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Fichtelgebirge

Aus Überzeugung "bio"

Herbert und Gerlinde Ponader bewirtschaften ihren Betrieb seit Jahrzehnten "biologisch". Sie sind überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, trotz großen Aufwands.



Biobauer Herbert Ponader baut auf seinen Flächen rund um Steinselb unter anderem Dinkel an. Sorge macht ihm die aktuelle Witterung: Es ist viel zu trocken, die Saat bräuchte dringend Regen.	Foto: Florian Miedl
Biobauer Herbert Ponader baut auf seinen Flächen rund um Steinselb unter anderem Dinkel an. Sorge macht ihm die aktuelle Witterung: Es ist viel zu trocken, die Saat bräuchte dringend Regen. Foto: Florian Miedl   » zu den Bildern

Steinselb - Getreide, Gemüse, Grün- und Rauhfutter erzeugt das Ehepaar Ponader auf seinen 26 Hektar Fläche rund um Steinselb am Fuß des Kornbergs. Dazu Kartoffeln und Möhren, die sie im Direktvertrieb vermarkten. Der Verband Bioland hat ihnen 2018 eine Urkunde für 25 Jahre Zugehörigkeit verliehen. Das ist ihnen wichtig. Sie sind beide Rentner, die Landwirtschaft läuft als Nebenerwerb. Herbert Ponader (72) sagt, er macht weiter, so lange es eben geht.

Beide wuchsen in einer konventionellen Landwirtschaft auf und erlernten diese. In ihrer Jugend war der biologisch-dynamische Ansatz noch wenig verbreitet und in der Region nahezu unbekannt. Herberts Eltern hatten eine Landwirtschaft in Tröstau, die sein Bruder weiterführte, Gerlinde erhielt 1993 den elterlichen Hof in Steinselb überschrieben, weil keiner ihrer drei Brüder den Betrieb weiterführen konnte oder wollte. Landwirtschaftsmeister Herbert Ponader arbeitete zunächst als Betriebshelfer auf einem großen Hof im Landkreis Kulmbach, Gerlinde ist Gehilfin der ländlichen Hauswirtschaft und war als Dorfhelferin im Bauernverband tätig. Anfang der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde für einen Bauernhof der Lebenshilfe in Martinsreuth im Landkreis Hof ein Landwirt gesucht. Herbert und seine Frau bewarben sich, wurden eingestellt und bauten dort eine Landwirtschaft als Außengruppe der Werkstatt für Behinderte auf. Rund ein Dutzend Menschen von 18 bis 50 Jahren waren dort beschäftigt, der Hof gehörte der Diakonie, Betreiber war die Lebenshilfe. Auf Wunsch des damaligen Chefs der Lebenshilfe, Gerrit Giebermann, wurde unter der Ägide der beiden erfahrenen Landwirte auf biologisch-dynamische Erzeugung umgestellt.

Man schloss sich dem Demeter-Verband an. Über 100 Schweine wurden gehalten, dazu Kühe, ein Demeter-Metzger verarbeitete das Fleisch, das wiederum im eigenen Hofladen verkauft wurde. Ponaders bauten in Martinsreuth zudem eine Bio-Gärtnerei auf. "Wegen des GAUs in Tschernobyl und des radioaktiven Niederschlags musste hier die oberste Bodenschicht abgetragen werden, damit auch ja von Anfang an alles den strengen Kriterien von Demeter entsprach", erinnert sich Gerlinde Ponader.

Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist sehr aufwendig. Unkraut darf nicht chemisch bekämpft werden, Ampfer und Disteln versucht man, durch Striegeln oder Stechen Herr zu werden. Auch künstliche Düngemittel sind nicht erlaubt. Die Biobauern beugen der Verarmung der Böden durch gezielte Fruchtfolge und Ausbringen von Humus vor: Sie haben zwar keinen Dung aus eigener Tierhaltung, aber Herbert Ponader holt von umliegenden Pferdebetrieben den Mist ab, den er zunächst lagert und dann auf seinen Äckern einarbeitet. Zusätzlich sorgen die Biobauern in der Fruchtfolge auf gezielte Humusversorgung.

Auch "Biovieh" kann nicht überall geschlachtet werden, die Metzger, die das Fleisch verarbeiten, dürfen kein Pökelsalz und keine Stabilisatoren verwenden. "Zudem war damals der Absatz schwierig, denn es gab noch kein so dichtes Netz für Bioprodukte wie heute, und das Bewusstsein der Konsumenten für die besondere Qualität steckte noch in den Kinderschuhen", erinnert sich Herbert Ponader. Als besonders aufwendig beschreiben die beiden Steinselber die Erstellung der "Präparate", die Demeter für das Wachstum und die Gesundheit der Erzeugnisse vorschreibt. So wechselte der Betrieb nach einigen Jahren zu Bioland.

Der endgültige Ausschlag dafür, auch im eigenen Betrieb biologisch zu wirtschaften, kam aus der Region: "Eine hiesige Vollkornbrotfabrik suchte seinerzeit biologisch erzeugten Roggen aus dem Fichtelgebirge. Es gab eine Preisgarantie, und Roggen lässt sich gut nach biologischen Gesichtspunkten erzeugen", erklärt Landwirt Herbert Ponader. "Daraufhin haben wir den Hof in Steinselb umgestellt."

Von dem kleinen Betrieb leben kann man nicht. "Wir machen die Landwirtschaft aus Freude und ‚bio‘ aus Überzeugung", betont das Biobauernpaar. Der Verdienst wäre für sie im konventionellen Anbau annähernd gleich, in der biologischen Wirtschaftsweise sind die Erträge niedriger, dafür sind die Flächenprämien und die Erlöse für die Erzeugnisse höher. In jedem Fall bedeutet die biologische Bewirtschaftung mehr Aufwand: Warum tut sich das Bauernehepaar den Mehraufwand durch die Vorgaben des Bioverbands trotzdem an? "Weil es eine umweltschonendere und gesündere Landwirtschaft ist", sagt Herbert Ponader.

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Katrin Lyda
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Veröffentlicht am:
10. 05. 2020
17:22 Uhr

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Katrin Lyda

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10. 05. 2020
17:22 Uhr



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