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Planer weisen Kritik zurück

Auf dem Kornberg sind Bäume gefällt worden - zu viele aus Sicht der Gegner des Bike-Parks. Landratsamt Hof und Forstbetrieb Selb betonen: "Alles nach Genehmigung".



Am Dienstag wurden die auf dem Kornberg gefällten Bäume verteilt und auf den Transporter verladen. Foto: Wolfgang Neidhardt
Am Dienstag wurden die auf dem Kornberg gefällten Bäume verteilt und auf den Transporter verladen. Foto: Wolfgang Neidhardt  

Selb/Hof - Die ersten Bäume sind gefällt auf dem Großen Kornberg, dort, wo der Bike-Park entstehen wird. Und schon sehen sich die Kritiker des Großprojekts wieder auf den Plan gerufen. Udo Benker-Wienands, Sprecher der Initiative "Ruhe für den Kornberg", glaubt, dass einige Bäume hätten stehen bleiben können - und bezweifelt, ob die in der Planung veranschlagte Fläche eingehalten werden kann. Stefan Krippendorf vom Landratsamt Hof und Michael Grosch, Leiter des Forstbetriebs Selb, halten dem entgegen: alles nach Plan - und nach Genehmigung.

In der vergangenen Woche war als erste Baumaßnahme für den Bike-Park ein Harvester angerückt. Mit seiner Hilfe räumten die Mitarbeiter der Forstbetriebe das Areal rund um den Bauplatz für das künftige Kornberghaus am nördlichen Fuß der Skipiste frei. "Wir hatten nach dem Pressegespräch vor zweieinhalb Wochen noch einen Ortstermin mit der Architektin und sind in der vergangenen Woche nach Plan verfahren", erklärt Michael Grosch.

Das heißt: Das Baugesetz schreibt vor, dass mindestens 15 Meter rund um ein großes Gebäude keine Bäume stehen dürfen. Grosch weiter: "Stellen Sie sich vor, wir haben einen Sturm, und ein Baum stürzt auf das Dach." Die Baugenehmigung für das Kornberghaus, das Gaststätte und Sportzentrum beherbergen soll, liege vor. "Und wir haben nichts getan, was nicht genehmigt gewesen wäre." Die gefällten und zersägten Bäume passten übrigens leicht auf einen Transporter mit Anhänger, der sie am Dienstag ins Tal brachte.

Stefan Krippendorf erinnert daran, dass sich der Forst am Kornberg in einem Wirtschaftswald bewege und eine Baumfällung dort schlicht die Aufgabe dieser Einrichtung sei. "Wir als Planer des Bike-Parks haben mit dieser Maßnahme gar nichts zu tun." Einige wenige Bäume hätten vielleicht stehen bleiben können, deren Wachstum gehemmt war. Doch der auf dem Plan vorgesehene Bereich, an den Bäumen markiert, sei eingehalten worden.

"Hier wurde eine große Fläche gerodet, wesentlich größer als das geplante Kornberghaus", urteilt hingegen Udo Benker-Wienands. Er schätzt, dass die Fläche etwa 2000 Quadratmeter groß ist. "Gegenüber, hinter dem Unterstellgebäude, wurden auf weiteren etwa 1500 Quadratmetern vorwiegend Buchen gefällt." Ein Tagwerk sei damit schon vor den Arbeiten für den eigentlichen Bike-Park weg. "Und deshalb zweifeln wir daran, dass die Planer mit den geplanten 15 000 Quadratmetern auskommen. Wir verlieren riesige Waldflächen." Der Ausbau-Kritiker beklagt, dass "alles noch gar nicht angezeichnet" sei, und fragt sich, warum die Bauarbeiten nicht warten konnten, bis die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorliegt.

"Die bezieht sich nicht auf das Gebäude, sondern auf die Trails. Und in dem Bereich ist noch nichts geschehen", hält Michael Grosch dem entgegen. Die UVP habe sich aus Krankheitsgründen verzögert, erklärt Stefan Krippendorf. Sie werde in der kommenden Woche erwartet.

Wie mehrfach berichtet, äußern die Mitglieder von "Ruhe für den Kornberg" grundsätzliche Zweifel am Projekt. Udo Benker-Wienands vermisst ein "klassisches Finanzierungskonzept" und glaubt, dass die geplante Bausumme von 5,7 Millionen Euro nicht eingehalten werden kann. Nachdem beim jüngsten Ortstermin Förderzusagen in Höhe von 700 000 Euro gepriesen worden seien, "sind fünf Millionen weiterhin offen". Zunächst hätten die Planer mit 10 000 Besuchern im Jahr kalkuliert, dann mit 12 000. Zahle jeder im Schnitt 50 Euro, dann müsse der Bike-Park zehn Jahre lang gut laufen, bis er sich finanziert habe.

Schließlich stellt Benker-Wienands eine Grundsatzfrage: "Wir geben jetzt viele Millionen im Kampf gegen Corona aus - hat in dieser Situation ein Bike-Park noch wirklich Sinn?" Mehr als öffentliche Kritik äußern können die Gegner des Bike-Parks allerdings nicht: Klagen dürften nur anerkannte Naturschutzverbände wie etwa der Bund Naturschutz oder der Deutsche Alpenverein. Beide Organisationen haben jedoch signalisiert, dass sie das Kornberg-Projekt positiv, aber aufmerksam und kritisch begleiten. "Wir selbst sind machtlos", stellt Udo Benker-Wienands abschließend fest.

In der kommenden Woche werden die nächsten Baumaschinen auf dem Kornberg anrollen. Dann beginnt eine Selber Firma mit dem Bau von Kanal und Wasserleitung. "Wir müssen die Straße von Spielberg zur Vorsuchhütte sperren", kündigt Stefan Krippendorf an. In Absprache mit dem Forstbetrieb werden rechtzeitig Umleitungen über Forstwege ausgeschildert. Weitere Arbeiten sollen im Frühsommer folgen. Die Planer des Projektes hoffen, einen Großteil in diesem Jahr erledigen zu können, um im kommenden Jahr den Bike-Park einweihen zu können.

Lesen Sie dazu: Grüne unterstützen die Initiative "Ruhe am Kornberg"

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
16:30 Uhr

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Autor

Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
16:30 Uhr



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