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Fichtelgebirge

Große und kleine Kultur vernetzt sich

Im Fichtelgebirge gibt es eine vielfältige Szene Kunst- und Kreativ-Schaffender. Die Kreispolitik hilft, dass sich die Akteure künftig noch besser austauschen können.



Wunsiedel - Knarzende Holzböden, schummrige Beleuchtung und eine niedrige Decke. Manchmal benötigt auch ein Gremium, das gemeinhin als trocken erachtete Dinge berät, eine Luftveränderung. Daher haben die Mitglieder des Kreisausschusses am Montagnachmittag im Möbelsaal des Fichtelgebirgsmuseums getagt. Der ungewöhnliche Ort hatte auch einen sachlichen Grund: Das Gremium hat unter anderem über einen Antrag der Fichtelgebirgsmuseen beraten.

Dabei ging es um das Bundesförderprogramm "Trafo 2", für das die Fichtelgebirgsmuseen von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen ausgewählt worden sind. "Trafo 2" hat zum Ziel, Museen bei der Transformation in eine Welt im Wandel zu unterstützen. Auch wenn sich dies unklar anhört, so geht es doch um 1,25 Millionen Euro, die in die Region fließen könnten. Wie Museums-Leiterin Dr. Sabine Zehentmeier-Lang in der Sitzung sagte, soll mithilfe des Projektes unter anderem eruiert werden, was die Region von der hiesigen Kultur erwartet. "Wir haben im Fichtelgebirge eine vielfältige kulturelle Szene. Es ist daher wichtig, die Menschen hier mit einzubinden." Zudem gehe es um die Vernetzung und im günstigsten Fall die Zusammenarbeit der Akteure. Dabei blickt sie nicht nur auf die Museen oder die Leuchttürme wie die Luisenburg-Festspiele. "Es geht auch darum, wie die Bibliotheken oder die Musikschulen voneinander profitieren."

Dass Kultur weit mehr als ein weicher Standortfaktor ist, wurde erst in der vergangenen Woche beim Bundestreffen der Kreativwirtschaft in Röslau deutlich. Für Landrat Dr. Karl Döhler kann das Projekt noch weitere, handfeste Ergebnisse bewirken. "Mittlerweile können sich auch Museen von außerhalb des Landkreises vorstellen, unter das Dach Fichtelgebirgsmuseen zu schlüpfen. Dadurch ließen sich alle im Paket vermarkten, was natürlich eine noch größere Außenwirkung hätte."

Einen kleinen Pferdefuß hat das Projekt, sollten die Fichtelgebirgsmuseen tatsächlich ausgewählt werden: Der Zweckverband der Museen darf im drei Jahre laufenden Projektzeitraum seine Zuwendungen ans Museum von zuletzt 710 000 Euro nicht reduzieren. Außerdem ist das Landratsamt verpflichtet, einen Mitarbeiter zur Koordination für "Trafo 2" abzustellen. Allerdings erhielte der Landkreis dafür eine finanzielle Entschädigung. Schließlich würde der Bund lediglich 80 Prozent der Summe (1,25 Millionen) Euro auszahlen. Die übrigen 20 Prozent müssten vom Landkreis oder aus Drittmitteln finanziert werden. Wie Sabine Zehentmeier-Lang sagte, hat bereits die Oberfrankenstiftung signalisiert, zumindest einen Teil der Differenz zu finanzieren.

Obwohl Politikern in der Regel ein Zuschuss für Projekte wie Um- oder Erweiterungsbauten lieber ist, stimmten alle Ausschussmitglieder dafür, die Bewerbung mit allen Konsequenzen zu unterstützen. Im Dezember entscheidet die Fachjury, ob die Fichtelgebirgsmuseen tatsächlich am 2020 beginnenden Projekt teilnehmen dürfen.

Ebenfalls um Vernetzung von Kultur geht es beim Jugend-Kunst-Mobil (Juku-Mobil). Das von Stefan Frank geleitete Projekt läuft über drei Jahre. Wie Frank den Mitgliedern des Kreisausschusses erläuterte, soll nach der Förderperiode eine Jugendkunstschule im Landkreis etabliert werden. "Ich habe mir gedacht, dass wir die Institution jetzt schon gründen und zunächst parallel arbeiten müssen." Nägel mit Köpfen seien bereits am 31. Juli mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins Juku Fichtelgebirge gemacht worden. "Wir wollen eine breite Basis für die Jugendkunst im Landkreis schaffen." Elf Künstler und Kulturinteressierte sowie der Landesverband Jugendkunstschulen seien bereits Mitglied im Verein. Frank warb im Ausschuss für einen Beitritt des Landkreises. Beredt argumentierte er für seine Sache. Die Zahlen beeindruckten die versammelte Politiker-Riege durchaus: "Seit Januar 2019 war das Juku-Mobil in 14 Orten des Landkreises und hat bei 69 Aktionen insgesamt 1454 Teilnehmer erreicht. Bisher haben 16 regionale Künstler und Kulturschaffende die Einsätze geleitet. Zudem gibt es mittlerweile 27 Kooperationspartner, etwa Schulen, Museen, Vereine oder auch Kommunen. Es ist eine Freude, dass wir überall offene Türen einrennen und sich niemand verweigert."

Der Juku-Verein soll einerseits die Kulturszene vernetzen, andererseits Spenden und Sponsorengelder einwerben. Dies kann zwar auch Stefan Frank als Projektleiter, allerdings wird jede Spende vom Förderbetrag abgezogen, sodass das Juko-Mobil letztlich nichts davon hat.

"Das Juko-Mobil ist eine klasse Sache. Hier werden Kinder gut und pädagogisch wertvoll beschäftigt", lobte Landrat Döhler die Institution. Letztlich stimmten alle Ausschussmitglieder für eine Mitgliedschaft des Landkreises im Verein.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:06 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:06 Uhr



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