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Fichtelgebirge

Stimmgewaltiger Jubel zum Geburtstag

Die Posaunenchöre aus Höchstädt und Marktleuthen feiern 50- und 90-jähriges Bestehen. Bei zwei Konzerten brillieren die Bläser mit Stücken von Klassik bis Gospel.



Unter der Leitung von Stefanie Kohlhofer geben die Posaunenchöre aus Höchstädt und Marktleuthen zwei Jubiläumskonzerte. Eines in Höchstädt (unser Bild) und eines in Marktleuthen.	Foto: Florian Miedl
Unter der Leitung von Stefanie Kohlhofer geben die Posaunenchöre aus Höchstädt und Marktleuthen zwei Jubiläumskonzerte. Eines in Höchstädt (unser Bild) und eines in Marktleuthen. Foto: Florian Miedl  

Höchstädt/Marktleuthen - Mit zwei beeindruckenden Konzerten haben die Posaunenchöre Höchstädt und Marktleuthen ihre bedeutenden Chorjubiläen, 50 Jahre Posaunenchor in Höchstädt und 90 Jahre Posaunenchor in Marktleuthen, gemeinsam gefeiert.

Es war längst nicht nur der warme Altweibersommertag, der Bläser wie Konzertbesucher in Hochstimmung versetzte. Den Mitwirkenden war bei jedem Ton anzumerken, dass eine äußerst intensive, effektive Probenphase seit dem Frühsommer hinter ihnen lag. Mit dem trotz Feuerwehrausflug gut besuchten Abendkonzert in der Höchstädter Peter-und-Paul-Kirche nahm das Jubiläumswochenende seinen Anfang.

Bereits das Eröffnungsstück war Programm: Die Komposition "Welcome" des Wunsiedler Bezirkskantors Reinhold Schelter ist nicht nur eine starke Fortsetzung der Posaunenchorgeschichte im Bezirk Selb-Wunsiedel seit Walther Haffner, sondern auch ein rechter Ohrwurm. So sprang schon bei den ersten Takten der Funke zum Publikum über. Chorobmann Max Neidhardt begrüßte die Zuhörer mit herzlichen Worten und führte mit mehreren Wortbeiträgen durchs Konzert, eine anspruchsvolle Aufgabe, da er außerdem als Tiefbassbläser zusammen mit Reinhard Mücke für das Fundament des Chores sorgte. Die ausführliche, von ihm selbst erarbeitete Chronik gab einen guten Einblick in die fünfzigjährige Geschichte der Höchstädter Posaunenarbeit. Da diesem Chor seit jeher ein Chronist gefehlt hatte, war es ziemlich aufwendig, die nötigen Informationen aus Artikeln der Frankenpost zusammenzusuchen. Diese hatte bislang jedes Jubiläumskonzert mit einen Berichterstatter gewürdigt.

In der facettenreichen Stückauswahl zeigten die beiden Chöre ihre große Bandbreite. Strahlende, bekannte Werke aus dem Barock ("Wassermusik", Georg Friedrich Händel) durften nicht fehlen. Selbst in sparsamer Besetzung sind sie gemeinsam in der Lage, im achtstimmigen Doppelchor "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir" (Felix Mendelssohn Bartholdy) neben gigantischem Fortissimo eindrucksvoll das zarteste Piano zu Gehör zu bringen, eine echte Herausforderung für die eigentlich stimmgewaltigen Instrumente. Der Schwerpunkt des Konzerts lag allerdings auf swingenden, peppigen Stücken aus der Gospeltradition in Sätzen von Richard Roblee und auf eingängige Posaunenmusik spezialisierten Kirchenmusikern wie Helmut Lammel. Nicht nur die Bläser lebten dabei das Bedürfnis aus, im Takt mitzuwippen.

Gelegenheit zum Aufatmen und Umblättern der Noten aus der gesamten Bläserliteratur des Bayerischen Posaunenchorverbandes gewährte ihnen zwischendurch Bezirkskantorin Constanze Schweizer- Elser in Gestalt mitreißender Orgelwerke von Christian Fink und Michael Schütz.

Mit schwungvollen Dirigat begeisterte Stefanie Kohlhofer die Zuhörer, nicht ohne bei etlichen Stücken mit ihrer Trompete die erste Stimme zu verstärken und bei weiteren Programmbestandteilen zusammen mit Manfred Vates mit strahlender Oberstimme zu krönen. Den Zuhörern dürften jedoch währenddessen ihre heißen Tränen tiefer Betroffenheit entgangen sein: Wie Chorobmann Max Neidhardt in seinem Abschlusswort den Anwesenden übermittelte, hat sich Stefanie Kohlhofer nach reiflicherer Überlegung dazu durchgerungen, aus zeitlichen Gründen ihren ehrenamtlichen Einsatz als Posaunenchorleiterin nach dem Konzert in Marktleuthen auf unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. Ein großer Verlust für die musikalische Landschaft des Fichtelgebirges.

Ebenso emotionsgeladen gelang auch der vom Programm her identische Konzertgottesdienst am darauffolgenden Tag in Marktleuthen. Hier galt es, das nun schon neunzig Jahre währende Bestehen des Marktleuthener Posaunenchores zu feiern, eines, wie Pfarrer Ralf Haska in seinem Überblick über dessen Geschichte bemerkte, "ausgesprochen mobilen alten Herrn". Die Bläser zeigten sich in Hochform mit perfekten Einsätzen und gelungenen Spannungsbögen. Das seit 1929 kontinuierlich durchgehaltene Motto der Marktleuthener Bläser "Gott loben, das ist unser Amt" wurde durch die Form des Konzertgottesdiensts besonders zum Klingen gebracht, der schwierigen Akustik der Sankt-Nikolaus-Kirche zum Trotz. In seinem Grußwort an beide Chöre würdigte Dekan Peter Bauer, Bezirksobmann der Posaunenchöre im Bezirk Selb- Wunsiedel, das Engagement der Bläser. Er sei sich sicher, Stefanie Kohlhofer würde ein zusätzliches Instrument mit dem Fuß bedienen, gäbe es dazu nur die Möglichkeit. Blechblasen verbinde. Es sei mehr als nur Musik, nämlich eine lebendige Gemeinschaft, und die habe bekanntlich in den Gemeinden der bayerischen Landeskirche schon so manche Ehe gestiftet. Auch hier folgte dem Ereignis großer Applaus.

Als Gabriele Pecher, die Leiterin des Marktleuthener Posaunenchores, warme Dankesworte für die hervorragende Leitung an Stefanie Kohlhofer richtete, wurden dieser die Augen feucht. Für ihr erfreuliches, schon 55 Jahre währendes Engagement im Posaunenchor wurden Erna Rogler, Reinhard Dörfler und Manfred Vates geehrt. Der Marktleuthener Posaunenchor steckt voller Pläne und Ideen für das bevorstehende Jahrzehnt und heißt neue Bläser immer willkommen. Zum Erlernen eines Blechblasinstruments könne man nie zu alt werden, im Gegenteil, es erhalte jung und mobil, so Pfarrer Haska.

Im Nachgang zu beiden Konzerten gab es durchweg positive Rückmeldungen. "Das war der schönste Gottesdienst seit Jahren" merkte eine fast achtzigjährige Marktleuthenerin an. Bezirkskantorin Constanze Schweizer-Elser erklärte, es sei bemerkenswert, wie perfekt die beiden Posaunenchöre miteinander harmonierten: Jeder Chor habe doch seine eigene Prägung.

Wer beide Konzerte versäumt hat, hat also allen Grund, diesen Umstand zu bedauern und eine tatkräftige Unterstützung der Posaunenarbeit zu seinen Prioritäten hinzuzufügen.

Die Region Fichtelgebirge kann stolz sein auf den unermüdlichen Einsatz ihrer Blechbläser, die bereit sind, viele Stunden ihrer Freizeit zu investieren, um Herzen zu erfreuen.

Autor

Charis Haska
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
17:20 Uhr

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Charis Haska

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
17:20 Uhr



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