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Romanze endet vor dem Amtsgericht

Szenen einer Ehe: Ein 65-Jähriger soll seine Frau geschlagen haben. Doch die erinnert sich im Zeugenstand nicht mehr so recht an ihre Aussage.



Romanze endet vor dem Amtsgericht
Romanze endet vor dem Amtsgericht  

Wunsiedel - Ein 65 Jahre alter Mann aus Marktredwitz steht wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wunsiedel. Er soll seine Ehefrau geschlagen und bedroht haben.

Eigentlich hätte das Geschehen, das jetzt vor der Einzelrichterin aufgerollt wurde, auch vor dem Scheidungsrichter erörtert werden können. Es geht um Szenen einer Ehe, die längst gescheitert war. Der Ehemann sitzt auf der Anklagebank. Körperverletzung wirft ihm der Staatsanwalt vor.

Es war an einem Märzabend in diesem Jahr, als wieder einmal ein ehelicher Streit eskalierte. Der Mann habe sie angegriffen, geschlagen und verletzt, heißt es in der Anklage. Eine Platzwunde am Auge und blaue Flecken seien die Folge für die Ehefrau gewesen. Nicht das erste Mal, wie die Frau vor Gericht aussagte.

Der angeklagte Ehemann dagegen schildert den Hergang jenes Abends, der ihn auf die Anklagebank gebracht hat, ganz anders. Und auch für die Verletzungen der Frau hat er eine Erklärung parat. Sie sei gestürzt als sie das Haus verlassen habe. Doch von Anfang an: Am fraglichen Tag sei er etwas später von der Arbeit nach Hause gekommen, erzählt er. Wieder einmal habe sich seine Frau nicht um ein Abendessen für ihn gekümmert. Den ganzen Tag sei sie zu Hause und habe demzufolge genügend Zeit, monierte der 65-Jährige. Auf seine Frage nach dem Abendessen habe sie ihn beschieden, er solle sich selber etwas suchen. Das habe er auch getan. Die Frau lag auf dem Sofa und sah
fern.

Da ist es kaum verwunderlich, dass es anschließend wieder einmal zum Streit kam. Einige Monate vorher war die Frau nach einem Streit schon einmal aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Da ihr der Mann versprochen habe, dass so etwas nie wieder vorkomme, sei sie zu ihm zurückgekehrt. Der häusliche Frieden habe nicht lange angehalten. Szenen einer gescheiterten Ehe eben.

Dabei hatte alles so romantisch begonnen. Nach langen Jahren - die Frau war in einer russischen Republik einmal mit einem Freund des Angeklagten verheiratet - habe man wieder Kontakt gehabt. Schon nach kurzer Zeit seien sich die beiden einig gewesen, künftig gemeinsam durchs Leben gehen zu wollen. Was sie auch umgehend mit einer "Blitzhochzeit" ohne großen Aufwand und Formalitäten in Dänemark einleiteten.

Dann aber kam der Alltag. Die beiden entfremdeten sich schnell voneinander. An jenem Märzabend dieses Jahres - jenem ohne Abendessen - ergab dann ein Wort das andere. Der Streit gipfelte in dem Vorwurf des Mannes, die Frau sei schuldig am Freitod ihres eigenen Sohnes, weil sie seine Beziehung mit einer Frau hintertrieben habe.

Schließlich floh die Frau in Panik aus der Wohnung, stürzte auf die Straße, wo sie beinahe von einem Auto angefahren wurde und ging anschließend zur Polizei. Dort habe sie ihren Mann angezeigt, weil er sie geschlagen und bedroht habe, wie es in der Anklage heißt. Außerdem habe er angekündigt, der Frau eine Schnapsflasche auf den Kopf zu schlagen.

Die Verletzungen im Gesicht und am Körper stammten von dem Sturz vor der Wohnung, beteuert der Ehemann.

Dann aber nahm die Anklage mit der Vernehmung der Ehefrau eine merkwürdige Wende. Nein, geschlagen habe er sie gar nicht, beteuert die Frau mit Hilfe einer Dolmetscherin. Sie habe lediglich Angst gehabt vor dem Ehemann, dass er ihr etwas tun könnte. Und auch sie bestätigt nun, dass die Verletzungen nicht von dem Ehemann, sondern von dem Sturz auf der Straße herrührten.

Dass sich das alles bei einer richterlichen Vernehmung und dem polizeilichen Protokoll - ebenfalls mit Hilfe eines Dolmetschers - ganz anders dargestellt habe, erklärt die Ehefrau mit Missverständnissen. Der Übersetzer habe sie wohl falsch verstanden. Der hatte sogar sexuelle Bedrohungen mit ins Protokoll aufgenommen. Wovon sie jedoch nie gesprochen habe, beteuert die Frau im Zeugenstand.

Ungeklärt blieb vor dem Wunsiedler Amtsgericht eine weitere Frage. Aus einem Frauenhaus im Westen Deutschlands - dort lebt die Frau seit einigen Monaten in der Nähe ihrer Tochter - ist ein belastender Brief aufgetaucht. Wer ihn geschrieben hat, konnte niemand beantworten. Denn der Brief mit schweren Vorwürfen gegen den Ehemann war in bestem Hochdeutsch geschrieben und von der Frau unterzeichnet, die nach eigenem Bekunden kaum ein Wort Deutsch spricht.

Nach kurzer Beratung wurde das Verfahren schließlich mangels Beweisen eingestellt. Zumal sich die Sache insgesamt längst erledigt hat. Das Paar hat die Scheidung eingereicht. Die Frau lebt im Frauenhaus. An einer Bestrafung des Mannes ist sie laut eigner Aussage auch gar nicht interessiert. Auch der 65-Jährige Ehemann bekundete vor Gericht, dass er mit seiner künftigen Ex-Frau nicht mehr das Geringste zu tun haben wolle.

Autor

Herbert Scharf
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 10. 2019
18:04 Uhr

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Herbert Scharf

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Veröffentlicht am:
14. 10. 2019
18:04 Uhr



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