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Entscheidung fällt auf Ferienhof

Die Stadt Wunsiedel hat den Vertrag mit der künstlerischen Leiterin der Luisenburg-Festspiele bis 2027 verlängert. Dazu hat auch ein gutes Essen beigetragen.



Da haben sich zwei gefunden: Birgit Simmler unterschreibt den L-Vertrag über weitere sechs Jahre, was Bürgermeister Karl-Willi Beck sichtlich freut. Foto: Florian Miedl
Da haben sich zwei gefunden: Birgit Simmler unterschreibt den L-Vertrag über weitere sechs Jahre, was Bürgermeister Karl-Willi Beck sichtlich freut. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck hat lange mit sich gerungen. Bekanntermaßen ist er von Birgit Simmler im wahrsten Sinne des Wortes felsenfest überzeugt. Die künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele ist für ihn die Idealbesetzung. "Ich habe festgestellt, dass wir zueinanderpassen. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, dass Birgit Simmler längerfristig hier arbeitet, dann wollte ich sie nutzen." Das berichtete das Stadtoberhaupt am Dienstagmittag bei der offiziellen Unterzeichnung des Dienstvertrages. Der hat es in sich: Zusätzlich zu den weiteren zwei Jahren, die Birgit Simmler die künstlerische Leitung bereits sicher hat, bindet sie die Stadt Wunsiedel um weitere sechs bis zum 30. September 2027. Die Wahl-Wunsiedlerin kommentierte dies auf gut berlinerisch mit den Worten "Ick freu mir".

Bald Lösung für Theatergastronomie

Am Mittwoch beraten die Mitglieder des Hauptausschusses über die Bewerber für die Theatergastronomie. Nachdem die Stadt dem letzten Pächter Matthias Prechtl gekündigt hatte, stand die Gastronomie neben dem Theater zuletzt leer. Wie Beck am Rande der Vertragsunterzeichnung sagte, haben sich mehrere Gastronomen für das Objekt beworben. "Ich glaube, wir finden eine gute Lösung", sagte er, wollte sich aber nicht näher äußern. Es sei auf jeden Fall ein richtiger Gastronom. Der letzte Pächter war bekanntlich fachfremd. Letztlich muss jedoch der Stadtrat eine Entscheidung über den zukünftigen Betreiber fällen.

 

Im Beisein des Wunsiedler Ehrenbürgers Monsignore Heinrich Benno Schäffler und des Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Luisenburg, Manfred Hack, plauderte Beck aus, wie er versucht hat, Birgit Simmler für diesen Vertrag zu begeistern. "Wir haben uns in Sinatengrün getroffen." Damit meinte er, bei sich zu Hause auf dem Beck’schen Ferienhof. Offenbar hat sich das Stadtoberhaupt nicht lumpen lassen, schwärmte doch die künstlerische Leiterin noch am Dienstagmittag von dem hervorragenden Essen, das ihr vorgesetzt worden sei.

 

Die Entscheidung für ein Engagement, das übertragen in die Welt des Fußballs, wohl nur einem Hochkaräter wie Neymar zuteil wird, ist Birgit Simmler allerdings ziemlich leichtgefallen. Womöglich hätte sogar eine Leberkäs-Semmel gereicht, um ihr ein "Ja" zu entlocken. Sie wolle in Wunsiedel ihre künstlerische Handschrift weiterführen. Vor allem sind dies die Stücke, die sie zusammen mit neuen Autoren für die Luisenburg entwickelt. "Dass Autoren speziell für diese Riesenbühne einen künstlerisch hochwertigen Stoff für ein großes Publikum schreiben, ist deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal." Bis manche Stücke entstünden, vergingen manchmal zwei, drei Jahre. "Daher sind acht weitere Jahre ein guter Horizont."

Wie es am Horizont weitergeht, darüber wird der neue Stadtrat bereits am Ende der Amtsperiode entscheiden. Am 30. November 2025 wird das künftige Gremium entweder eine neue oder vielleicht wieder die "alte" künstlerische Leitung für die Festspiele benennen.

Als Beck ihr auf dem Ferienhof vom Plan mit dem XXL-Vertrag berichtete, war die normalerweise ziemlich toughe Birgit Simmler dann doch platt. "Er hat mich zunächst gefragt, an wie viele Jahre ich bei einer zu vereinbarenden Vertragsverlängerung gedacht habe. Ich habe dann mal vorsichtig gesagt, vielleicht vier. Doch dann hat mich der Bürgermeister mit sechs Jahren überrascht. Da habe ich dann schon mal nachdenken müssen."

Birgit Simmler hat in ihrer Karriere schon in einigen Städten gearbeitet. "Den Bürgermeistern ist es dabei vor allem um die Auslastung des Theaters und das wirtschaftliche Ergebnis gegangen. Das ist für Beck zwar auch wichtig, aber er tauscht sich mit mir auch über Inhalte aus und darüber, was er künstlerisch erwartet. Das gibt es sonst nicht."

Genau dieses Herzblut, das Birgit Simmler bei den Wunsiedlern und vielen Menschen in der Region spürt, ist ein Grund dafür, jetzt auch mitten in die Stadt zu gehen. "Ja, mein Mann und ich haben uns ein schönes Häuschen in der Altstadt gekauft, das wir gerade herrichten. Ich hoffe mal, dass wir bis Mitte Januar einziehen können." Bisher hat Simmler am nördlichen Stadtrand gewohnt, "von wo man fast 20 Minuten läuft, bis man in der Innenstadt ist".

Beck hat übrigens schon als kleiner Bub eine Leidenschaft für die Festspiele entwickelt. Sie seien ihm ein Herzensanliegen. "Meine Mutter hat mich schon früh hinauf auf die Luisenburg mitgenommen. Damals gab es übrigens noch gar kein Familienstück."

Die Einführung dieses Genres ist Monsignore Heinrich Benno Schäffler zu verdanken, der sich als Gründer und langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Freunde der Luisenburg dafür stark gemacht hatte.

Den neuen Sechsjahres-Vertrag hat übrigens der Stadtrat einstimmig beschlossen. Beck selbst sei es wichtig gewesen, in seiner aktiven Zeit als Bürgermeister alles dafür zu tun, die Luisenburg-Festspiele im Bestand zu sichern. "Wir haben das Festspielhaus erneuert, mit der Talstation ein regelrechtes Trainingszentrum für die Schauspieler geschaffen und werden noch in den nächsten Wochen die Erneuerung des Zeltdaches und die Reparatur der Bühne beschließen." Letzteres sei auch aus Sicherheitsgründen notwendig, um für die wahrscheinlich immer trockener werdenden Sommer gerüstet zu sein.

Nachdem Beck seinen besten Füller gezückt hatte und neben Simmlers seine eigene Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hatte, strahlten die beiden förmlich um die Wette. "Es ist ein riesiges Privileg, eine Stufe auf der langen Treppe der Geschichte der Festspiele belegen zu dürfen. Diese Stufe soll auf alle Fälle schön werden", sagte Birgit Simmler, sichtlich gerührt.

Letztlich war es Monsignore Schäffler vorbehalten, Birgit Simmler das wohl größte Kompliment auszusprechen, das es in der Festspielstadt gibt: "Frau Simmler, Sie sind eine Wunsiedlerin geworden."

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
03. 12. 2019
19:00 Uhr

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Autor

Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
03. 12. 2019
19:00 Uhr



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