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Fichtelgebirge

Historische Krimis von Adrian Roßner

Der Heimatkundler aus Zell beleuchtet beim Historischen Club das Wirken Humboldts im Fichtelgebirge. Als Zugabe lüftet er das Geheimnis der Saalequelle.



Immer schön wissbegierig bleiben! Das ist Adrian Roßners Lebenselixier. Seine historischen Vorträge sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Foto: Uschi Geiger
Immer schön wissbegierig bleiben! Das ist Adrian Roßners Lebenselixier. Seine historischen Vorträge sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Foto: Uschi Geiger  

Marktredwitz - Er war eines der letzten Universalgenies, ein Forscher und ewig Neugieriger, einer der laut Adrian Roßner in unserer Region viel zu wenig gewürdigt wird: Alexander von Humboldt. Er und das "Geheimnis der Saalequelle" waren im März Thema im Historischen Club im Hotel "Meister Bär".

Der nächste Vortrag

Bernhard Leutheußer, Hermann Meier und Friedrich Haubner, die Vorsitzenden des Historischen Clubs Marktredwitz, laden für Dienstag, 7. April, um 19. 30 Uhr wieder ins Hotel "Meister Bär" ein. Erich Schraml hält einen Vortrag zum Thema "Die militärischen Verhältnisse an der deutsch-tschechischen Grenze 1918/1919."


Natürlich ist Adrian Roßner in Marktredwitz kein Unbekannter. Sein vor Elan sprühender, witziger Vortragsstil machen historische Themen zuverlässig zu kleinen Krimis. Die großen philosophischen und weltanschaulichen Bögen, die er zwischen den Epochen spannt, lassen sein Publikum immer wieder erkennen, dass es sich aus der Geschichte sehr wohl lernen lässt. So auch an diesem Abend: "Die Menschen zu befähigen, Fragen zu stellen, sie zu beantworten und eigenständig in anderen Bereichen anzuwenden - was man heute als ‚Kompetenzerwerb‘ bezeichnen würde - das war Humboldts aufklärerisches Anliegen", erläutert Roßner, der eine kurze Biographie Humboldts an den Beginn seines Vortrags stellte: Der 1769 geborene Sohn einer wohlhabenden Berliner Bürgerfamilie sei schon durch seine Hauslehrer an den Geist der Aufklärung herangeführt worden. Dies sollte ihn sein Leben lang motivieren, den Dingen auf den Grund zu gehen. Der junge Humboldt studierte Finanz- und Wirtschaftswissenschaften, die Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Mathematik, Sprachen, absolvierte eine Ausbildung an der Bergakademie und trat schließlich als Ingenieur in den preußischen Bergdienst ein. Diese berufliche Qualifikation sollte ihn später ins Fichtelgebirge führen!

Schon der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. hatte in Bayreuth und dem Fichtelgebirge mit seinen immensen Bodenschätzen "einen Fuß in die Tür kriegen wollen", wie Roßner erklärt, und seine Tochter Wilhelmine deshalb im Jahr 1731 mit dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth zwangsverheiratet. So sehr die Bayreuther Wilhelmine auch wegen ihrer Bautätigkeit verehren, so hat sie das Markgrafentum laut Roßner doch ordentlich heruntergewirtschaftet. Karl August Freiherr von Hardenberg, dem es ab 1790 als preußischer Minister oblag, aus den "mittelalterlichen Zuständen" ein funktionierendes und vor allem rentables Staatsgebilde zu machen, war daher dringend auf die Hilfe eines findigen Spezialisten angewiesen. Denn der Bergbau im Fichtelgebirge lag zu jener Zeit darnieder: Niemand hatte je die Methoden angepasst; es war einfach immer nur weiter in die Tiefe gegraben worden; eindringendes Grundwasser und Schlagwetterexplosionen waren an der Tagesordnung. Humboldt traf im Jahr 1792 hier ein; inspizierte in der Rekordzeit von dreieinhalb Wochen die Gruben von Naila über Münchberg, Goldkronach, Bischofsgrün bis Arzberg und hatte dazu eine Menge Lösungsvorschläge. Doch deren Umsetzung war ihm noch lange nicht genug: "Humboldt dachte weit in die Zukunft, er wollte, dass die Projekte, die er anstieß, auch nach ihm weiterlaufen würden." Nur ein Jahr nach Dienstantritt begann er, sogenannte Bergschulen zu gründen, wo er die Grubenarbeiter höchstpersönlich ausbildete und deren Lehrmaterial er selbst erstellte. Die Auslagen dafür zahlte er aus eigener Tasche. Auch der Forschung widmete sich Humboldt, wobei es ihm der Galvanismus besonders angetan hatte. Dabei schreckte er auch vor Selbstversuchen mit Strom nicht zurück. Nebenbei erfand er Dinge wie den "Lichterhalter" für den Bergbau und entdeckte den "Magnetberg" bei Zell. Für Alexander von Humboldt war das Fichtelgebirge eine Zwischenstation; er sollte später als der "Wiederentdecker" Südamerikas und einer der größten Forscher und Gelehrten seiner Zeit in die Geschichte eingehen - dennoch hat er auch in unserer Heimat viel bewirkt.

"Das Geheimnis der Saalequelle" schließlich erfährt man bei Adrian Roßner aus erster Hand; auf seinen Kernvortrag legt er dieses letzte Kapitel drauf "wie die Scheibe Gelbwurst beim Metzger", wie er ankündigt. Hier ist er nämlich selbst involviert: Schon zu Humboldts Zeiten war das Gerücht in Umlauf, am Ursprung der Saale gebe es Gold; ein Bürger namens Richter aus Zell (Roßners Heimatort) hatte das Grabrecht erworben und zwar kein Gold, aber Gelbkreide gefunden. Auch die ließ sich verarbeiten, und es gab an dieser Stelle fünfzehn Jahre lang eine rege Abbautätigkeit, bis das Vorkommen erschöpft war. Humboldt, der bereits auf seiner ersten Inspektionsreise dort vorbeikam, setzte am Ende durch, dass der Erlös aus der Vermarktung der Gelbkreide den Steigern und Knappen zugutekam - ganz entsprechend seiner humanistischen Grundeinstellung. Spuren dieser alten Grube "Hülffe Gottes" sind noch immer vorhanden, wenn auch versteckt, und Roßner gelang es zusammen mit einem Freund, den 60 Meter langen Stollen zu finden. Darüber gibt es einen Film - wie ein selbst gebastelter "Schwimmroboter" aus zwei Plastikflaschen, einer Laubharke, einem Endoskop und einer Unterwasserkamera in ein Gewölbe vordringt, wo seit 200 Jahren kein Mensch mehr gewesen war. "Wir haben bewiesen, dass das Wasser, das aus der Saalequelle kommt, das Grubenwasser des alten Stollens ist!" berichtet Roßner, der mit seiner Feldforschung dort noch lange nicht fertig ist und im Moment dabei ist, einen besseren Schwimmroboter zu konstruieren, weil nach der Sanierung das Wasser in der ehemaligen Grube viel höher steht. Dabei ist er sich sicher: "Es ist in Humboldts Sinne, dass wir neugierig bleiben!"

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Veröffentlicht am:
11. 03. 2020
17:56 Uhr

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11. 03. 2020
17:56 Uhr



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