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Fichtelgebirge

Ein Hauch von Hollywood: August Diehl dreht im Fichtelgebirge

Internationale Filmstars drehen in der Region. Nach Hohenhard wechselt das Set nach Marktredwitz. August Diehl spielt die Hauptrolle im Historien-Drama "Plan A". Ein weiterer Star trifft am Montag ein.



Großaufgebot am Filmset in Hohenhard (von links): Christoph Hahn (NFP Marketing und Distribution), die Produzentinnen Minu Barati und Skady Lis, Carlos Gerstenhauer, Leiter der BR-Redaktion Kinofilm, Hauptdarsteller August Diehl, Adina Mungenast (Film-Fernseh-Fonds Bayern), BR-Redakteurin Cornelia Ackers, Produzent Chilik Michaeli, Andreas Schreitmüller, Redaktionsleiter bei Arte, und Julia Weber von Global Screen, das zuständig ist für den weltweiten Vertrieb.
Großaufgebot am Filmset in Hohenhard (von links): Christoph Hahn (NFP Marketing und Distribution), die Produzentinnen Minu Barati und Skady Lis, Carlos Gerstenhauer, Leiter der BR-Redaktion Kinofilm, Hauptdarsteller August Diehl, Adina Mungenast (Film-Fernseh-Fonds Bayern), BR-Redakteurin Cornelia Ackers, Produzent Chilik Michaeli, Andreas Schreitmüller, Redaktionsleiter bei Arte, und Julia Weber von Global Screen, das zuständig ist für den weltweiten Vertrieb.   Foto: Florian Miedl

Hohenhard - Aus dem Wald dringen Stimmen. Man sieht ihn nicht, aber es ist die Stimme von August Diehl. Der international bekannte Schauspieler, der unter anderem in dem Kinofilm "Inglourious Basterds" an der Seite von Brad Pitt, Christoph Waltz und Diane Kruger gespielt hat, steht vor der Kamera. Mitten im Steinwald. Produzentin Minu Barati mahnt zu absoluter Ruhe, denn Diehl dreht gerade den emotionalsten Moment in der deutsch-israelischen Koproduktion. Das Filmset am Waldesrand ist nur einen Steinwurf entfernt vom Marktredwitzer Haus aufgebaut. Momentan laufen hier die Dreharbeiten für das Historien-Drama "Plan A".

Hupend fährt der Schulbus in Hohenhard am Set vorbei. Hin und wieder bleibt ein Radler neugierig stehen, während rund 120 Leute des Kern-Teams damit beschäftigt sind, dass "Plan A" 2020 in die deutschen Kinos kommt. "Rechnen wir die Komparsen mit dazu, sind wir zuweilen über 250 Leute am Set", erzählt Mit-Produzentin Skady Lis, die sich zusammen mit Minu Barati - der Ehefrau des früheren Außenministers Joschka Fischer - an eine "unfassbare, beinahe unbekannte und wahre Geschichte" gewagt hat:

1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte, nämlich "Tochnit Aleph/Plan A". Sie schleusen sich als Arbeiter in den Wiederaufbau der Wasserwerke ein, mit nur einem Ziel: das Trinkwasser in fünf Städten zu vergiften. Die Hauptgruppe operiert in Nürnberg. Im Mittelpunkt steht Max, verkörpert von August Diehl. Er hat die Grauen des Konzentrationslagers überlebt, jedoch seine gesamte Familie und den Glauben an eine Zukunft und ein Leben verloren. Dass seine Familie tot ist, erfährt Max gerade während des Pressetermins in der strahlenden Oktobersonne von Hohenhard. Der Holocaust-Überlebende findet in den Racheplänen der Gruppe Halt und einen Grund zu leben.

Regie führen die israelischen Brüder Yoav und Doron Paz, die selbst aus einer Familie deutscher und polnischer Holocaust-Überlebender stammen und "Plan A" als eine andere Art von Holocaust-Film begreifen.

"Als Produzenten hat uns diese Geschichte, die sich hier in der Gegend abgespielt hat, sofort in ihren Bann gezogen", betonen Skady Lis und Minu Barati. "Die Geschichte erzählt einen wichtigen, bisher weitgehend unbeleuchteten Teil unserer Vergangenheit. ,Plan A’ thematisiert auch heute aktuelle Fragen nach Gerechtigkeit, Rache und Moral und beschäftigt sich mit Ur-Gefühlen der menschlichen Natur sowie der Frage, ob tödliche Vergeltung wahre Rache ist oder das Leben zu leben."

Nach Dreharbeiten in der Ukraine filmt das Team nach kurzen Abstechern in Maxhütte, Neusorg, Marktleuthen sowie seit Montag in Hohenhard auch mehrere Tage in Marktredwitz. Claudia Hiergeist, Pressesprecherin der Stadt, ist es als Koordinatorin vor Ort gelungen, nicht nur die Location-Scouts, die sich nach geeigneten Drehorten umsehen, zu überzeugen, sondern auch Produzentinnen, Regisseure und die Geldgeber. Rund 4,4 Millionen Euro kostet die Produktion, wie Skady Lis sagt. Und von dieser erhofft sich Carlos Gerstenhauer, Leiter der BR-Redaktion Kinofilm, "dass wir es mit ,Plan A’ vor dem Kinostart in die Festivals von Cannes, Venedig oder die Berlinale schaffen". Und Produzent Chilik Michaeli fügt schmunzelnd hinzu: "Wir würden natürlich auch gern den Oscar bekommen."

Das internationale Projekt - mit im Boot ist neben dem israelischen Produzenten Chilik Michaeli auch Avraham Pirchi - werde auf Englisch gedreht und wecke angesichts des brisanten Stoffs schon jetzt das Interesse in vielen Ländern, versichern die Produzenten. "Es ist ja eine neue Perspektive, der Blick von der anderen Seite", meint BR-Redakteurin Cornelia Ackers, die vier Jahre lang an dem Drehbuch zusammen mit Skady Lis und Minu Barati gearbeitet hat. "Jetzt hier am Set zu stehen und die Gedanken Realität werden zu lassen, ist etwas ganz Besonderes", unterstreicht sie. Wenngleich sie schon viele Geschichten geschrieben hat, "war dies doch eine der bewegendsten", gesteht sie gegenüber der Frankenpost. "Gerade in einer Zeit des antisemitischen Aufflammens so eine Geschichte zu erzählen, die jüdische Bürger angreifbar machen kann, ist sehr heikel", weiß sie.

Die Regisseure Yoav und Doron Paz wollen mit "Plan A" die Erinnerung an den Holocaust aufrechterhalten. "Das ist eine Aufgabe und große Verantwortung, die unsere Generation sehr bald schon alleine tragen wird, da es nicht mehr viele Überlebende gibt. Wir sind der festen Überzeugung, dass jede Generation ihre ganz eigenen Filme dazu machen muss. Um das Thema am Leben zu erhalten, um die Toten des Holocaust zu ehren und für die Zukunft daraus zu lernen. Jetzt ist die Zeit gekommen, auch diese Geschichte zu erzählen."

2000 Übernachtungen hat das Film-Team während der Dreharbeiten im Fichtelgebirge gebucht. "Das ist enorm", findet Claudia Hiergeist, die seit der Nominierung der Stadt Marktredwitz zum beliebtesten Drehort Bayerns einen besonders guten Draht zu den Filmemachern hat.

"Es ist richtig attraktiv, mal nicht im Großraum München zu drehen", gesteht Skady Lis und ist voll des Lobes für "so viel Unterstützung, die wir hier erfahren". Ob Architektur, Felder oder Wälder - hier passe alles, was man für "Plan A" brauche. Mit August Diehl und Sylvia Hoeks habe man auch zwei namhafte und anerkannte Schauspieler in den Hauptrollen, fügt Minu Barati hinzu. Und dass sich August Diehl, der schon seit ein paar Tagen in der Region dreht, hier sehr wohl fühlt, könne sie nur bestätigen. "Er kann hier super schlafen, die Luft ist gut und die Menschen freundlich." Und obendrein spiele das Wetter gerade wunderbar mit.

Den Hut vor den Produzentinnen zieht Julia Weber von Global Screen, zuständig für den weltweiten Vertrieb von Filmen: "Es gehören Hartnäckigkeit und Mut dazu, diese Geschichte zu erzählen." Und für Adina Mungenast vom Film-Fernseh-Fonds Bayern ist die deutsch-israelische Zusammenarbeit ein wichtiger Aspekt, dieses Projekt zu fördern. Dass die Zusammenarbeit wunderbar klappt, unterstreichen die Produzenten beider Länder. Nach den Dreharbeiten in Steinwald und Fichtelgebirge geht es weiter nach Israel, wo das historische Drama beendet wird.

Ein weiterer internationaler Star trifft am kommenden Montag am Set in Marktredwitz ein, um eine Hauptrolle zu spielen: Sylvia Hoeks, die in "Blade Runner 2049" vor der Kamera stand, fliegt aus Los Angeles ein. Zum Schauspieler-Ensemble gehören auch Nikolai Kinski, Milton Welsh, Michael Brandner, Tim Wilde sowie die israelischen Schauspieler Michael Aloni und Oz Zehavi. Marktredwitz mutiert wieder für einige Tage zur Film-Stadt.

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
17:32 Uhr

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Peggy Biczysko

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24. 10. 2019
17:32 Uhr



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