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Fichtelgebirge

Backe-backe-Kuchen droht das Aus

Eine Kita in Schwaben verbietet mitgebrachte Speisen an Geburtstagen. Verantwortliche im Kreis Wunsiedel lehnen das ab, doch sie kennen auch Eltern mit Hygienemängeln.



Kein Kuchen ist auch keine Lösung, finden Verantwortliche im Kreis Wunsiedel: Deshalb gibt es zu Geburtstagen weiterhin Selbstgebackenes, wie hier im Nikolaus-Kindergarten Selb: Allerdings dürfen die Kinder mitgebrachte Speisen nur verzehren, wenn diese den Hygiene-Regeln entsprechen. Fotos: Florian Miedl
Kein Kuchen ist auch keine Lösung, finden Verantwortliche im Kreis Wunsiedel: Deshalb gibt es zu Geburtstagen weiterhin Selbstgebackenes, wie hier im Nikolaus-Kindergarten Selb: Allerdings dürfen die Kinder mitgebrachte Speisen nur verzehren, wenn diese den Hygiene-Regeln entsprechen. Fotos: Florian Miedl  

Selb/Marktredwitz/Wunsiedel/Kichenlamitz - Kein Geburtstag ohne Kuchen: Doch was Kindergartenkindern das Feiern versüßt, droht das Aus: Denn eine Kita im schwäbischen Bissingen hat nun erstmals ein "Kuchenverbot" verhängt (wir berichteten). Seitdem tobt ein Glaubenskrieg um die Frage, ob in Kita-Gruppen weiter mitgebrachte Speisen verzehrt werden dürfen. "Übertrieben" finden Verantwortliche im Kreis Wunsiedel diese schwäbische Notbremse - doch das Hygiene-Problem gibt es auch im Fichtelgebirge.

Lebensmittelüberwachung gibt grünes Licht

Es fördere die Esskultur und die Vielfalt des Speiseplans, wenn jeder bei Festen jeder etwas mitbringe, sagt Astrid Ellert, Ernährungsberaterin bei der AOK in Wunsiedel. Gerade im Kindergartenalter sei es besonders wichtig, unterschiedliche Anregungen für die Geschmacksbildung zu bekommen. "Wenn ich das auf Null runterreguliere, gibt es nur noch Einheitsbrei", warnt Ellert.

Es passe in unsere Zeit, alles übervorsichtig anzugehen - aus Angst, dass etwas passieren könnte. Doch zum einen habe sie in 31 Jahren als Ernährungsberaterin im Landkreis Wunsiedel noch nie davon gehört, dass mitgebrachter Kuchen Kindergartenkinder krank gemacht hätte, zum andern gebe es grundsätzlich keine Rundum-Versicherung gegen Lebensmittelinfektionen. Ellert: "Das Leben ist nie zu 100 Prozent berechenbar."

Ebenso wie das Thema Gesundheit müsse das Thema Genuss in jedem Kindergarten vorkommen, fordert die Ernährungsberaterin. "Es ist kein Hexenwerk, gemäß bestehenden Hygiene-Regeln sauber zu arbeiten und Lebensmittel zu kühlen", findet Ellert.

"Wir hatten keinen einzigen Fall, bei dem mitgebrachter Kuchen zu Salmonellenvergiftungen geführt hat", informiert Gabriele Fischer, Fachbereichsleiterin der Lebensmittelüberwachung in Wunsiedel. Das Landratsamt untersage das Mitbringen von Speisen grundsätzlich nicht - dafür gebe es gar keine gesetzlichen Grundlagen. "Es ist nicht verboten, dass Eltern oder Vereinsmitglieder Kuchen für Feste mitbringen", sagt Fischer.

Sie empfiehlt jedoch, dass jeder, wenn er Speisen spendiert, eine kleine Liste beilegt, der Allergiker alle Zutaten entnehmen können. Eltern sollten vernünftig genug sein, um in einen Kindergarten weder Sahnetorten noch Speisen mit rohen Eiern oder Ähnlichem mitzubringen, sagt die Lebensmittelüberwacherin. "Aber was soll passieren, wenn ein Kuchen richtig durchgebacken ist?"


Immer mehr Mütter und Väter gingen ziemlich locker mit Hygiene-Dingen um, sagt Birgit Summa, die in Selb den Nikolaus-Kindergarten leitet. "Den Kuchen mancher Eltern möchte ich auch nicht probieren müssen - das kann dumm ausgehen." Daher versteht Summa ihre Kolleginnen in Schwaben, die sich nur mit einem Verbot zu helfen wussten. In Selb gebe es keine Probleme, weil sie rechtzeitig gegensteuere: "Wenn die Eltern zum Beispiel im Kindergarten das gesunde Frühstück zubereiten, schicke ich einige erst mal Händewaschen." Leider sei dies nicht für alle selbstverständlich.

Statt mitgebrachte Speisen zu verbieten, sucht Summa für Problemfälle andere Formulierungen: Sie schlägt dann vor, statt eines Kuchens eine Melone zu spendieren: "Die kann ich selbst waschen." Viele Eltern seien ohnehin weg "von dem Kuchen-Gepampe"; sie brächten Obst, Eis oder Gummibärchen mit. Ausreißer gebe es immer: "Es ist illuster, was wir erleben", verrät Summa. Die Distanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit vergrößerte sich im Laufe ihrer 30 Jahre als Kindergartenleiterin immer mehr: "Die Vorschriften für Erzieherinnen werden strenger, das Hygienebewusstsein der Eltern schlechter."

Anmaßend und schade findet Corinna Malzer, Leiterin der Kindertagesstätte Sankt Josef in Marktredwitz, die Reaktion der schwäbischen Eltern: Diese beschwerten sich über hygienische Bedingungen in anderen Elternhäusern. Zwar gebe es stets einzelne Mütter und Väter, die sich nicht an die Regeln hielten - doch es sei Sache der Erzieherinnen, sich darum zu kümmern, statt ein Verbot für alle zu erlassen. "In Sankt Josef funktioniert es hervorragend", sagt Malzer. Für Geburtstagsfeiern spendierten fast alle etwas - Erzieherinnen und Eltern legten vorher gemeinsam fest, was es gebe: Kuchen, Muffins, Wiener mit Breze, Obst, Gemüse oder Gummibärchen.

Mütter und Väter wüssten, dass sie keine Sahnetorte in die Kita mitbringen dürften, weil die Kühlkette sich nicht kontrollieren lässt. Verboten seien auch Speisen mit rohen Eiern und Ähnlichem, sagt die Leiterin von Sankt Josef. Rücke eine Mutter oder ein Vater dennoch mit einer Sahnetorte an, müssten sie diese wieder mitnehmen. "Die Familie kann sie ja am Nachmittag zuhause essen." Als Corinna Malzer noch in München arbeitete, spendierten Eltern für die Kita-Geburtstagsfeier ihres Sohnes sogar eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte aus dem Kühlfach: "Mit Alkohol und Sahne - das ging natürlich gar nicht."

Zum Geburtstag ihres Kindes gäben Muttis ebenfalls öfter Muffins oder durchgebackenen Kuchen für alle Mitschüler aus, erzählt Martin Bergmann, der die Grundschule in Kirchenlamitz leitet. "Das ist kein Muss, aber ich finde es ganz nett - und ich sehe keine Veranlassung, etwas zu ändern", sagt der Pädagoge und erzählt, dass er selbst auch gerade Kuchen ausgebe: Seine Frau buk einen für das Kollegium.

Autor

Brigitte Gschwendtner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:02 Uhr

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Autor

Brigitte Gschwendtner

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:02 Uhr



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