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Fichtelgebirge

Zurück zu den Ursprüngen

Das Moor auf der Selber Häusellohe soll in den kommenden Jahren renaturiert werden. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.



Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (rechts) ließ sich von Michael Geisen (links) die Renaturierung des Häusellohmoores erklären. Aufmerksame Zuhörer waren unter anderem (von links) Reinhard Neft, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und Michael Grosch, Leiter des Forstbetriebs Selb. Foto: Wolfgang Neidhardt
Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (rechts) ließ sich von Michael Geisen (links) die Renaturierung des Häusellohmoores erklären. Aufmerksame Zuhörer waren unter anderem (von links) Reinhard Neft, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und Michael Grosch, Leiter des Forstbetriebs Selb. Foto: Wolfgang Neidhardt  

Selb - Hier steht das Wasser noch - trotz monatelanger Trockenheit. Wenige Meter abseits des Weges von der Häusellohe in Richtung Silberbach sehen die Besucher, wie ein Moor aussieht, das seinen ursprünglichen Namen verdient. "Dieses Wasser kommt nicht vom heutigen Regen", erklärt Experte Stefan Geisen. Das Moor hat es gespeichert und gehalten. Wie an dieser Stelle soll es in Jahrzehnten im gesamten Bereich südlich der Häusellohe wieder aussehen.

Zurück zu den Ursprüngen soll der Weg führen, den die bayerische Staatsregierung großzügig fördert. Den Startschuss für die Renaturierung des Häuselloh-Moores gab Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz in Gegenwart zahlreicher Mitarbeiter der Staatsforsten im Rahmen der derzeit laufenden bayerischen Klima-Wochen. "Moorschutz ist Klimaschutz", stellte die Besucherin aus Bayreuth fest. Austrocknende Moore setzen Kohlendioxid frei. In intakten, wachsenden Moorkörpern indes wird das schädliche Treibhausgas gespeichert. Und ein solcher Körper soll hier in den kommenden Jahren wieder entstehen - mit Hilfe des Forstbetriebs Selb, der bayerischen Naturschutzverwaltung und auf wissenschaftlicher Grundlage.

Diese stellte Stefan Geisen vor. Sein Planungsbüro "EMC - Gesellschaft zur Erfassung und Bewertung von Umweltdaten" hat die Verhältnisse untersucht und schlägt die wichtigsten Maßnahmen vor. Das Ziel ist es, den Moorkörper zur Gänze zu sichern und dafür zu sorgen, dass in dessen Bereich der Wasserhaushalt wieder so aussieht, wie es sich für ein Moor gehört.

Bei der Häusellohe wurde jahrzehntelang Torf abgebaut. Nun gilt es, die stattliche Zahl von 120 Gräben wieder zu schließen, die zu diesem Zweck gezogen wurden, und neue Dämme zu bauen. "Wir wollen das Wasser dort halten, wo es von Natur aus ist", erklärte der Fachmann. Ergänzend dazu sollen gewisse Bereiche ausgelichtet werden, um künftig die Verdunstung zurückzufahren. "Wir wollen wieder die Vegetation fördern, die für ein Moor typisch ist - wie etwa die Sitka-Fichte oder die Spirke", erklärte Geisen. Diesen Baum, eine Art aufrecht gewachsene Bergkiefer, gibt es nur in Bayern sowie den angrenzenden Ländern.

"Die Natur soll wieder ihr Recht erhalten." Auf diesen Nenner brachte Michael Grosch, der Leister des Forstbetriebs Selb, die Maßnahme im Natura 2000- und Naturschutzgebiet auf der Häusellohe. "Ein Moor braucht uns eigentlich nicht." Aber wenn es früher genutzt und trockengelegt wurde, bedürfe es eben des Anschubs von Menschenhand.

Die Regierungspräsidentin erinnerte daran, dass die Selber bereits vor über 200 Jahren, von 1813 an, auf der Häusellohe Torf als Brennstoff abgebaut haben. Das geschah bis in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In den 70er-Jahren wurde noch Heiltorf für Kurzwecke in Bad Alexandersbad entnommen. Die Bewohner nutzten etwa die Hälfte des Häuselloh-Moores.

Heute braucht der Mensch im Alltag keinen Torf mehr. "Das Wissen und die Erfordernisse haben sich verändert", sagte Michael Grosch. Dies erkannte bereits vor Jahrzehnten Hans Popp, der frühere Revierleiter auf der Häusellohe, gemeinsam mit Professor Dr. Reinhard Mosandl, der damals im Forstamt Selb sein Vorgesetzter war: "Ihr wart damals die Vorreiter für das, was wir heute tun." Hans Popp sieht heute eine regelrechte "Moor-Begeisterung" und wünschte sich eine "großzügige öffentliche Hand" für die Renaturierung.

Deren Kosten schätzt Michael Grosch auf rund eine halbe Million Euro. Das Projekt sei zwar "zügig anzugehen". Bis die Maßnahmen an der Häusellohe wirken, vergingen aber Jahrzehnte. Pro Jahr wächst die Torfschicht eines intakten Moores um einen Millimeter. "In 20 Jahren wird hier noch nichts zu sehen sein", antwortete der Chef des Forstbetriebs auf die Frage von Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, wie lange die Renaturierung dauern werde. Die wichtigsten Arbeiten sollten innerhalb der kommenden fünf Jahre erledigt werden können, hofft Michael Grosch. "Allerdings nur, wenn der Sommer mitspielt und der Borkenkäfer weniger aktiv ist als in jüngster Zeit." Was auch zu einem forstlichen Mustersommer gehört, erlebten die Besucher und Fachleute vor Ort: sanft strömenden Regen: Solches "Hydrologenwetter", so Michael Geisen, gebe es aber heute viel zu selten - was wiederum dem Klimawandel geschuldet sei. Die Umkehr im Kleinen hat im Häuselloh-Moor gerade begonnen.

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
18:22 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
18:22 Uhr



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