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Fichtelgebirge

Posaunenchöre in Höchstform

Beim gemeinsamen Konzert bieten 40 Bläser und Bläserinnen ein außergewöhnliches Programm. Das Publikum in Selb erklatscht sich drei Zugaben.



Boten Meisterliches bei ihrem Konzert in Sankt Andreas: die vereinigten Posaunenchöre aus Selb und Bad Steben, hier unter der Leitung von Stefan Romankiewicz.	Foto: Jürgen Henkel
Boten Meisterliches bei ihrem Konzert in Sankt Andreas: die vereinigten Posaunenchöre aus Selb und Bad Steben, hier unter der Leitung von Stefan Romankiewicz. Foto: Jürgen Henkel  

Selb - Vom Barock bis zur Gegenwart reichte das musikalische Spektrum, mit dem die Posaunenchöre aus Selb und Bad Steben am Sonntag knapp 90 Zuhörer in der Stadtkirche St. Andreas zu Selb begeistert haben. Unter der genauso inspirierten wie motivierten Leitung von Dekanatskantorin Constanze Schweizer-Elser und ihrem Pendant Stefan Romankiewicz aus Bad Steben spielten sich die Bläserensembles rasch in die Herzen des Publikums und ernteten donnernden Applaus.

Das lag freilich nicht nur an den brillanten Darbietungen der Chöre, sondern auch am außergewöhnlichen Programm, das Schweizer-Elser und Romankiewicz zusammengestellt hatten. Die große Besetzung machte doppelchörige und großformatige Werke möglich, und die Bläserinnen und Bläser spielten diesen Trumpf meisterhaft aus.

Das begann schon mit dem pompös-majestätischen Auftakt: der "Nordic Fanfare Hymn" des 1959 geborenen Jakob de Haan. Da gelangte die Tongewalt beider Bläserensembles schon zu Beginn auf den Siedepunkt. Und so grandios, spielfreudig und temperamentvoll ging es weiter. Bei Traugott Fünfgelds Variation zu "Lobe den Herren" durfte das Publikum zwischen dem Vorspiel und dem Nachspiel kräftig mitsingen. Triumphale Takte, breite Harmonien, dazu sich aufbauende und rhythmisch steigernde Akzente kennzeichnen dieses Stück.

Mit der "Toccata" von Aurelio Bonelli, der um 1600 lebte, erklang dann lebhaftes Renaissance-Flair in der evangelischen Stadtkirche. Strahlend-pulsierende, aber auch getragen-festliche Atmosphäre wurde so hörbar, die klassischen Tanzrhythmen der Renaissance blitzten hier sinnig-schelmisch durch. Barock wurde es dann bei Johann Pachelbels Vorspiel zu "Nun danket alle Gott". Vollendeter Feinklang, fulminant-kraftvolle Spitzen und feinsinnige Höhen bauen sich hier kunstvoll auf und durchdrangen sich gegenseitig.

Famos auch der Ausflug zu dem selten aufgeführten Komponisten Charles Villiers Stanford (1852 bis 1924) mit den Stücken "Justorum animae" und "Coelos ascendit hodie". Auch hier zeigten sich die vereinten Posaunenchöre sich einmal mehr in Bestform. Da waren perfekte versetzte Einsätze zu hören, die sich dann in einem feurig-temperamentvollen Crescendo zu echter tonaler Urgewalt steigerten. Nach einem ebenfalls groß angelegten und kongenial interpretierten "Gloria in excelsis" von Franz Xaver Witt (1834 bis 1888) kam noch einmal Jakob de Haan zur Geltung.

Bei dessen Choralvorspiel zu "Allein Gott in der Höh sei Ehr" schlich sich das Motiv am Anfang zart, fast versteckt und zunächst noch kaum wahrnehmbar durch die mosaikartige Einleitung, um sich dann in einer überwältigenden Lebhaftigkeit und Leidenschaft Bahn zu brechen. Nach dem von Diakonin Elisabeth Richter gesprochenen Vaterunser und Segen schloss sich das "Norwegian Rondo" des 1951 geborenen Philipp Sparke an und bildete als Abschluss mit dem Auftakt gleichsam eine "nordische Klammer".

Ob unter der Leitung von Constanze Schweizer-Elser oder unter Stefan Romankiewicz: Die beiden Posaunenchöre aus Selb und Bad Steben lieferten an diesem Nachmittag ein meisterhaftes Konzert ab. Souverän und doch mit Energie und Esprit, Leidenschaft und Verve führten beide Dirigenten ihre Ensembles zu solchen Höchstleistungen. Die Bläserinnen und Bläser wiederum meisterten selbst die besonders komplizierten Werke des Programms mit Bravour, technischer Brillanz und unglaublich ausgeprägtem interpretatorischem Gespür für das Gepräge, die Epochen und die innere musikalische Stimme der jeweiligen Werke.

Stefan Romankiewicz seinerseits bereicherte das Konzert noch um Orgelwerke von Adolph Friedrich Hesse und William Matthias aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Damit setzte er einen klanglichen Kontrapunkt zu den Bläserstücken; freilich ebenfalls in gekonnter Meisterschaft und mit Interpretationsgabe. Erst nach drei Zugaben entließ das Publikum die Musiker, wobei das "Nun danket alle Gott" für Orgel und Posaunen ganz zuletzt noch einen abschließenden Glanzpunkt draufsetzte. Dem gesamten Konzert gebührt ein "Chapeau!".

Autor

Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
16:48 Uhr

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Autor

Jürgen Henkel

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
16:48 Uhr



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