Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Fichtelgebirge

Familientreffen auf den Spuren des Granits

Aus ganz Deutschland reisen die Nachfahren der Steinbruch-Dynastie Frank nach Kirchenlamitz. In der Stadt hat das einstige Unternehmen viele Spuren hinterlassen.



31 Nachfahren der Steinbruch-Familie Frank haben sich in Kirchenlamitz getroffen. Foto: Willi Fischer
31 Nachfahren der Steinbruch-Familie Frank haben sich in Kirchenlamitz getroffen. Foto: Willi Fischer  

Kirchenlamitz - Ein Familientreffen der besonderen Art in Kirchenlamitz: 31 Frauen, Männer und Kinder, allesamt Nachkommen der einstigen Betreiberfamilie des Granitwerks Frank, wandelten auf den Spuren ihrer Vorfahren. In Kirchenlamitz befinden sich die Wurzeln des einst bedeutenden Granitunternehmens, das sichtbare Spuren hinterlassen hat. Zu dem Familientreffen hob Stadtarchivar Werner Bergmann hervor, dass die Teilnehmer sich auf die Spuren einer mehr als 300-jährigen Geschichte begeben. Er wies darauf hin, dass das Granitwerk Frank einst in Kirchenlamitz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor war.

Es war ein besonderes Wochenende für die Nachfahren der bis in die 1950er-Jahre als Granitunternehmer tätigen Familie Frank. Professor und Chemieingenieur Dr. Reiner Lohmüller aus Berlin, der die Familientreffen alle zwei Jahre organisiert, stellte fest, dass in der langjährigen Familiengeschichte Kirchenlamitz einen wichtigen Markstein darstelle. In der Familiengeschichte werden 100 Nachkommen gezählt.

Am Marktplatzbrunnen in Kirchenlamitz entbot Bürgermeister-Stellvertreterin Friederike Kränzle den Gästen des Familientreffens, die aus ganz Deutschland gekommen waren, einen herzlichen Willkommensgruß. Hochachtung zollte sie den Familienmitgliedern, dass sie den Weg zu den Wurzeln ihrer Vorfahren gefunden hätten. Symbolisch zeigte sie ihre Verbundenheit, die auch bei ihren Eltern beruflich Niederschlag gefunden habe, mit einem Granitstein vom Epprechtstein. Stolz hob sie hervor: "Wir sind steinreich!" Zugleich warb sie für den Tourismus: "Kommen Sie öfters in das Fichtelgebirge und nach Kirchenlamitz."

Stadtarchivar Werner Bergmann hob hervor, dass der Arbeitskreis Kultur- und Heimatpflege, dessen Vorsitzender er ist, ein interessantes Programm ausgearbeitet habe. Darunter befand sich eine Stadtführung mit Gästeführerin Christine Herrlinger mit den Stationen Rathaus, Michaeliskirche, das Stammhaus der Familie Frank sowie Schloss und Friedhof. Gästeführer Willi Kießling führte die Teilnehmer auf dem Steinbruchweg über die früheren Steinbrüche der Familie Frank zum Epprechtstein. Besichtigt wurde auch das Granitlabyrinth mit dem Infozentrum.

Im Gasthof "Rotes Ross" in Zell hielt Stadtarchivar Werner Bergmann einen Vortrag mit historischen Fotos von Kirchenlamitz über die Familie Frank und ihre Steinbrüche. Er wies darauf hin, dass den Älteren in Kirchenlamitz der Familienname Frank noch gut in Erinnerung sein dürfte, entweder im Zusammenhang mit dem einstigen Granitwerk oder mit der Villa in der Bahnhofstraße, dem jüngsten der drei Frank-Häuser in Kirchenlamitz.

Der Begründer der Kirchenlamitzer Unternehmerfamilie, Johann Frank, Bürger, Maurer und Mulzer, wurde 1685 geboren. Seine Zulassung zur damaligen Kirchenlamitzer Zunft der Maurer und Bildhauer als Meister erhielt er 1711. Bald schon bekleidete die Familie Frank das höchste Amt innerhalb dieser Zunft, das des "Laden-Meisters". Neun Angehörige der Familie Frank werden in den kommenden 113 Jahre im Zunftbuch als Meister genannt.

In den 1830er-Jahren erhielt Peter Paulus Frank (1795-1873) infolge zweier großer Brandunglücke, bei denen 1830 auch das eigene Wohnhaus zerstört wurde, eine Reihe von Aufträgen. Hervorzuheben sind seine Vorplanungen zum Wiederaufbau der abgebrannten Stadtkirche und der Wiederaufbau des zerstörten Rathauses. Johann Wolfgang Frank (1833-1904) war von 1888 bis 1899 Bürgermeister in Kirchenlamitz. Große Aufträge verhalfen der Firma Frank zu hohem Ansehen und starker Finanzkraft. Bald schon betrug die Belegschaftsstärke 70 Mann, die sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch mehr als verdoppelte. Etwa ein Drittel aller Kirchenlamitzer Steinarbeiter war bei Frank beschäftigt. Überhaupt verdienten damals zeitweise mehr als zwei Drittel aller arbeitsfähigen männlichen Einwohner von Kirchenlamitz ihren Lebensunterhalt im Steinbruch oder auf dem Werkplatz.

Hoflieferantentitel aus Weimar, Meiningen und Altenburg galten um 1900 als Aushängeschild der Familie Frank. 1902 kam es zum Bau einer Drahtseilbahn vom Schlossbrunnenbruch zur Bahn-Verladestelle Epprechtstein. Nach Georg Frank war Karl Frank Alleininhaber der Firma. Er baute sich im Jahr 1901 eine eigene Villa in der Bahnhofstraße 11 und war ein Förderer der Feuerwehr. 1925 wurde ihm der Titel "Kommerzienrat" verliehen. Mit dem Tod seines Sohnes Herbert Frank im Jahr 1964 erlosch die Ära Frank in Kirchenlamitz. Schon 1956 hatte er seine Firma verkauft.

Um das Jahr 1950 beschäftigte die Granitindustrie im Fichtelgebirge in 65 Firmen zusammen rund 5100 Mitarbeiter. Fast zweieinhalb Jahrhunderte haben Angehörige der Familie Frank in Kirchenlamitz für das Gemeinwohl Verantwortung übernommen, sie haben das Stadtbild mitgeprägt und den guten Ruf der Stadt weit über die Grenzen der Heimat getragen.

Mit vielen neuen Erkenntnissen und besten Eindrücken aus Kirchenlamitz und Umgebung reisten die Nachfahren der Unternehmerfamilie Frank wieder nach Hause.

Autor

Willi Fischer

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
16:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angehörige Epprechtstein Familien Familiengeschichte Familienmitglieder Nachkommen Städte Söhne Vorfahren Wiederaufbau Wolfgang Frank
Kirchenlamitz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Anhand alter Dokumente wie diesem auf dem Symbolbild rekonstruiert Stadtarchivar Werner Bergmann Familiengeschichten. Foto: Axel Heimken/dpa

30.12.2018

Familie im Wechselspiel der Politik

Stadtarchivar Werner Bergmann rekonstruiert die Geschichte der Familie Gläsel aus Schieda. Sie handelt von Armut, Arbeit und Vertreibung. » mehr

Täuschend echt sehen die großen Rohre aus, die eigens für den Dreh in den Kellern der Arzberger Bergbräu verlegt worden sind. Und dennoch sind sie nur aus Plastik. Bürgermeister Stefan Göcking sowie die Produzentinnen Skady Lis und Minu Barati (hinten) sind von der Präzisionsarbeit der Szenenbildner begeistert. Foto: Florian Miedl

08.11.2019

Aus der Bergbräu wird ein Wasserwerk

Das Film-Team für "Plan A" dreht auch in Arzberg. Die Produzentinnen freuen sich über die herzliche Aufnahme und die gute Unterstützung. » mehr

Maximilian Graf Foto :Fischer

13.10.2019

Vision von der "Herberge am Waldbad"

Maximilian Zapf stellt im Kirchenlamitzer Stadtrat seine Idee eines etwas anderen Hostels vor. Dadurch enststünden günstige Übernachtungsplätze. » mehr

Wer sich auf den Tod vorbereitet, muss den letzten Weg nicht alleine gehen. Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms

05.05.2019

Keiner muss alleine sterben

Jeder Mensch hat das Recht auf Begleitung am Ende seines Lebens. Im Landkreis Wunsiedel bietet die Hospiz-Initiative Fichtelgebirge Hilfe an. Dafür sucht sie Mitstreiter. » mehr

Architekt Peter Kuchenreuther (links) übergab Bürgermeister Thomas Schwarz symbolisch eine Miniaturausfertigung des Schlusssteins, der vor dem Informationszentrum enthüllt wurde. Foto: Willi Fischer

05.05.2019

Info-Zentrum Epprechtstein erwartet seine Gäste

Bürgermeister Thomas Schwarz eröffnet die neue Attraktion für Touristen am Granitlabyrinth. Sie soll den Fremdenverkehr weiter beleben. » mehr

Thomas Gabelin zeigt ein Foto von ihm, seinem älteren Bruder Richard und seiner Mutter Lore - der Frau, die es schaffte, ihn als Neugeborenen im Konzentrationslager am Leben zu erhalten. Foto: Uschi Geiger

24.09.2019

Familiengeschichte eines KZ-Überlebenden

Dr. Thomas Gabelin spricht in Arzberg und Marktredwitz über das Schicksal seiner jüdischen Familie. Er wurde im Konzentrationslager geboren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eröffnung des Digitalen Gründungszentrums Hof

Gründerzentrum "Einstein 1" wird eingeweiht | 14.11.2019 Hof
» 30 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

Willi Fischer

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
16:48 Uhr



^