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Fichtelgebirge

Eltern müssen wohl für Kirchen-Randale der Kinder zahlen

Die Schule arbeitet den Vorfall pädagogisch auf. Auch erfahrene Polizisten schütteln über die Zerstörungswut der Kinder den Kopf und der Pfarrer ist enttäuscht.



Mächtige Löcher klaffen in der 48 Millimeter dicken Glasscheibe.
Mächtige Löcher klaffen in der 48 Millimeter dicken Glasscheibe.  

Waldershof - Eines vorweg: Bei den Randalierern an der katholischen Kirche Sankt Sebastian handelt es sich um Kinder, nicht um Täter. Wie berichtet, haben die drei Sechs- bis Achtjährigen am Donnerstagmittag eine große Glasscheibe eingeschlagen, einen Schaukasten demoliert und drei Glas-Lampenschirme zerstört. Viele Waldershofer Bürger sind schockiert über die schiere Zerstörungswut der kleinen Buben. Mindestens 20.000 Euro Schaden haben sie angerichtet. Die Beamten der Tirschenreuther Polizei schätzten ihn mittlerweile sogar noch höher. "Die kaputte Glasscheibe ist direkt mit dem Mauerwerk verbunden. Deshalb ist die Reparatur enorm aufwendig. Da muss die Wand aufgestemmt werden. Außerdem ist für die Reparatur ein Gerüst notwendig, da die Scheibe direkt oberhalb der Treppe ist", sagt ein Sprecher der Polizei. Auch die drei zerstörten Lampenschirme seien nicht gerade billig. Ein einzelner mundgeblasener Schirm koste 1000 Euro.

Da die Kinder strafunmündig sind, werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Eltern für die angerichteten Schäden haften müssen. "Da es sich hier natürlich um Vorsatz handelt, zahlt auch keine Versicherung", sagt der Polizist. Dafür, dass die Scheibe nicht nur zufällig beschädigt worden ist, spricht die Kraft, die die Kinder aufgewendet haben müssen. In dem 48 Millimeter starken Sicherheitsglas klaffen gleich mehrere große Löcher. Als Wurfgeschosse dienten die handgroßen Steine am Fuße des Brunnens im Kirchen-Atrium.

Auch Stadtpfarrer Bernd Philipp ist offenbar über die Randale entsetzt. Er war zwar am Montag nicht erreichbar, doch dem Vernehmen nach hat er am Sonntagvormittag im Gottesdienst öffentlich gesagt, dass er enttäuscht sei, da sich bisher niemand für die Tat zumindest entschuldigt habe.

Wie die Leiterin der Grundschule, Petra Andritzky, sagt, handelt es sich bei den Steinewerfern lediglich um drei Kinder von vielen, die die Schule besuchen. "Sicher gibt es einige wenige Kinder mit Schwierigkeiten." Diese seien aber sicherlich nicht repräsentativ für die Schule. Die Schüler seien nach dem Unterricht alleine auf dem Weg in den Hort gewesen und hätten laut Hausmeister schon nahe dem Schulhaus mit kleineren Steinen geworfen und seien daher von ihm ermahnt worden.

Die Pädagogin geht davon aus, dass die Situation zunächst harmlos gewesen sei und sich dann immer weiter hochgeschaukelt habe. "Die haben sich offenbar regelrecht hineingesteigert. Allerdings gebe es ihr zu denken, dass der Schaden schließlich derart drastisch gewesen sei.

Die Schule arbeitet den Vorfall gründlich auf, sowohl in Gesprächen mit den drei Schülern und deren Eltern und in den Klassen. Auch die Schulsozialarbeiterin ist bereits eingeschaltet.

Die Frage, ob die Kirchen-Randale mit zurückliegenden Vorfällen zusammenhängen, wollte der Tirschenreuther Polizist weder bejahen noch verneinen. So haben vor einiger Zeit Kinder Bücher aus der Büchertelefonzelle im Stadtpark genommen, angezündet und in die Mariengrotte neben der Alten Pfarrkirche geworfen. Der Schaden war zwar unerheblich, dennoch hätten Gegenstände in Brand geraten können.

Vor einigen Monaten haben ebenfalls einige Jungen mit Grablichtern im Wald ein Feuer entzünden wollen. Das ist ihnen nicht gelungen.

Bei der Polizei in Tirschenreuth ist die Anzeige der Kirchengemeinde mittlerweile eingegangen. Während die Kinder glimpflich davonkommen, hat der Vorfall für die Eltern außer dem finanziellen vielleicht noch ein weiteres Nachspiel. Die Polizei hat die Anzeige ans Tirschenreuther Jugendamt weitergeleitet.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
09. 12. 2019
17:04 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
09. 12. 2019
17:04 Uhr



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