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Fichtelgebirge

Miriam Lang bringt den Wald zum Blühen

Seit einem Jahr gibt es bei den Bayerischen Staatsforsten ein eigenes Programm für den Insektenschutz. Auch im Gebiet des Forstbetriebs Fichtelberg wird es bald bunt.



Miriam Lang ist bei den Bayerischen Staatsforsten Beauftragte für Blühflächen in Nordbayern. Foto: Matthias Bäumler
Miriam Lang ist bei den Bayerischen Staatsforsten Beauftragte für Blühflächen in Nordbayern. Foto: Matthias Bäumler  

Fichtelberg/Wunsiedel - Heute lächelt niemand mehr, wenn Miriam Lang von ihren beruflichen Aufgaben berichtet. Die junge Försterin ist bei den Bayerischen Staatsforsten für das Anlegen und Pflegen von Blühflächen in Nordbayern verantwortlich. Seit dem Volksbegehren für Artenschutz und den ersten Demonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung beherrschen der Insekten- und Klimaschutz die Schlagzeilen. "Bei uns waren dies schon davor wichtige Themen", sagt Miriam Lang bei einer Waldbegehung mit der Frankenpost .

Auf vielen Hektar Nahrung für Insekten

Die Bayerischen Staatsforsten legen auf ihren Flächen im Freistaat auf vielen Hektaren neue Blühflächen an. Allein im Jahr 2018 wurden mehr als 800 Blühflächen auf insgesamt 160 Hektar geschaffen. In diesem Jahr entstanden ähnlich viele neue Lebensräume für Insekten in den bayerischen Wäldern. Zuständig dafür ist unter anderem Miriam Lang.


Wer glaubt, Wald und Blühflächen passen nicht zusammen, wird spätestens im kommenden Jahr ein buntes Wunder erleben. Allein 2018 hat der Forstbetrieb Fichtelberg mithilfe von Miriam Lang auf drei Hektar 13 Blühflächen angelegt, in diesem Jahr kamen weitere drei Hektar hinzu. "Außerdem haben wir auf zwei Hektar einen Waldsaum mit heimischen Sträuchern gepflanzt und sechs Hektar Offenlandflächen gepflegt."

Grob gesagt, kommt die aus Nagel stammende Försterin immer dann zum Einsatz, wenn irgendwo in den Revieren freie Flächen mit Potenzial sind. Davon gibt es mehr, als Laien glauben. So etwa die Ringloipen um den Ochsenkopf. "Das sind im Sommer regelrechte Insekten-Autobahnen", sagt Miriam Lang. Wo derzeit nur Gras wächst, soll es in Zukunft blühen. "Wir verwenden hier regionales Saatgut, um Wild- und Honigbienen sowie anderen Insekten von Frühjahr bis in den Herbst hinein Nahrung zu bieten." Im Fichtelgebirge greift die Expertin zum "Regio-Saatgut 15" für halbschattige Flächen, wie sie im Fichtelgebirgswald typisch sind. Enthalten sind unter anderem Schafgarbe, Knoblauchsranke, Sumpf-Kratzdistel, Kuckucks-Lichtnelke, Spitzwegerich, Gras-Sternmiere sowie Vogel- und Zaunwicke. In der Regel blühen im ersten Jahr nur einzelne Pflanzen, doch ab den Folgejahren kommen immer mehr der Blumen zum Vorschein.

Die Försterin, die in der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg ihren Dienstsitz hat, sät nicht selbst aus. "Ich berate in erster Linie die Förster und die Landwirte, die mit der Pflege beauftragt werden." Zunächst sei sie von so manchem Bauern belächelt worden. "Doch das gibt sich schnell. Die meisten Landwirte begeistern sich regelrecht für das Blühflächen-Programm."

Auch die Wald-Wiesen leiden unter dem hohen Stickstoff-Eintrag durch die Luft. Davon profitieren zwar einige wenige Gräser oder der Löwenzahn, insgesamt verkümmert dadurch aber die Vielfalt an Pflanzen. "Indem wir die Wiesen erst spät mähen und das Mähgut abtransportieren, magern wir sie langfristig aus. Das kommt wiederum vielen Arten zugute."

Der Landtag hat das "Fachkonzept für besondere Naturschutzmaßnahmen im Staatswald" mit 1,35 Millionen Euro unterfüttert. Miriam Lang ist für 20 Forstbetriebe zuständig, von Unterfranken bis Waldsassen. Für die Försterin, die zunächst Geoökologie studiert hat, ist die Stelle ein Glücksfall. "Ich wollte ursprünglich schon Försterin werden, habe mich dann aber für das Geo-Ökologie-Studium in Bayreuth entschieden. Durch meine Bachelor-Arbeit kam ich mit dem Forstbetrieb Fichtelberg in Kontakt. Da hat mich das Forst-Fieber wieder gepackt, und mir war klar, dass ich das studieren will." Jetzt hat die Naglerin zwei Studienabschlüsse, die sich ergänzen. Besonders stolz ist sie darauf, dass sie in die großen Fußstapfen ihres Großvaters Heiner Lang tritt, der über viele Jahre einer der bekanntesten Förster im Fichtelgebirge war. "Ich bin im Forsthaus in Nagel groß geworden."

Außer um die Planung von Blühflächen kümmert sich Miriam Lang um Streuobstwiesen, die einen besonders hohen Artenreichtum aufweisen, organisiert Fortbildungen für ihre Förster-Kollegen oder arbeitet am Totholz-Programm der Staatsforsten mit. Bei Letzterem geht es um sogenannte Biotopholz-Trittsteine in Hochstämmen. "Davon wurden allein im vergangenen Jahr 2250 in Bayern geschaffen, um speziell Spechten, Fledermäusen und Insekten Lebensraum zu bieten."

Die Bäume werden in mindestens drei Metern Höhe gekappt, der Stamm bleibt stehen. "So entsteht wertvolles stehendes Totholz, auf das viele Tiere im Wald angewiesen sind." Fledermäuse nutzen gerne die sich bildenden Spalten in den Rinden, und sogar Eulen legen oben im morsch werdenden Stamm Bruthöhlen an. Pro Revier sollen mindestens zehn Hochstumpf-Biotope geschaffen werden. Der Vorteil dieser Bäume ist, dass sie im Gegensatz zum liegenden Totholz viel langsamer verwittern.

Speziell im Fichtelgebirge kümmert sich Miriam Lang noch um die Artenschutzmaßnahmen zum Erhalt von Arnika, Bärwurz und der Verschiedenblättrigen Kratzdistel. Diese Pflanzen sind typisch für die Region, aber seit Langem stark gefährdet. "Wir wollen sie deshalb hier fördern, da sie zum Charakter der Landschaft gehören."

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
18:14 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
18:14 Uhr



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