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Fichtelgebirge

Beck wähnt Wunsiedel auf gutem Kurs

Schulen, Kindergärten und die Finanzen. Der Bürgermeister sieht in seiner letzten Bürgerversammlung in der Stadt viele Lichtblicke.



Ein Sorgenkind: Nach dem Weggang des vorläufig letzten Pächters der Theatergastronomie gibt es mittlerweile zwei Bewerbungen für eine Nachfolge von Matthias Prechtl.	Foto: Florian Miedl
Ein Sorgenkind: Nach dem Weggang des vorläufig letzten Pächters der Theatergastronomie gibt es mittlerweile zwei Bewerbungen für eine Nachfolge von Matthias Prechtl. Foto: Florian Miedl   » zu den Bildern

Wunsiedel - "Danke." Kurz und bündig hat sich Bürgermeister Karl-Willi Beck am späten Montagabend verabschiedet. Seine letzte Bürgerversammlung im 18. Jahr seiner Amtszeit in der Fichtelgebirgshalle endete unspektakulär. "Am 30. April endet für mich der schönste Beruf der Welt." Er freue sich jetzt auf seine neue Lebensphase, den Ruhestand, und hoffe, dass er gesundheitlich stabil bleibe, sagte er zu den rund 80 Zuhörern. Etwas weniger emotional als in den Vorjahren hatte er zuvor die aktuelle Situation der Festspielstadt geschildert. Dafür zelebrierte er ziemlich exakt zwei Stunden lang gefühlt tausend Zahlen, die belegten, warum es mit Wunsiedel aufwärts geht. Nachfolgend die wichtigsten Themen.

 

Die Gastronomie-Krise der Stadt

 

Deren Ende zeichnet sich laut Beck zumindest im Falle des "Wunsiedler Hofes" ab. Ein gutes Ergebnis der Verkaufsverhandlungen für die Fichtelgebirgshalle samt Hotel sei sehr wahrscheinlich. Der Investor bringe Gastronomie-Erfahrung mit und werde dann im kommenden Jahr das Hotel modernisieren.

Die Theatergastronomie sprach Reiner Scheidler an. "Was ist eigentlich damit?" Wie berichtet, hat die Stadt den Pachtvertrag mit dem Juristen und Gastronomen Matthias Prechtl nach nur zwei Jahren beendet. Beck: "Derzeit läuft die Ausschreibung. Es ist gibt tatsächlich ein gewisses Interesse, zumindest zwei Bewerbungen liegen vor." Er hoffe allerdings, dass sich noch einige Interessenten mehr melden. "Wir werden anschließend mit allen intensive Gespräche führen." Wenn Prechtl bis im Winter aus der Luisenburg-Gastronomie ausgezogen sein werde, könne sich ein neuer Pächter womöglich schon bald auf die neue Festspielsaison vorbereiten. "Das wichtigste ist, dass die Gastronomie im kommenden Jahr wieder bewirtschaftet wird."

 

Die Kinderbetreung

 

Auf diesem Feld sieht sich Bürgermeister Beck auf der Zielgeraden. Die Verwaltung habe den Bedarf von 545 Kinderbetreuungsplätzen ausgerechnet. Mit der Eröffnung der Kindertagesstätte Holenbrunn im Dezember mit 56 Plätzen (die Kinder ziehen nach Weihnachten um) sei der nächste Mosaikstein gelegt. Derzeit liefen die Planungen für den Bau der neuen Kindertagesstätte in Schönbrunn mit 80 Plätzen. Da der Modelleisenbahnclub sein Gebäude an die Stadt verkauft hat und jetzt am Bahnhof (ehemalige Videothek) residiert, kann sich auch die Kindertagesstätte Sankt Franziskus erweitern. "Nach dem Abriss des ehemaligen MEC-Heims wird hier ein Neubau entstehen."

Zum Betrieb der Kindertagesstätten wird allein die Stadt Wunsiedel in diesem Jahr 1,27 Millionen Euro beitragen. "Dieses Geld ist gut angelegt", sagte Beck. Das sind genau 40 Prozent der Gesamtkosten. Weitere 40 Prozent trägt der Freistaat Bayern bei, den Rest von 20 Prozent müssen die Eltern bezahlen.

 

Die Wunsiedler Finanzen

 

Wie hoch verschuldet ist die Festspielstadt eigentlich? Auf diese Frage gibt es die unterschiedlichsten Antworten. Einige vermeintliche Insider beziffern den Schuldenstand auf mehr als 300 Millionen Euro. Bürgermeister Beck und die Mitarbeiter der Kämmerei interpretieren die Zahlenwerke anders. Laut Kämmerei hat der Schuldenstand Ende Dezember knapp 34 Millionen Euro betragen. Dabei handelt es sich um mittel- bis langfristige Finanzierungskredite. Wie Beck sagte, entfallen davon auf die Kommunalunternehmen "Immobilien" eine Million und auf "Infrastruktur" knapp elf Millionen Euro. "Dies ergibt also einen relativen Schuldenstand für die Stadt 2019 in Höhe von knapp 21 Millionen Euro." Das Minus auf dem Konto der Stadt lautete am 2. Oktober genau 7,343 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die Kassenkredite.

Zu den kursierenden dreistelligen Millionenbeträgen beim Schuldenstand erläuterte auf Nachfrage der Frankenpost Stadtkämmerer Udo Kilgert, dass diese Zahlen keineswegs stimmen. "Wenn man böswillig sein möchte, könnte man die in den Bilanzen der einzelnen Unternehmen und der Stadt ausgewiesenen Verbindlichkeiten einfach zusammenzählen, damit man auf eine dreistellige Summe kommt. Allerdings handelt es sich um Verbindlichkeiten, die zum Teil zwei- bis dreifach im Haushalt der Stadt und den Bilanzen der verschiedenen Unternehmen aufgeführt sind." Dies sei unter anderem dadurch verursacht, dass die Zahlenwerke zum Teil kammeralistisch (Stadt) und nach dem Handelsgesetzbuch (Unternehmen) strukturiert sind.

Apropos Unternehmen. Hier geht die Verwaltung davon aus, dass diese ab 2021 pro Jahr um die 750 000 Euro Gewinn an die Stadt abführen. "Bisher haben wir darauf verzichtet, damit die Unternehmen Eigenkapital aufbauen können", sagte Beck.

 

Die Gebäude der Stadt

 

Sie werden weniger. Und das ist laut Bürgermeister Beck genau so erwünscht. So stehen - wie gesagt - die Fichtelgebirgshalle und das Hotel "Wunsiedler Hof" vor dem Verkauf. Dadurch fließt Geld in die Stadtkasse und zudem belasten die nicht gerade niedrigen laufenden Kosten den Haushalt künftig nicht mehr. Die Bibliothek, das Verkehrsamt und der Luisenburg-Kartenverkauf bleiben jedoch in der Halle, allerdings mietet die Stadt die Räume.

Bewegung scheint auch es auch bei den Häusern Marktplatz 5 und 7 sowie Alter Markt 4 zu geben. Genaueres wollte Beck nicht sagen. Nur so viel: "Hier gibt es zwei mögliche Nutzungen."

 

Die Energie- und Festspielstadt

 

Wunsiedel ist keine gewöhnliche Stadt. Das hat Bürgermeister Beck während seiner zweistündigen Rede immer wieder betont. Stolz sei er auf die Luisenburg-Festspiele, die auch unter der künstlerischen Leiterin Birgit Simmler große Kunst auf die Bühne brächten. Damit die Bedingungen für die Künstler und die vielen Mitarbeiter im Hintergrund noch besser werden, baut die Stadt für 2,5 Millionen Euro (dafür gibt es 90 Prozent Zuschüsse) den ehemaligen Audi-Hangar des Autohauses Königs zur "Talstation" um. Hier soll künftig das Magazin, das derzeit auf mehrere Gebäude aufgeteilt ist, einen Platz finden. Ebenso arbeiten hier die Handwerker der Theaterwerkstatt. Dazu gibt es mehrere Probebühnen für die Schauspieler.

Dass die Energiestadt Wunsiedel boomt, belegt die beabsichtigte 40-Millionen-Euro-Investition der Gelo Holzwerke und eines Partners für ein neues Sägewerk (wir berichteten). Damit muss allerdings noch nicht Schluss sein. So steht auch der Spatenstich zum Bau einer Anlage zur Herstellung von Wasserstoff bevor. Außerdem beabsichtige ein Unternehmen aus der Oberpfalz den Bau eines Pellets-Vergasers.

 

Was die Bürger wollen

 

Werner Erhardt schämt sich für Wunsiedel. Er bemängelt, dass es ausgerechnet in der Energiestadt keine Ladestation für Elektroautos gibt. SWW-Geschäftsführer Marco Krasser kündigte an, dass am Haus der Energiezukunft fünf 22-Kilowatt und eine 50-Kilowatt-Ladestation vorgesehen sind. Gebaut werde, sobald der Förderantrag dafür bewilligt sei.

Einen Fußweg samt Ampel forderte Klaus Hofmann für die Hornschuchstraße. Er befürchtet, dass hier in Zukunft der Lkw-Verkehr stark zunimmt, wenn die Laster nicht mehr von der Egerstraße aus zum Energiepark fahren können.

Eine Idee zum berühmten Holenbrunner Kreisverkehr mit nur einer Ein- und Ausfahrt brachte Stefan Frank ein. Er fragte Bürgermeister Beck, ob es denn schon ein Vermarktungskonzept gebe. Immerhin sei der Kreisel derart kurios, dass er auch überregional interessant sein könnte.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
16:48 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
16:48 Uhr



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