Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Fichtelgebirge

Kirchenlamitz/Marktredwitz: BeneVit öffnet, die Residenz noch nicht

Die Einschränkungen in den Altenheimen haben Senioren und deren Angehörige belastet. Nun gibt es Lockerungen - aber nicht überall schon an diesem Samstag.



Bewohnerin Hannelore Seifert und Wohnbereichsleiterin Jessica Bernacek im Garten der K&S Seniorenresidenz in Marktredwitz. Anfang nächster Woche sollen auch in der Residenz wieder Besuche möglich sein.	Foto: Peter Pirner
Bewohnerin Hannelore Seifert und Wohnbereichsleiterin Jessica Bernacek im Garten der K&S Seniorenresidenz in Marktredwitz. Anfang nächster Woche sollen auch in der Residenz wieder Besuche möglich sein. Foto: Peter Pirner  

Kirchenlamitz/Marktredwitz - Seit dem 16. März war in Bayern das Besuchsrecht in Altenheimen, aber auch das Leben in den Heimen selbst deutlich eingeschränkt. Mit Wirkung ab diesem Samstag hat es die Staatsregierung gelockert. Sind Einrichtungen im Landkreis Wunsiedel darauf vorbereitet? Die BeneVit-Gruppe, die die Häuser Epprechtstein in Kirchenlamitz und Perlenbach in Schönwald betreibt, hat jedenfalls frühzeitig eine Exit-Strategie ausgearbeitet. Das Besuchskonzept sieht etwa 20 Besuche pro Tag vor, die unter den nötigen Sicherheitsmaßnahmen stattfinden können.

Jeder Besucher muss sich vor Betreten einem Screening unterziehen, bei dem unter anderem die Temperatur gemessen und geprüft wird, ob Erkältungssymptome vorliegen. Schutzmittel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern weiterhin sicherzustellen und gleichzeitig soziale Kontakte für Bewohner und Angehörige wieder zu gestatten, sei die Herausforderung, betont Geschäftsführer Kaspar Pfister.

Man werde die Lockerungsregeln so weit wie möglich umsetzen, sagt Marcel Klepsch, Leiter der K&S Seniorenresidenz in Marktredwitz. "Dabei gehen wir aber langsam und behutsam vor. Unser bisheriges Konzept hat gute Ergebnisse gebracht, das wollen wir jetzt nicht vollständig aufgeben." Er bittet seine Bewohner und ihre Angehörigen um Verständnis, dass die Lockerungen noch nicht an diesem Samstag und am morgigen Muttertag umgesetzt werden. "Ab jetzt dürfte jeder unserer 120 Bewohner jeden Tag einen Besucher empfangen. Das kann und möchte ich aber nicht verantworten." Stattdessen richtet er einen Bereich ein, wo Bewohner und Besucher sich über ein offenes Fenster begegnen können, ohne sich allzu nahe zu kommen. "Ich weiß, dass damit vermutlich nicht alle einverstanden sind. Aber ich will auf jeden Fall besondere Risiken für unsere Bewohner vermeiden." Und die wären bei einem großen Besucherandrang an Muttertag wohl gegeben. Deshalb werde die Residenz erst Anfang nächster Woche Besuche zulassen.

Klepsch berichtet, wie die K&S Seniorenresidenz die vergangenen Wochen bewältigte. Das Haus in Marktredwitz hat 120 Bewohner, aufgeteilt in drei Wohnbereiche. Insgesamt 105 Mitarbeiter sind für sie da. Die K&S Unternehmensgruppe habe frühzeitig eine Corona-Interventionsgruppe gebildet, die den einzelnen Heimen Anweisungen und Empfehlungen gab, sagt Marcel Klepsch. So hätten sie die Seniorenresidenz in Marktredwitz bereits am 13. März für Besucher geschlossen. Gleich in der Anfangszeit gab es bei einer Bewohnerin einen Verdachtsfall auf Corona, der aber bei einem Test nicht bestätigt wurde. Insgesamt wurden elf Mitarbeiter und 19 Bewohner getestet, dabei wurde keine Infektion bestätigt, die gesamte Seniorenresidenz sei damit bisher Corona-frei.

"Wir haben die drei Wohnbereiche voneinander getrennt, das heißt es waren keine gegenseitigen Besuche erlaubt. Auch die Cafeteria war geschlossen, die Bewohner nahmen ihre Mahlzeiten weitgehend in ihren Zimmern ein", sagt der Einrichtungsleiter. Bei der Pflege und außerhalb ihres Zimmers war es für die Bewohner verpflichtend, einen Mund-Nase-Schutz zu verwenden. Die allermeisten Bewohner hielten die Regeln ein. "Aber natürlich gibt es einige Bewohner, die das kognitiv nicht mehr hinbekommen, die mussten besonders betreut werden." Auch dafür hat Marcel Klepsch die Zahl der täglichen Pflegestunden erhöht. Ebenso hat er eine Physiotherapeutin eingestellt, da die externen Therapeuten nicht mehr im Altenheim arbeiten durften.

Wichtig war und ist dem Einrichtungsleiter, die Mitarbeiter ausreichend für die besonderen Regelungen zu schulen: "Unsere Mitarbeiter haben, gerade auch im Vergleich zu Häusern in einer Großstadt, ein besonders hohes Verantwortungsbewusstsein. Daher konnten wir an sie appellieren, sich auch in ihrer Freizeit besonders verantwortungsbewusst zu verhalten." Schließlich hingen die Vorfälle in den Seniorenheimen in Wolfsburg und Würzburg wie ein Damoklesschwert über ihnen, meint Marcel Klepsch.

Die Bewohner der Seniorenresidenz kamen mit den Einschränkungen bisher erstaunlich gut zurecht, sagt Marcel Klepsch. Die Geschäftsführung habe für jedes Haus Tablets angeschafft, damit Angehörige und Bewohner auch über Videotelefonie Kontakt halten können. Dazu komme die "Hallo-Oma-App", die sehr stark genutzt werde.

"Für meine Mitarbeiter und mich war die Ruhe im Haus am Anfang sehr komisch, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt. Die Bewohner waren bei dem schönen Wetter auch viel draußen auf den Balkonen oder in unserem Garten", sagt Klepsch. Das bestätigt auch Jessica Bernacek, Leiterin des Wohnbereichs 3. Sie kommt mit Bewohnerin Hannelore Seifert zum Gespräch dazu. "Ja, die Außenanlagen sind nicht nur bei unseren Rauchern, sondern bei sehr vielen Bewohnern zurzeit gefragt." Hannelore Seifert ergänzt: "Mir und anderen fehlen die Spaziergänge ganz schön. Wir sollen uns zurzeit ja nur auf unserem eigenen Gelände aufhalten. Und da nutzen wir natürlich unseren schönen Garten sehr."

Für Marcel Klepsch wäre es sehr wichtig, dass die aktuelle Wertschätzung der Pflegekräfte sich über die Corona-Krise hinaus in der Gesellschaft manifestiert. Er freut sich über die Wertschätzung der bayerischen Regierung, die jeder Pflegekraft einmalig 500 Euro Pflegebonus leistet. Dazu spendiert sie jedem Mitarbeiter täglich ein kostenloses Essen. Das stellte zunächst die hauseigene Küche zur Verfügung, jetzt können die Mitarbeiter aus dem Angebot der S-Lounge wählen. "Damit unterstützen wir die einheimische Gastronomie." - "Und fast allen Mitarbeitern schmeckt es", sagt Jessica Bernacek.

Lesen Sie dazu: Besuche im Klinikum möglich >>>

Autor

Peter Pirner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 05. 2020
15:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Coronavirus Epprechtstein Kognition Mitarbeiter und Personal Pflegepersonal Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Raucher Senioren Seniorenheime Seniorenresidenzen Wohnbereiche
Kirchenlamitz Marktredwitz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mit Abstrichen werden jetzt Bewohner und Pfleger von Heimen im Landkreis Wunsiedel auf das Corona-Virus getestet. Foto: dpa/Denis Balibouse

14.05.2020

Gesundheitsamt testet in Seniorenheimen

Seit wenigen Tagen werden sämtliche Bewohner und Pfleger auf Corona untersucht. Auch im Klinikum gibt es regelmäßige Kontrollen. » mehr

Ob Corona- oder Noro-Virus, Influenza oder multiresistente Keime: Grundlegender Schutz fange stets mit guter Hände-Hygiene an, sagt Nikola Svamberkova, Hygienebeauftragte der Diakonie Selb-Wunsiedel. Foto: Florian Miedl

09.03.2020

Der Besuch bei der Oma fällt flach

Auch Seniorenheime im Fichtelgebirge wappnen sich gegen das Virus. Die Diakonie Selb-Wunsiedel stattet ihre Einrichtungen mit Pandemie-Plänen aus. » mehr

Viele heimische Pflegeheime und das Klinikum Fichtelgebirge sind auf die häufig schon jahrelang beschäftigten tschechischen Fachkräfte angewiesen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

24.03.2020

Seniorenheim vor dem Kollaps

Viele Pfleger und Ärzte aus Tschechien kommen ab Donnerstag nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. Das führt mancherorts zu großen Problemen. » mehr

Gutscheine im Wert von 6000 Euro für den Marktredwitzer Burger King erhielt das Personal des Klinikums Fichtelgebirge. Das Foto zeigt (von links) Stefanie Fürst von der Wirtschaftsförderung der Stadt Marktredwitz, Oberbürgermeister Oliver Weigel, Martin Schmid vom Klinikum, Burger-King-Vermieter Shahab Banki, Betriebsratsvorsitzender Gerhard Geyer und Pflegedienstleiterin Christine Waterloo. Foto: Herbert Scharf

26.05.2020

Gutscheine fürs Krankenhaus-Personal

Bons im Wert von 6000 Euro bekommen die Mitarbeiter des Klinikums Fichtelgebirge. Shahab Banki bedankt sich damit im Namen der Gesellschaft für die Arbeit. » mehr

Ein Bild aus glücklichen Tagen. Meine Mutter Anneliese Vieweger und ich trinken im "Siebenstern" in Marktredwitz in geselliger Runde ein Bier. Nun ist die Einrichtung - wie andere Seniorenheime auch - für Besucher geschlossen. Foto: pr.

17.03.2020

Durch den Fensterspalt

Besuche in Seniorenheimen sind nicht mehr möglich. Gespräche mit Angehörigen laufen jetzt ganz anders ab. » mehr

Während die Behandlung von Covid-19-Patienten auf das Haus in Selb beschränkt ist, steht das Klinikum in Marktredwitz (Bild) allen anderen Patienten gefahrlos zur Verfügung. Fotos: Matthias Bäumler/Klinikum Fichtelgebirge

27.05.2020

Marktredwitz/Selb: Zwei Mitarbeiter des Klinikums corona-infiziert

Ein aus dem Klinikum Fichtelgebirge bereits entlassener, negativ getesteter und symptomfreier Patient ist bei einer erneuten Vorstellung im Krankenhaus, innerhalb der Inkubationszeit, positiv abgestrichen worden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Fahrspaß nach dem Lockdown Region Hof

Fahrspaß nach dem Corona-Lockdown | 04.06.2020 Region Hof
» 6 Bilder ansehen

DisTANZ in den Mai Fichtelgebirge

DisTANZ in den Mai | 03.05.2020 Fichtelgebirge
» 63 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor

Peter Pirner

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 05. 2020
15:54 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.