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Fichtelgebirge

Simmler will auch Akrobatik auf Bühne

Die künstlerische Leiterin sieht noch enormes Potenzial für die Aufführungen. Doch dazu bedarf es einiger Investitionen.



Künstlerische Leiterin Birgit Simmler hat bereits die kommende Spielzeit im Blick. Foto: Matthias Bäumler
Künstlerische Leiterin Birgit Simmler hat bereits die kommende Spielzeit im Blick. Foto: Matthias Bäumler  

Wunsiedel - Noch ist Birgit Simmler voller Energie. Mit schnellen Schritten erklimmt sie die engen Treppen zur obersten Empore der Felsenbühne. Von hier hat sie den perfekten Blick weit über die Zuschauertribünen bis hinunter nach Wunsiedel. Dass sie diesen genießen kann, ist nicht selbstverständlich. Die zurückliegenden Monate waren hart, sehr hart sogar. 80-Stunden-Wochen waren für sie die Regel. Doch Ausruhen ist erst einmal nicht drin. Während der Saison ist vor der Saison, gilt in Abwandlung des Sepp-Herberger-Zitates für Theaterleute. Daher hat Birgit Simmler längst das kommende und teilweise auch das übernächste Jahr im Hinterkopf.

148.000 Besucher

Nur knapp werden die Luisenburg-Festspiele die 150.000er-Besucher-Marke verfehlen. Wie künstlerische Leiterin Birgit Simmler sagte, werden sich die Zahlen bei rund 148 000 Besucher einpendeln. Zuschauermagnet war Madagascar mit gut 42.000 Besuchern. Das entspricht einer Auslastung von 85 Prozent. Das Musical "Grease" folgt mit 30.000 Besuchern (Auslastung 96 Prozent). "Die Päpstin" sahen 25.000 Zuschauer (74 Prozent). 7000 - überwiegend jüngere Zuschauer - sahen das Musical

 

"Shakespeare in Love" (41 Prozent).

 

Da ist zunächst die Kunst, der eigentliche Auftrag der Luisenburg-Chefin. Bis zum Start des Vorverkaufs für die neue Saison am 20. November will sie die Besetzung der Stücke unter Dach und Fach haben. Das heißt: Verträge, Verträge und noch einmal Verträge. "Schon in den vergangenen Wochen habe ich mit den Regisseuren über Schauspieler diskutiert. Fast ebenso wichtig wie das handwerkliche Können ist, dass die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt." Immerhin gebe es Regisseure, die mit den einen gut "können", mit anderen nicht.

 

Wenn Birgit Simmler ganz oben steht, sieht sie auch das riesige weiße Zeltdach und damit eine künftige Baustelle. Bis 2022 soll das Dach erneuert werden. Das ist zum einen eine technische Frage, zum anderen bieten sich auch Chancen. "Endlich werden die vorderen Zuschauerreihen im Trockenen sitzen können." Außerdem sei es vielleicht möglich, neue Hängepunkte im Dach anzubringen. "Dies würde uns die Möglichkeit für Luft-Akrobatik-Szenen bieten", was ihrer Philosophie von Cross-over-Aufführungen entgegenkomme. "Akrobatik ist durchaus eine Kunstform, ebenso wie Gesang, Maskenspiel oder Tanz, die ich hier noch mehr einsetzen will."

Letzteres nutzt Birgit Simmler zwar weidlich, doch für die Tänzer ist die Luisenburg-Bühne nicht unbedingt der sicherste Arbeitsplatz. Der Kunststoff-Boden federe nicht nach, was die Tänzer nach schweißtreibenden Aufführungen mit Sprüngen und Überschlägen in Sehnen und Knochen spüren. Bei den Proben zum Stück "Die Päpstin" hat die Schauspieler noch eine andere Eigenschaft der Bretter erschreckt: Bei der Feuer-Szene fingen sie wegen ihres hohen Kunststoffanteils zu schmurgeln an. Seitdem sind Fußabdrücke zu sehen. "Außerdem hält der Boden Punkt-Lasten nicht stand und bröckelt mittlerweile bedenklich", sagt die künstlerische Leiterin. Allein die Verantwortung gegenüber den Akteuren gebiete es, schnell einen neuen Boden einzubauen.

Erneuert werden muss zudem die Elektrik, die zum Teil aus den 60er- und 70er-Jahren stammt. "Das ist ebenfalls eine Frage der Produktionssicherheit. Wenn Kabel jahrelang im Freien liegen, werden sie nun mal brüchig."

Als Managerin des größten Freilicht-Theaters Deutschlands hat Birgit Simmler wirklich alles im Blick, sogar den Borkenkäfer. Dieser hat sich im vergangenem Jahr schon bis 50 Meter an die Bühne herangearbeitet und eine Fichte gekapert. Bevor die Schauspieler im zeitigen Frühjahr mit den Proben beginnen, müssen daher die Baumpfleger mit ihrer Arbeit fertig sein und brüchige Äste oder sogar morsche Bäume entfernt haben.

Urlaub? "Schön wär’s", sagt Birgit Simmler. Nach den stressigen Wochen während der Saison hat sie zuletzt zumindest ein paar Tage herausschinden können, damit ihr Sohn im Sommer doch noch etwas von seiner Mutter hat. Mittlerweile läuft der Betrieb weiter, auch wenn die Schauspieler bereits abgereist sind. "Bis Mitte Dezember muss die kommende Saison stehen." Die meisten Stücke sind dem Publikum bekannt, so etwa der zweite Teil des "Brandner Kaspars", die Fortsetzung des wohl erfolgreichsten Stückes der Luisenburg.

Viele Insider fragen sich, ob vielleicht noch einmal der altbekannte Brandner-Darsteller Fredl Schedl zum Zuge kommt. "Er soll natürlich bei der Auswahl dabei sein, wird aber nicht die Titelrolle spielen", sagt Simmler. "Es kommt immer darauf an, in wen sich die Regisseure verlieben." Die Zuschauer könnten sich aber "auf zwei sehr populäre Besetzungen" freuen. "Wir sind zwar noch in Verhandlungen, doch da bahnt sich etwas an."

Ob sich auch im fünften Standbein der Luisenburg, dem Regional-Stück, etwas Neues anbahnt, ist noch nicht sicher. "Es ist eine Entscheidung der Politik, ob wir im kommendem Jahr ein neues Stück spielen oder noch einmal mit ,Zucker’ an den Start gehen." Obwohl die Auslastung von "Zucker" mit 42 Prozent nach relativ wenig klingt, ist Birgit Simmler zufrieden. "Es war ein Fehler, das Stück so spät in der Saison zu starten, da es so keine große Chance hatte, von der Presse-Kritik und der Mund-zu-Mund-Werbung zu profitieren. Dies werden wir kommendes Jahr anders lösen." Sollte sie die Chance erhalten, 2020 ein neues Regio-Stück auf die Bühne zu bringen, werde dies wahrscheinlich "sagenhaft". "Ja, mir schwebt vor, die Sagenwelt des Fichtelgebirges in ein Stück zu gießen." Damit zeige sie, dass auch Märchen oder fantastische Stoffe für Erwachsene für die Luisenburg geeignet seien. Auf jeden Fall wolle sie "das neue Produkt" Regio-Stück weiter pflegen. "Diese Saison hat gezeigt, dass diese Sparte funktioniert und beim Publikum sehr gut ankommt."

Ebenso wie das Genre Musical. "Leider wird das Musical hierzulande noch immer von vielen als billige, mittelmäßige Unterhaltung gesehen. Aber das ist eben eine zutiefst deutsche Sichtweise, die mit dem Fördersystem zusammenhängt. In Deutschland wird Kunst dann unterstützt, wenn man davon ausgeht, dass sie aufgrund ihres Charakters kommerziell nicht erfolgreich sein kann. Aber warum sollen an der Kasse erfolgreiche Stücke keine Kunst sein?" Im angloamerikanischen Raum sei das Musical eine gleichwertige Kunstform wie das Drama oder die Komödie. "Es gibt durchaus psychologisch tiefgründige Musicals."

Noch nicht im Klaren ist sich die künstlerische Leiterin, welchen Ort sie im kommendem Jahr in Wunsiedel für eine Aufführung nutzen will. Nach dem Burgermühlweiherplatz in diesem Jahr werde sie sicherlich weitere schöne Theaterplätze entdecken. Eines plane sie für die neue Saison aber auf alle Fälle: "Wir werden wieder offene Proben anbieten. Diese kommen gut an und geben beste Einblicke in die Theaterarbeit."

Seit zwei Jahren lenkt Birgit Simmler die Geschicke auf der Luisenburg. Von Vergleichen mit ihrem Vorgänger Michael Lerchenberg ist kaum noch etwas zu hören. "Dies ist erstaunlich und positiv angesichts seiner Verdienste und seiner schillernden Persönlichkeit. Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass ich noch länger an ihm gemessen werde."

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
18:12 Uhr

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Autor

Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
18:12 Uhr



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