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Fichtelgebirge

Wunsiedel will weg vom "Goldmedaillen-Image"

Wunsiedel ehrt immer wieder Bürger für besondere Leistungen. Vor Jahren ist sie dabei über das Ziel hinausgeschossen. Jetzt gibt es klare Regelungen.



Medaillen
  Foto: Miedl

Wunsiedel - Für Bürgermeister gibt es kaum eine schönere Pflicht, als Bürger der Stadt für ihre Verdienste zu ehren. Seit der "Goldmedaillen"-Affäre, bei der die Festspielstadt im Schwarzbuch der Steuerzahler genannt wurde, weil sie Ehrenmedaillen in Gold zum Einzelpreis in Höhe von 2780 Euro verlieh, hat das Ehrenwesen in Wunsiedel ein "Gschmäckle". Das soll sich nun ändern. Daher hat der Stadtrat in der Sitzung am Donnerstagabend die neuen Richtlinien für Ehrungen verabschiedet. "Wir hatten bisher mehrere Ehrensatzungen, jetzt ist alles in einer zusammengefasst", erläuterte Bürgermeister Karl-Willi Beck.

Ehrungen für alle Lebensbereiche

Wunsiedel ist für eine ausgeprägte Dankes-Kultur bekannt. Es gibt folgende Ehrungen:

 

Ehrenbürgerrecht : Diese erhalten Bürger, wenn sie dauerhaft und mit großem Einsatz zur Repräsentanz der Stadt beigetragen haben. Sie erhalten einen Ehrenbrief, müssen zu repräsentativen Veranstaltungen der Stadt eingeladen werden und können - wenn sie unverschuldet in wirtschaftliche Not geraten sind - einen Ehrensold gewährt bekommen.

 

Ehrenring: Hierfür müssen Bürger mindestens 15 Jahre Verdienste für die Stadt erbracht haben. Ehrenringe werden höchstens alle zwei Jahre verliehen.

Ehrenmedaille: Diese erhalten Bürger für mindestens 15 Jahre hervorragende Verdienste im Ehrenamt, in Kultur, Wissenschaft, Soziales, Umwelt oder Sport zum Wohle der Stadt. Zur Ehrenmedaille gibt es noch eine Anstecknadel. Pro Jahr dürfen nur bis zu zwei Personen geehrt werden.

 

Verdienstmedaille: Die Bedingungen sind gleich wie bei der Ehrenmedaille, lediglich der Zeitraum ist auf zehn Jahre herabgesetzt.

 

Weiter gibt es Ehrungen für Kinder und Jugendliche sowie Sportler.

Wegen "unwürdigen Verhaltens" können Ehrungen widerrufen werden.

 

Nach der Affäre hat Beck die Ehrungen mit Verdienstmedaillen in Gold aussetzen lassen. Die Fraktion Bunte-Liste/Grünen hatte zuvor beantragt, dass Goldmedaillen nur noch maximal 100 Euro kosten dürfen. Die von der Stadt angeschafften Silbermedaillen haben laut Beck übrigens nur mit 28 Euro zu Buche geschlagen.

 

Da die Fraktionen 2016 von Beck aufgefordert worden sind, außerhalb des Stadtrats einen gemeinsamen Vorschlag für die Ehrungen zu erarbeiten, musste die Verwaltung diesen lediglich rechtlich prüfen. Wie es in der Sitzungsvorlage heißt, haben sich Alexander Fuchs für die Freien Wähler, Konrad Scharnagl für die SPD und Michael Menkhoff für die ABW auf den von den Fraktionen erarbeiteten Entwurf verständigt. "Die Ehrenmedaille ist nach ihrer Einschätzung nicht negativ belegt und sollte deshalb bleiben. In der Bevölkerung geht es eher um den negativen Begriff ,Goldmedaille’".

Wie die Medaillen und die Dankesurkunden konkret aussehen sollen, wollen die Stadträte in einer der folgenden Sitzungen festlegen.

Jürgen Fraas von der CSU sah die neue Satzung kritisch. "Unternehmer können nun nicht mehr für ihre Lebensleistung geehrt werden. Das sind unsere Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Aber Beamte dürfen demnach weiter geehrt werden."

Bei den meisten der übrigen Stadträte rief Fraas’ Einwurf Kopfschütteln hervor. "Wo steht geschrieben, dass Beamte geehrt werden können?", wollte zum Beispiel Manfred Söllner von der SPD wissen. In der Tat taucht das Wort Beamter in dem mehrseitigen Text nicht auf.

Bürgermeister Karl-Willi Beck stellte klar, dass grundsätzlich alle Bürger geehrt werden können, natürlich auch Unternehmer. "Jeder wird als normaler Mensch geehrt, aber nicht in seiner Eigenschaft als Unternehmer oder Beamter." Auch Franz Rattler (ABW) erläuterte die Satzung. Es gehe darum, nicht jemanden zu ehren, weil er Unternehmer sei und wirtschaftlichen Erfolg habe. Wenn er jedoch zum Beispiel regelmäßig für die Allgemeinheit spende oder sonstige ehrenamtliche Leistungen vollbringe, sei dies natürlich ein Grund, ihn zu ehren.

In der Fraktion gebe es unterschiedliche Ansichten zur Satzung, sagte Fraas. Er bat darum, dass sie zum Ende der Konsolidierung geändert werde. Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
17:22 Uhr

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20. 09. 2019
17:22 Uhr



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