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Fichtelgebirge

Aus der Bergbräu wird ein Wasserwerk

Das Film-Team für "Plan A" dreht auch in Arzberg. Die Produzentinnen freuen sich über die herzliche Aufnahme und die gute Unterstützung.



Täuschend echt sehen die großen Rohre aus, die eigens für den Dreh in den Kellern der Arzberger Bergbräu verlegt worden sind. Und dennoch sind sie nur aus Plastik. Bürgermeister Stefan Göcking sowie die Produzentinnen Skady Lis und Minu Barati (hinten) sind von der Präzisionsarbeit der Szenenbildner begeistert. Foto: Florian Miedl
Täuschend echt sehen die großen Rohre aus, die eigens für den Dreh in den Kellern der Arzberger Bergbräu verlegt worden sind. Und dennoch sind sie nur aus Plastik. Bürgermeister Stefan Göcking sowie die Produzentinnen Skady Lis und Minu Barati (hinten) sind von der Präzisionsarbeit der Szenenbildner begeistert. Foto: Florian Miedl  

Arzberg - Je weiter es hinunter und tiefer hinein geht in den Berg, desto düsterer wird es. Ohne Stirn-, Taschen- oder Handy-Lampe geht gar nichts. Absolute Finsternis. Die Treppen und Tunnel in der labyrinthisch verzweigten Kelleranlage der Arzberger Bergbräu sind nass und schlammig. Links und rechts der Trampelpfade türmen sich Tonnen von Scheinwerfern, Stativen, Kameras, Kabeln, verschiedene Linsen und anderem Equipment, das Filmleute so brauchen. Dazwischen lagern große Säcke mit Kartoffeln für das Restaurant. "Vorsicht, bitte nicht an die Rohre lehnen", sagt Skady Lis. Denn die vermeintlich stabilen Leitungen sind nicht echt, sondern nur aus Plastik und mittels Farbe auf alt getrimmt.

Skady Lis von "Getaway Pictures" ist eine der beiden Produzentinnen des internationalen Films "Plan A", der derzeit in der Region gedreht wird (wir berichteten). Am Donnerstag machte die Film-Crew nach wochenlangen Vorbereitungen in den Katakomben der früheren Brauerei für einen Drehtag Station in Arzberg. In der Mittagspause führen Skady Lis und ihre Produzentenkollegin Minu Barati von "Jooyaa Film" - sie ist übrigens die Frau des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer - Bürgermeister Stefan Göcking hinunter zum Drehort in den tief in den Stein gehauenen und weitläufigen Katakomben. In wochenlanger Arbeit hatten Mitarbeiter der Szenenbild-Abteilung dort ein Wasserwerk der Nachkriegszeit nachgebaut. Rund 600 Meter Rohrleitungen aus Plastik haben die Szenenbildner laut Skady Lis in zehn Tagen Bauzeit verlegt, um die Atmosphäre einer alten Anlage zu imitieren.

Große und kleine Lastwagen, Autos mit Kennzeichen aus ganz Deutschland stehen am Donnerstag auf den Parkplätzen vor der Arzberger Bergbräu und im Singer-Park. Die Mannschaft eines Catering-Wagens versorgt die rund 80 Frauen und Männer des Teams mit Essen. Unter anderem gibt es Lachs mit Kartoffeln und Salat. An Biertischen und -bänken im Singer-Park können sich die Filmleute das Mittagessen schmecken lassen.

Auf dem gesamten Gelände des Kirchbergs herrscht seit dem Morgen geschäftiges Treiben. Menschen in historischen Kostümen und andere mit Headsets auf dem Kopf befolgen oder geben Anweisungen. Unter anderem an einer Laterne am Biergarten hängen Schilder mit dem Hinweis "Set" und einem dicken schwarzen Pfeil. Sie weisen ins Innere des Bergbräu-Komplexes, in dem es wie vor dem Gebäude nur so von Menschen wimmelt. Der Weg in die Keller führt durch das Restaurant, das Wirt Manfred Spörrer ebenso zur Verfügung gestellt hat wie andere Räume der früheren Brauerei.

Während oben im Luther-Saal einige Arzberger Frauen zum Klassentreffen zusammenkommen, entstehen mehrere Ebenen weiter unten die Szenen im Wasserwerk. Unter anderem sind neben einem großen Stab an Komparsen aus der Region beim Dreh in Arzberg die Schauspieler August Diehl, Nikolai Kinski - der Sohn von Klaus Kinski - und Tim Wilde sowie ihre niederländische Kollegin Sylvia Hoeks dabei. August Diehl spielt in der deutsch-israelischen Koproduktion, an der auch UMC Israel, der Bayerische Rundfunk, Arte, Sky Deutschland, Phiphen Pictures USA und Cineplus beteiligt sind, die Hauptfigur Max. Er hat die Grauen eines Konzentrationslagers überlebt, seine ganze Familie jedoch verloren. Gemeinsam mit einer Gruppe schmiedet er Rachepläne. 2020 soll der Film fertig sein.

"Wir sind in Arzberg sehr, sehr herzlich aufgenommen worden", freuen sich die Produzentinnen. Auch darüber, dass es "toll geklappt" habe, Unternehmen und Menschen zu finden, mit denen zusammen das Team arbeiten und drehen kann. "Wir sind superhappy hier", sagt Minu Barati. Beide Produzentinnen danken der Stadt Arzberg und der gesamten Region für die Unterstützung der Dreharbeiten. Ein ganz dickes Lob gibt es für die Kleindarsteller, die am Set Englisch sprechen müssen: "So tolle Komparsen hatten wir noch nie!"

Bürgermeister Stefan Göcking gefällt die Entspanntheit, mit der die Filmleute ans Werk gehen. "Die laufen hier rum, und jeder weiß, was er zu tun hat", hat er beobachtet. Und es sei auch schön zu hören, dass das Team mit den Bedingungen in Arzberg hochzufrieden sei. "Das zeigt: Wir sind ein guter Gastgeber", meint der Rathaus-Chef. "Und das ist der Lohn für unsere Vorarbeiten." Schließlich sei eine ganze Reihe von städtischen Bediensteten in die Vorbereitungen eingebunden gewesen: von den Hausmeistern bis zum Bauamt, von den Stadtwerken bis zum Bauhof und von der Verwaltung bis zum Bergbräu-Wirt. Falls sich Anwohner durch die Dreharbeiten gestört gefühlt haben sollten, dann bitte die Stadt dafür um Entschuldigung, sagt der Bürgermeister. Aber: "Grundsätzlich ist es sehr schön, wenn sich in Arzberg was rührt."

Autor

Christl Schemm
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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
18:32 Uhr

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Autor

Christl Schemm

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
18:32 Uhr



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