert der gebürtige Schweinfurter, der seine fußballerische Ausbildung beim TSV Großbardorf und der SpVgg Greuther Fürth genossen hat. Beim FC Nürnberg, den mit den Schalkern bekanntlich eine innige Fan-Freundschaft verbindet, herrschten nun ähnliche Verhältnisse. "Das ist hier alles so herzlich familiär, trotz des Riesenumfelds." Er vergleicht den Club mit einer "großen Familie, in der es auch ab und zu mal kracht, aber wenn es wirklich eng wird, dann halten alle zusammen".

Die Hauptaufstiegs-Konkurrenten? Für Geis sind es - nicht weiter verwunderlich - die großen Vier: Hamburg, Stuttgart, Hannover und eben "sein" Club. "Aber es wird noch einer dazukommen, den niemand auf dem Zettel hat", vermutet er, "wie im Vorjahr Paderborn." Und warum schafft es der Club? "Weil wir mehr Punkte holen als die Konkurrenz", kommt es von dem aus dem schweizerischen Münsingen stammenden Michael Frey wie aus der Pistole geschossen. Der Beifall für diese spontane Antwort ist ihm in Marktredwitz gewiss. Sein großer Traum: die Schweizer Nationalmannschaft. Absolute Priorität aber genieße Nürnberg.

Was verraten beide Sportler noch während der kurzweiligen eineinhalb Stunden? Auf alle Fälle, dass, wenn mal kein Fußballtermin ansteht, sich Verteidiger und Standard-Spezialist Johannes Geis gerne in den Wald begibt, dabei den Kopfhörer aufsetzt, mitunter auf der Playstation spielt oder sich mit Freunden trifft. Sein großes Vorbild sei Bastian Schweinsteiger.

Für Michael Frey, der sein "tollstes Spiel" bislang mit Fehnerbace Istanbul im Stadtderby gegen Galatasaray erlebt hat und für den Nürnberg bereits seine sechste Profi-Station ist, ist der Aufenthalt in der Natur ebenfalls ein guter Ausgleich zum sehr von Terminplänen geprägten Fußballer-Leben. Dass er einmal die Kunstschule besuchte, gerne malt und auch heute noch ab und an zum Bleistift greift, wissen die Allerwenigsten. Als größte Förderer nennen die Fußballer ihre jeweiligen Eltern, ohne deren Engagement sie ihr Talent nicht so hätten entwickeln können.

Interessant ist auch, wie Johannes Geis Kritik verarbeitet. Positives am Montag in der Zeitung zu lesen, pushe ihn natürlich für die Woche, sagt er. Doch wenn die Kommentare gar zu krass ausfielen, sehe er Probleme: "An Negativem kann ein Spieler auch kaputtgehen", verrät er den Fans. "Das sitzt im Kopf fest und ist kein Spaß mehr." Da hocke man dann zu Hause auf der Couch und grüble.

Zu diesem Zeitpunkt mischt sich dann Club-Fanbeauftragter Jürgen Bergmann ein. Sein Ratschlag: "Wenn wir verlieren, bekommen die Jungs Zeitungsverbot, wenn wir gewinnen, ist das wieder aufgehoben." Der 56-Jährige, der die 702 offiziellen Club-Fanklubs betreut und am Ende einem restlos zufriedenen Rot-Schwarz-Rawetz-Vorsitzenden Christian Walberer die Jubiläums-Urkunde überreicht, sieht seine Nürnberger trotz gelegentlicher Störfeuer auf einem guten Weg und stellt einem ein ganz besonderes Zeugnis aus: "In den letzten fünf Jahren hatten wir beim Club keinen mehr, der solche Tore schießt wie am Freitag Johannes Geis." Per

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Ingrid Perzl
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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
20:50 Uhr

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Ingrid Perzl

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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
20:50 Uhr



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