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Das Ende einer Freundschaft

Vor Gericht treffen sich zwei Freunde wieder: der eine auf der Anklagebank, der andere als Nebenkläger. Es geht dabei um gefährliche Körperverletzung.



Wunsiedel - Eigentlich sind die beiden Männer, die sich jetzt vor dem Amtsgericht Wunsiedel wiedergetroffen haben, einmal Freunde gewesen. Was sie einte, war unter anderem ihre Vorliebe für Drogen aller Art sowie Alkohol. Mit einem Schlag - oder besser gesagt nach mehreren Schlägen - änderte sich das.

Es war ein schöner Märztag im Jahr 2017, als der jetzige Nebenkläger, ein Frührentner, an dem Garten einer Bekannten in einer Stadt im Landkreis Wunsiedel vorbeikam. Er war gerade zum Einkaufen unterwegs. Die Frau saß auf einer Gartenbank, der Freund des Mannes, der 46 Jahre alte jetzige Angeklagte, lag im Gras und schlief am helllichten Tag gerade seinen Rausch aus.

Angesichts dieser Szenerie kaufte der Mann eine Flasche Bier mehr ein und gesellte sich damit zu den beiden im Garten. Es hätte ein gemütlicher Nachmittag werden können, wenn nicht plötzlich der Freund mit den Worten "Ich bin eine Maschine" aus seinem Schlummer erwacht wäre und brutal auf den Besucher eingeschlagen hätte.

Offenbar wie ein Berserker prügelte der Mann auf seinen Freund ein. Der landete nach einem Kinnhaken in einem Brunnen. Als er wieder heraussteigen wollte, schlug der Angreifer mit einer Bierflasche auf ihn ein. Der Mann konnte den Schlag gerade noch mit dem Arm abwehren, bezahlte aber einen hohen Preis dafür. Der Unterarm wurde durch den Schlag zertrümmert. An den Folgen leidet der Mann noch heute. Am Abend ließ er sich mit dem Taxi ins Klinikum fahren und den Bruch versorgen. Sechs Monate lang musste die Verletzung behandelt werden. Doch die Bewegungsfreiheit sei immer noch nicht ganz hergestellt, sagte der Nebenkläger jetzt vor Gericht.

Damit war der Tag aber noch nicht zu Ende: Denn kurz darauf randalierte der Angeklagte in der Wohnung seiner Mutter und zerschlug dabei eine Glasvitrine. Die befreundete Frau von der Gartenbank hielt er einige Zeit in dem Schlafzimmer fest, was ihm eine weitere Anzeige wegen Freiheitsberaubung einbrachte. Eine Blutprobe ergab einen Wert von rund zwei Promille zur Tatzeit.

Nichtsdestotrotz zeigte der heutige Nebenkläger zunächst noch Verständnis für seinen Freund. Er räumte ihm mehrere Monate ein, den Schaden mit einer Zahlung von 500 Euro wieder gutzumachen. Sogar während der Unterbringung des Angeklagten in den Bezirksklinik Rehau, wo er wegen seiner Drogensucht einige Monate verbrachte, scheute der Nebenkläger weder Weg noch Kosten und besuchte ihn. Als der aber auf sein Angebot nicht reagierte, erstattete er doch Anzeige.

Vor dem Amtsgericht zeigte sich der Angeklagte zerknirscht. Drogen und Alkohol hätten sein Leben zerstört, klagte er. Das habe er jetzt eingesehen. Deshalb werde jetzt alles anders. Er sei fest entschlossen, Drogen aller Art künftig zu entsagen und ein ordentliches Leben zu führen, versprach er. Seinem einstigen Freund sagte er eine Entschädigungszahlung von 500 Euro als Wiedergutmachung zu.

Der Vorwurf der Freiheitsberaubung wurde zurückgenommen, weil die Geschädigte, die als Zeugin geladen war, nicht zum Gerichtstermin erschien. Und auch die Mutter des Mannes machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht über die Sachbeschädigungen Gebrauch.

Zu verhandeln blieb der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Gefährlich deshalb, weil die Verletzungen mit einem Gegenstand, der Bierflasche, zugefügt worden waren.

Nicht weniger als zwölf Vorstrafen - in erster Linie wegen Drogendelikten, Widerstand und Körperverletzung - sprachen nicht für eine günstige Sozialprognose des Angeklagten. Trotzdem plädierte der Staatsanwalt auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro. Voraussetzung seien ernsthafte Bemühungen, von der Drogensucht loszukommen. Dem schloss sich auch der Nebenkläger an.

Der Verteidiger hielt eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und eine Geldstrafe von 500 Euro für ausreichend.

Das Urteil der Richterin vor dem Amtsgericht lag in der Mitte: Elf Monate Gefängnis, zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt. Dazu wird dem Mann ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Die Geldstrafe von 500 Euro geht an das Kinderhaus in Wunsiedel.

Autor

Herbert Scharf
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
21:46 Uhr

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Herbert Scharf

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02. 10. 2019
21:46 Uhr



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