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Heimische Bauern zeigen in Berlin Flagge

Nächste Woche wollen die Landwirte mit dem Bus in der Hauptstadt demonstrieren. Einige fahren auch mit dem Traktor über die A 9 in die Hauptstadt.



In Bayreuth haben auch die Kleinen demonstriert. Foto: pr.
In Bayreuth haben auch die Kleinen demonstriert. Foto: pr.  

Wunsiedel - Wer am kommenden Dienstag nach Berlin fahren will, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Landwirte aus ganz Deutschland wollen in der Bundeshauptstadt auf ihre Sorgen aufmerksam machen. Unter anderem treffen sich die süddeutschen Bauern in Thüringen, um anschließend mit ihren Traktoren im Konvoi über die A 9 nach Berlin zu fahren.

Auch ein Bus fährt in die Hauptstadt

Am Dienstag in einer Woche demonstrieren die Landwirte aus ganz Deutschland in Berlin. Zu diesem Zweck wird es einen Traktor-Korso geben. Die Anreiserouten und die Übernachtung werden organisiert. Interessierte können sich bei der LSU Thüringen oder beim Admin-Team Wunsiedel (Christian Neuperth) unter der Telefonnummer 0162/1742082 oder bei Kathrin Reichel (0171/7431135) anmelden.

 

Schon am 22. Oktober hatten Landwirte in ganz Deutschland für ihre Anliegen demonstriert - unter anderem in Bayreuth. Organisiert werden die Kundgebungen nicht vom Bauernverband, sondern von der losen Initiative "Land schafft Verbindung", die von Landwirten gegründet worden ist, die zunehmend sorgenvoll in die Zukunft blicken.

 

Einer von ihnen ist Christian Neuperth aus Wölsau. Auch er wird heute in einer Woche in Berlin dabei sein. Allerdings fährt er mit rund 50 weiteren Landwirten aus dem Landkreis mit dem Bus zur Demonstration an. "Uns geht es nicht um die Erzeugerpreise. Die sind zwar auch sehr niedrig, aber nicht das große Problem", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr wünschen sich die Landwirte Planungssicherheit. Und die sei nicht mehr gegeben. "Leider ist es schon so weit, dass viele Landwirte ihren Kindern raten, erst einmal etwa ,Gescheites’ zu lernen und erst danach eine landwirtschaftliche Ausbildung zu beginnen."

In Berlin wollen die Bauern erneut auf ihre Anliegen aufmerksam machen. "Es kann nicht sein, dass Gesetze über unsere Köpfe hinweg beschlossen werden. Wir wollen mit einbezogen werden", sagt Neuperth. Mittlerweile empfänden immer mehr Landwirte, dass sie nicht wertgeschätzt werden. "Bei uns kommt es so an, als ob der Gesetzgeber und viele Bürger denken, dass wir alles falsch machen. Dabei hat jeder von uns eine staatliche Ausbildung."

Unter anderem stört viele Bauern das neue Artenschutzgesetz, auf das sich die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Umweltministerin Svenja Schulze geeinigt haben. Auch die zahlreichen Auflagen, die Landwirte erfüllen müssen, seien ein Problem. "Wenn wir ein Silo oder einen Güllebehälter bauen, müssen wir höhere Auflagen erfüllen als beim Bau einer Kläranlage. Das können wir nicht nachvollziehen." Die Landwirte aus ganz Deutschland fordern nun Verhandlungsgespräche mit der Landwirtschafts- und der Umweltministerin. Auch verlangen sie Gespräche mit den führenden Köpfen von Umwelt- oder andere Verbänden, die die landwirtschaftliche Arbeit beeinflussen.

Die Existenz vieler Betriebe könnte auch das Mercosur-Abkommen bedrohen, das die Europäische Union mit den südamerikanischen Staaten geschlossen hat, sodass eine Art gemeinsamer Binnenmarkt entsteht. Was auf den ersten Blick positiv klingt, bedeutet nach den Worten Christian Neuperths, dass die Europäer noch mehr Lebensmittel aus Südamerika beziehen. "Und mit den Produktionsbediungungen kann die heimische Landwirtschaft natürlich nicht mithalten."

Auch die Bürokratie belastet die Landwirte immer mehr. Wie Christian Neuperth sagt, müssen er und seine Berufskollegen sich nach der Arbeit meist am Abend noch zwei bis drei Stunden hinsetzen, um alles zu dokumentieren. "Dass das den Nachwuchs abschreckt, ist verständlich."

All diese Probleme führen dazu, dass viele Landwirte kaum noch über einen längeren Zeitraum hinaus planen können. "Hier geht es um Investitionen. Wenn ich heute einen neuen Stall bauen oder eine Anlage kaufen muss, weiß ich nicht, ob sich die Auflagen und Bedingungen in fünf Jahren nicht wieder komplett ändern werden - also noch lange, bevor sich die Investition amortisiert hat", sagt Neuperth.

Die Aktion in Berlin ist ebenso wenig mit dem Bauernverband abgestimmt wie die kürzlich in Bayreuth. Mittlerweile schließen sich immer mehr Landwirte über Soziale Medien zusammen und nehmen ihre Anliegen selbst in die Hand. Unter anderem haben sie daher den Zusammenschluss "Land schafft Verbindung" gegründet. Dies sei eine Antwort auf kommende, ideologisch anmutende Gesetzespakete, wegen denen viele Landwirte sorgenvoll in die Zukunft blickten.

Manch ein Bauer aus dem Landkreis Wunsiedel wird die Gelegenheit nutzen, am Dienstag nächster Woche selbst mit dem Traktor nach Berlin zu fahren. Für die mehr als 300 Kilometer planen sie locker sechs Stunden Fahrt ein. Die bundesweit angesetzte Sternfahrt von Bauern aus ganz Deutschland endet um die Mittagszeit am Brandenburger Tor mit einer voraussichtlich riesigen Kundgebung.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
18:10 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
18:10 Uhr



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