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Fichtelgebirge

Church for Future bekommt Gegenwind

Die Klima-Demo, zu der in Selb Pfarrer Herold aufruft, ist umstritten. Kritiker finden, Kirchen sollten keine Politik machen und Erwachsene keine Jugendbewegung okkupieren.



Ist es richtig, wenn ein Pfarrer zu Umwelt-Protesten aufruft, wenn die Jugendlichen es selbst nicht tun? Diese Frage wird in Selb kontrovers diskutiert. Fakt ist: Die Demo, die Johannes Herold organisiert, ist im Kreis Wunsiedel die einzige am weltweiten Klima-Streik-Tag 20. September. Fotomontage: Peter Ullmann/FP
Ist es richtig, wenn ein Pfarrer zu Umwelt-Protesten aufruft, wenn die Jugendlichen es selbst nicht tun? Diese Frage wird in Selb kontrovers diskutiert. Fakt ist: Die Demo, die Johannes Herold organisiert, ist im Kreis Wunsiedel die einzige am weltweiten Klima-Streik-Tag 20. September. Fotomontage: Peter Ullmann/FP  

Selb - Während acht Redner nachdenken, worüber sie beim Klima-Streik am Freitag sprechen werden, kritisieren etliche Selber die Pläne von Johannes Herold. Wie berichtet, organisiert der evangelische Pfarrer auf dem Martin-Luther-Platz mit anderen Gruppierungen eine Demo, um sich den weltweiten Klima-Protesten am 20. September anzuschließen.

Tonfall stört Pfarrer

"Mir ist bewusst, dass es ungewöhnlich ist, wenn Pfarrer zu einer Kundgebung aufrufen", antwortet Johannes Herold auf die kritischen Kommentare zu seinem Frankenpost -Interview. Doch mache der Artikel sehr deutlich, dass die Bewahrung der Schöpfung eine zentrale Glaubensfrage sei - und es deshalb sinnvoll sein könne, gerade als Christ für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. "Welche Lösungsansätze für dieses existenzielle Thema die besten sind, muss die Politik entscheiden", betont Herold. Christen hätten den Auftrag sich einzubringen. Unterschiedliche Reaktionen seien in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit völlig in Ordnung, findet der Pfarrer: "Dass der Tonfall in einigen Kommentaren weit unter die Gürtellinie ging, ist bedauerlich."

Ein Pfarrer sollte sich nicht in die Politik einmischen, heißt es in Facebook-Kommentaren zu dem Frankenpost-Artikel "Wir demonstrieren als Christen". Herold hatte darin erklärt, er streike unter dem Motto "Church for Future - die Schöpfung bewahren" und wolle weder eine politische Diskussion führen noch eine Jugendbewegung übernehmen. Kritiker kommentieren das so: "Hat ein Pfarrer nix anderes zu tun?" - "Haben die verlernt, einfach als Menschen zu demonstrieren?" - "Mit dem Religionsgedöns schließen die doch eher Menschen aus als ein." - "Die Kirche soll sich um Gott kümmern und sich nicht in die politische Situation einbringen." - "Ich glaube, ich muss jetzt mal meine langjährige Mitgliedschaft in dieser Christlichen Institution überdenken!!!!" - "Was ich nicht verstehe, dass diese Demo zeitgleich zu einer Veranstaltung anlässlich des Weltkindertages von JAM, Selb erleben und der Kirchengemeinde St. Andreas stattfindet."

 

Sogar ein Vorstands-Mitglied der Christuskirche stellt sich auf Facebook gegen den Plan des Pfarrers: Die Vergangenheit lehre, dass aus einem hohen Maß kirchlicher Einmischung in politische Debatten zum Teil erbitterte Kriege oder von Gewalt geprägte Auseinandersetzungen entstünden, und fügt hinzu: "Ein Gutes hat das Ganze aber: Seit einiger Zeit hat sich daraus eine wesentliche Errungenschaft ergeben, nämlich die Säkularisierung, also die Trennung zwischen Kirche und Staat."

Dieser Kritiker aus den Reihen Kirchenvorstands fragt auch, warum für einige Hundert Euro ein meterlanges "Church for future"-Banner an den Kirchenmauern befestigt werden solle, um ein "klares Signal" zu senden, obwohl Herold im Interview betonte, er wolle sich nicht "in die politischen Debatte einmischen".

Aus anderen Gründen weigerten sich die Aktiven Bürger in Selb, Herold bei der Organisation der Demo zu unterstützen. Dem Pfarrer gelinge es nicht, Jugendgruppen zu motivieren, sagt Sprecher Klaus von Stetten. "Vielleicht haben die Jugendlichen Angst, dass die Erwachsenen ihnen ihr Thema wegnehmen?" Es sei nicht angemessen, wenn sich Politiker und Pfarrer in dieser erfolgreichen Jugendbewegung jetzt als Organisatoren breitmachten, findet von Stetten. Außerdem entstand Fridays for Future ja eben deshalb, weil Erwachsene - allen voran Politiker - das Klima unzureichend schützten.

Wie berichtet, hat Herold für die Demo als Mitorganisatoren das evangelisch-lutherische Dekanat mit Dr. Volker Pröbstl, die katholische Kirche mit Pfarrer Johann Klier, den SPD-Ortsverband, den Kreis- und Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen, die ökologische Bildungsstätte Hohenberg, den BUND, den Verein "Zuflucht Selb" sowie den Bioladen Kornblume gewonnen. Aus der Jugend allerdings ist lediglich der Leitungskreis der evangelischen Jugend dabei. Keine der vielen weiteren Jugendorganisatoren in Selb beteilige sich offiziell an der Organisation, bemängelt der Aktive Bürger : weder Schüler-Vertreter noch das JAM, der Jugendtreff am Vorwerk oder der Jugendbeirat.

"Die Kinder müssen selbst Druck machen", findet von Stetten, der die Bewegung Fridays for Future befürwortet und sich deshalb am Freitag am globalen Klimastreik beteiligen will. "Wir Aktiven Bürger zeigen bei der Demo in Selb Flagge." Inhaltlich sei man auf einer Linie. Doch noch wichtiger als zu streiken sei, konkret vor Ort zu handeln, betont von Stetten. Deshalb stellte sich seine Fraktion hinter die Windparks in Heidelheim und Vielitz, forcierte in Selb die energetische Rathaus-Sanierung sowie die Umrüstung der städtischen Beleuchtung, kümmere sich um Blühwiesen sowie die Verbesserung der Klimabilanz und der Wasserqualität.

—————

Fridays for Future ruft am 20. September weltweit zu Klima-Demos auf, viele Erwachsene schließen sich der Jugendbewegung an. In Selb organisiert Pfarrer Johannes Herold den einzigen Streik im Kreis Wunsiedel. Nach einer Andacht um 13.15 Uhr in der Stadtkirche beginnt die Demo auf dem Martin-Luther-Platz.

Autor

Brigitte Gschwendtner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:02 Uhr

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Brigitte Gschwendtner

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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:02 Uhr



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