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Fichtelgebirge

Junge Wunsiedler haben viele Wünsche

Die Jugendkonferenz im Juz zeigt einige Defizite auf. Die Mädchen und Jungen machen aber auch konkrete Vorschläge für Verbesserungen.



Anna Föhst von der hochfränkischen Jugendhilfe-Gesellschaft "Die Gruppe" präsentierte die gesammelten Plus- und Kritikpunkte am Wunsiedler Jugendzentrum. Foto: Rainer Maier
Anna Föhst von der hochfränkischen Jugendhilfe-Gesellschaft "Die Gruppe" präsentierte die gesammelten Plus- und Kritikpunkte am Wunsiedler Jugendzentrum. Foto: Rainer Maier  

Wunsiedel - Auf vier großen Stellwänden haben die rund dreißig Teilnehmer der Jugendkonferenz gesammelt, was für junge Leute passt in Wunsiedel und in welchen Bereichen es noch Luft nach oben gibt. Bürgermeister Karl-Willi Beck hört den Argumenten aufmerksam zu. Bei einigen Punkten schaltet er sich in die Diskussion ein, bietet Lösungsmöglichkeiten an. An anderen Stellen muss er den Mädchen und Jungen aber auch sagen, dass nicht alles, was wünschenswert ist, auch machbar ist. Und dass die Stadt für vieles auch nicht oder nicht allein zuständig ist.

Kreisjugendpfleger Martin Reschke und sein Team haben die Themenbereiche vorgegeben, die die jungen Leute einen Nachmittag und Abend lang in Arbeitsgruppen durchdiskutieren. In den nächsten Tagen werden die Argumente sortiert und in einem Heft dokumentiert. Dieses Ergebnis-Protokoll soll dann an alle betroffenen Stellen weitergegeben werden. Im Januar wird es Thema im Wunsiedler Stadtrat sein.

Immer wieder wird deutlich, dass es vieles, was sich die Wunsiedler Jugend wünscht, schon in der näheren Umgebung gibt, dass es aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln nahezu unmöglich ist, dort hin und von da wieder heimzukommen. So würden viele gerne öfters nach Marktredwitz ins Kino gehen (eine Wiederbelebung des Wunsiedler Kinos stuft der Bürgermeister als "schwierig" ein, weil dazu ein privater Investor nötig sei). Das Problem: Wie kommt man am späten Abend nach dem Film wieder zurück nach Wunsiedel?

Die jungen Leute fordern einen bedarfsgerechten öffentlichen Nahverkehr oder - noch besser - genau auf sie zugeschnittene Angebote wie Busverbindungen zum Kino, zu den Skipisten im Fichtelgebirge, zu den Eishallen in Mitterteich und Selb, zu Clubs und Diskotheken.

Kritisiert wird der Zustand der Spielplätze, der Mini-Fußballfelder und vor allem des Skateparks, den die Teilnehmer als "heruntergekommen" einstufen. Bürgermeister Beck bietet gemeinsame Spielplatz-Begehungen an, bei denen die Kinder den Leuten von der Verwaltung vor Ort mitteilen können, was sie als alt, kaputt oder verbesserungswürdig ansehen. Mehrfach kritisiert wird, dass die Schwimmhalle in der Schule künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein wird. Beck erklärt, nur so habe man die Schwimmhalle überhaupt erhalten und sanieren können. Er meint, gemeinsam mit den Vereinen sollten sich "kreative Lösungen" finden lassen, um jungen Leuten die Hallenbad-Nutzung zu ermöglichen.

Auch eine Graffiti-Wand kann sich Beck vorstellen. An ihr sollen junge Sprayer üben können. Alle paar Wochen wird die Wand dann überstrichen und so frei gemacht für neue Werke. Wie bei vielen anderen Wünschen wäre der Lieblingsstandort für eine solche Wand der Marktplatz. Hier sehen die jungen Leute auch eine Fahrrad-Reparaturstation, ein Café für Jugendliche ("ohne Omis und Opis"), tolle Events in den Ferien und einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Gewünscht werden auch zusätzliche Kneipen, mehr Läden, vor allem für coole Klamotten, weitere Sportangebote, etwa ein Trampolin-Park, und öffentliche Toiletten. Gut finden die Jugendlichen, dass es in Wunsiedel den Park am Busbahnhof gibt, den Pumptrack, die Kletterhalle, den Eisweiher und die Breite Gasse mit ihrer Gastronomie.

Die Mädchen und Jungen wünschen sich mehr Sauberkeit, nicht nur im Stadtbild, sondern auch in den Schulen. Die Klos in der Realschule werden hier mehrmals erwähnt. Sie fordern vor den Schulen mehr Rücksicht der Autofahrer ein (auch der abholenden Eltern), würden ein Tempo-30-Limit mit häufigen Kontrollen begrüßen.

Sie kritisieren die aus ihrer Sicht zum Teil unhygienische Schulverpflegung, die zudem zu teuer und zu wenig abwechslungsreich sei. Sie wünschen sich hier auch weniger Plastikverpackungen.

Über die Schulen wird generell viel gesprochen bei der Jugendkonferenz. Die Kinder beklagen den häufigen Unterrichtsausfall aufgrund von Lehrermangel. Und sie spüren eine schleichende Verrohung der Sprache, auch beim Umgang von Lehrern mit Schülern. "Wir müssen uns doch nicht gefallen lassen, dass uns die Lehrerin als ,egoistische Arschlöcher‘ bezeichnet", sagt ein Mädchen. Besonders schlimm finden die jungen Leute die immer häufiger werdenden rassistischen Äußerungen, ausgesprochen auch von Lehrern.

Gerne hätten die Mädchen und Jungen auch die weggefallene Hitzefrei-Regelung zurück. Kritisiert wird zudem, dass es an manchen Schulen kein freies Wlan gibt oder die Technik nicht funktioniert. "Die digitale Ausstattung müsste besser und moderner sein", heißt es.

Es wird also eine dicke Dokumentation werden, die Martin Reschke für die Verantwortlichen zusammenstellen muss. Mit ihm leiteten die Jugendkonferenz seine Kollegin Svenja Fassbinder aus dem Kreisjugendamt, Anna Föhst und Christian Belter von der Jugendhilfe-Gesellschaft "Die Gruppe", die das Wunsiedler Jugendzentrum leiten, und Alena Gebhardt.

Das Juz kommt in der Bewertung der jungen Leute übrigens ziemlich gut weg. Vieles loben sie ausdrücklich. Aber natürlich haben sie auch hier jede Menge Wünsche und Anregungen.

—————

Die nächste Jugendkonferenz findet am Freitag, 25. Oktober, in Weißenstadt im Bürgersaal statt.

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
14. 10. 2019
17:22 Uhr

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Rainer Maier

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Veröffentlicht am:
14. 10. 2019
17:22 Uhr



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