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Fichtelgebirge

Grüne Kreuze gegen das Bauern-Bashing

Auch im Landkreis Wunsiedel zeigen viele Landwirte, dass sie nicht mehr länger die Prügelknaben der Nation sein wollen. Vor allem die neuen Gesetzesvorhaben machen ihnen Angst.



Mit grünen Kreuzen, wie hier bei Neudes, wollen die Landwirte auf ihre Lage hinweisen. Foto: Florian Miedl
Mit grünen Kreuzen, wie hier bei Neudes, wollen die Landwirte auf ihre Lage hinweisen. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Es ist ein stiller Protest: Ein grünes Kreuz steht auf der Wiese nahe Unterthölau. Auch bei Neudes, Bernstein und auf anderen Feldern im Landkreis Wunsiedel setzen Landwirte mit dem grün gestrichenen christlichen Symbol ein Zeichen: "Erst das Volksbegehren gegen den Artenschwund und nun der Agrarpakt. Uns Bauern stört, dass am grünen Tisch über immer weitere Auflagen für unsere Arbeit entschieden wird", sagt der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Harald Fischer auf Nachfrage der Frankenpost . Er sieht sich und seine Kollegen mittlerweile einem permanenten "Bauern-Bashing" ausgesetzt.

Agrarpakt

Nach Ansicht der Vertreter der Landwirte hat sich beim Agrarpakt das Umweltministerium gegen das Landwirtschaftsministerium durchgesetzt. Dennoch präsentierten beide Ministerinnen, Svenja Schulze und Julia Klöckner, gemeinsam die Ergebnisse des Agrarpakts, der vor allem beim Punkt Insektenschutz Eingriffe in die Arbeit der konventionellen Landwirte bringen wird.

So gilt bis Ende 2023 ein generelles Verbot für die Anwendung von Glyphosat. Schon ab kommendem Jahr gibt es Teilverbote für den Einsatz von Glyphosat. So darf der umstrittene Wirkstoff auf Stoppelfeldern, auf Grünland, im Wald, in Christbaumkulturen, aus Gleisanlagen, in öffentlichen Parks und privaten Gärten nicht mehr angewendet werden.

Generell muss bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ein Mindestabstand zu Gewässern von zehn Metern eingehalten werden.

Ab 2021 soll die Anwendung von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden in Schutzgebieten verboten werden. Zu diesen gehören unter anderem die FFH- und Naturschutzgebiete, Nationalparks und Vogelschutzzonen.

Artenreches Grünland, Streuobstwiesen und Trockenmauern sollen als Biotop unter den Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes gestellt werden. Es gelten Einschränkungen zugunsten des Pflanzenschutzes.

 

Die Stimmung der meisten Landwirte im Landkreis ist schlecht. "Manchmal ist es wirklich deprimierend, wie von oben herab in unsere Arbeit eingegriffen wird." Dabei gehe es in erster Linie nicht um finanzielle Fragen, sagt Fischer. Vielmehr ärgere die Landwirte, dass sie für den Klimawandel verantwortlich gemacht würden und ihnen mit immer weiteren Auflagen vorgeschrieben werde, wie sie arbeiten sollen. "Wir sind jeden Tag draußen auf dem Feld und im Stall und natürlich darauf bedacht, nachhaltig zu arbeiten."

 

An der Aktion mit den grünen Kreuzen nehmen etwa ein Dutzend Landwirte im Landkreis teil. Beinahe täglich schließen sich weitere an. Sie hoffen, dass sie die Bürger damit zum Nachdenken anregen.

Der von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ausgehandelte Agrarpakt sieht unter anderem vor, dass artenreiches Grünland, Streuobstwiesen und Trockenmauern als Biotop unter den gesetzlichen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes gestellt werden. Auch sollen auf diesen Flächen Einschränkungen für den Pflanzenschutz gelten. Harald Fischer könnte bei diesen Forderungen lachen, wenn es ihm nicht so ernst wäre. "Wer hat denn die Streuobstwiesen angelegt und sorgt dafür, dass artenreiches Grünland gedeiht? Das sind wir, die Landwirte. Und anstatt, dass man diese Leistung anerkennt, macht man uns nun Auflagen. Dies konterkariert unsere Arbeit." Auch wenn es für die geplanten Regelungen finanzielle Entschädigungen geben sollte, kann dies die Landwirte nicht ruhigstellen: "Wir wollen nicht von Subventionen abhängig sein, sondern von unserer Arbeit leben können."

Dies ist allerdings schon lange nicht mehr möglich. Trotz der Diskussion um Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind die Erzeugerpreise im Keller. Es ist ein Teufelskreis: Produzieren die Bauern wenig, können sie wenig verkaufen - und das zu niedrigen Preisen. Produzieren sie viel, sinken die Preise noch mehr. Beispiel Biomilch: Deren Produktion ist vergleichsweise teuer. Die Kunden interessiert das Angebot offenbar relativ wenig. Die Folge: Biomilch überschwemmt den Markt und ist in vielen Läden mittlerweile billiger als konventionell produzierte.

Dass auch noch Ministerpräsident Markus Söder die Grünen überholen will, sieht Fischer skeptisch. "Landtagsabgeordneter Martin Schöffel hat uns zu einem Runden Tisch im Landkreis eingeladen. Mal sehen, was wir über die Pläne der Staatsregierung erfahren", sagt Fischer.

Derzeit ist bei den Landwirten alles im Fluss. Wohin sich die Branche entwickelt, ist völlig unklar. Bauernobmann Harald Fischer hält die Regelungswut in der Landwirtschaft für kontraproduktiv. "Die Ausbildungszahlen gehen zurück. Viele junge Leute überlegen es sich zweimal, ob sie den elterlichen Hof übernehmen wollen." Er befürchte, dass viele kleine Betriebe ihren Hof aufgeben. "Für die wird es mit den Auflagen immer schwerer. Der Strukturwandel, hin zu immer größeren Höfen, schreitet voran. Und dies wollten die Initiatoren des Volksbegehrens oder die Grünen verhindern."

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
18:42 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
18:42 Uhr



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