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Fichtelgebirge

Mit 1,8 Promille in die Baustelle

Ein Gastronom aus dem Landkreis Wunsiedel ist offenbar selbst sein bester Gast gewesen. Er fährt mit dem Auto in einen Kieshaufen.



Ein Alkoholtest bestätigte die Vermutung der Polizisten: Der Wirt hatte zu tief ins Glas geschaut und sich anschließend hinter das Steuer seines Wagens gesetzt.	Foto: Britta Pedersen/dpa
Ein Alkoholtest bestätigte die Vermutung der Polizisten: Der Wirt hatte zu tief ins Glas geschaut und sich anschließend hinter das Steuer seines Wagens gesetzt. Foto: Britta Pedersen/dpa  

Wunsiedel - Das war wohl nicht gerade sein Glückstag im Juli dieses Jahres: Es war schon nach 22 Uhr, als ein 55 Jahre alter Wirt aus dem Landkreis Wunsiedel nach einem eher feuchten als fröhlichen Abend in seiner Kneipe sich hinters Steuer setzte. Doch er kam nicht weit. Etwa 100 Meter entfernt landete das Auto in einem großen Kieshaufen der dortigen Straßenbaustelle.

Schuld daran war wohl weniger die Dunkelheit als die Tatsache, dass der Gastwirt an diesem Abend offenbar selbst einer seiner besten Gäste war. So um die "sieben bis acht Biere" räumte er vor Gericht ein, seien es wohl an jenem Abend gewesen. Auch damit wäre er wohl nicht mehr fahrtüchtig gewesen. Aber das war nur die halbe Wahrheit: Denn eine spätere Blutprobe ergab immerhin einen Gehalt von 1,8 Promille Alkohol im Blut.

Der Angeklagte selber sieht sich völlig zu Unrecht von der Justiz beschuldigt und erinnert sich eher an eine Verkettung widriger Umstände. Denn gefahren sei eigentlich gar nicht er selbst, sondern ein enger Verwandter von ihm, den er nicht nennen wolle. Dieser habe das Auto auf den Kieshaufen gelenkt.

Doch der Reihe nach: Fakt ist, dass der Angeklagte kurz nach 22 Uhr jenes Juli-Abends sein Wirtshaus zugesperrt hat. Wenig später landete sein Auto mit einem Stern auf der Motorhaube auf einem Kieshaufen, der in einer Straßenbaustelle aufgehäuft war.

Und nun begann ein ebenso langwieriges wie erfolgloses Befreiungsmanöver. Mit durchdrehenden Reifen versuchte der Fahrer mehr als eine halbe Stunde lang, das Auto aus dem Kies zu befreien. Ohne Erfolg. Inzwischen hatte der nächtliche Lärm eine ganze Reihe von Nachbarn alarmiert, die sich in sicherer Entfernung von dem Geschehen auf dem Dorfplatz versammelten und der Sache nachgingen.

Einer der Nachbarn muss wohl auch die Polizei gerufen haben. Als die Polizeistreife am Ort des Geschehens eintraf, stand der Angeklagte neben seinem Auto. Da die Alkoholfahne nicht zu "überriechen" war, brachten die Polizeibeamten den Mann mit dem Streifenwagen ins Klinikum zur Blutentnahme.

Anfangs, so eine Polizeibeamtin als Zeugin vor Gericht, sei der Delinquent aufgebracht gewesen. Er habe sich dann aber im Auto beruhigt und versucht, mit den Beamten zusammenzuarbeiten. Es sei doch gar nichts passiert und er sei ja auch gar nicht weit gefahren, habe er erklärt. Im Übrigen sollten die Beamten doch die Sache auf sich beruhen lassen. Schließlich brauche er ja als Gastronom in einer kleinen Gemeinde seinen Führerschein, sonst könne er gleich zumachen.

Die Diener des Gesetzes aber ließen sich nicht beirren. Und die Blutprobe ergab schließlich einen stattlichen Wert von 1,8 Promille. Daraufhin nahmen die Beamten den Führerschein des Mannes in Verwahrung. Nicht ohne die Ermahnung, er solle dafür sorgen, dass das Auto am nächsten Tag von der Baustelle verschwindet.

Keinesfalls aber, so sagt die Polizeibeamtin aus, solle er sich selber an das Steuer setzen. Das habe man ihm mehrfach ausdrücklich ans Herz gelegt. Aus diesem Grund und um ihm unnötige Kosten zu ersparen, habe man ihm auch den Autoschlüssel wiedergegeben.

Am nächsten Morgen nun staunten die Bauarbeiter nicht schlecht, als sie das Auto auf dem Kieshaufen sahen. Auf die Bitte des Wirtes hin aber zurrte ein Baggerfahrer das Auto mit einem Spanngurt an seinem Bagger fest und zog es aus dem
Haufen.

Keinen Meter sei er selber gefahren, beteuert der Angeklagte vor Gericht. Er sei lediglich am Steuer gesessen. Im Übrigen habe ihn ja die Polizei selber aufgefordert, das Auto am nächsten Tag aus der Baustelle zu schaffen.

Ganz anders aber schildern die Nachbarn die Sache. Ein Fußballfan aus der Nachbarschaft erinnert sich noch genau an das Spiel Bayern gegen Tottenham, als er einen dumpfen Knall hörte. Als er nach draußen blickte, habe er den Mercedes auf dem Kieshaufen gesehen und die vergeblichen Befreiungsversuche des Fahrers mitbekommen. Das halbe Dorf habe sich, durch den Lärm aufmerksam geworden, auf dem Dorfplatz versammelt und die Angelegenheit mitbekommen.

Ein anderer Nachbar hatte gesehen, dass der Wirt nach der erfolgreichen Bergung aus dem Kieshaufen mit dem Auto weggefahren sei.

Die Staatsanwältin sah nach den Zeugenaussagen den Tatbestand der fahrlässigen Trunkenheit am Steuer und des Fahrens ohne Führerschein für erwiesen an und forderte eine Geldstrafe von 2000 Euro. Der Angeklagte beteuerte in seinem letzten Wort erneut, dass er nicht gefahren sei.

Die Richterin glaubte jedoch eher den Zeugenaussagen und verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 1700 Euro. Außerdem bleibt sein Führerschein für weitere 14 Monate bei der Verwaltungsbehörde. Der Wirt habe selber eingeräumt, dass er nach seinem Bierkonsum fahruntüchtig gewesen sei, sagte sie in der Urteilsbegründung. Und selbst, wenn er auch nur den Motor des Wagens gestartet hätte, wäre das bereits ein Verstoß gegen das Gesetz gewesen.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
03. 12. 2019
16:34 Uhr

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Herbert Scharf

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03. 12. 2019
16:34 Uhr



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