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Neuer Musikgenuss im Kirchenschiff

Nach der Generalsanierung erklingt die Orgel in der Wunsiedler Stadtkirche Sankt Veit wieder. Auch ein Zimbelstern dreht sich.



Vierhändig spielten Ulriche Schelter-Baudach und Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter "Lobe den Herren". Fotos: Florian Miedl
Vierhändig spielten Ulriche Schelter-Baudach und Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter "Lobe den Herren". Fotos: Florian Miedl   » zu den Bildern

Wunsiedel - Das war schon ein ganz besonderes Pfingstfest für die Wunsiedler Kirchengemeinde von Sankt Veit: Die Orgel erklang wieder - nach Monaten des Schweigens, nicht wegen "Corona", sondern weil die große Steinmeyer-Orgel nach gründlichen Restaurierung und Sanierung mit neuem Glanz und Klang wieder erstrahlte. Wie klar und machtvoll sie nun klingt, davon konnten sich die Besucher in zwei identisch gestalteten Gottesdiensten überzeugen, als Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter die Toccata C-Dur aus BWV 564 von Johann Sebastian Bach als Vorspiel darbot, während Dekan Peter Bauer, Pfarrerin Susanne Böhringer und Pfarrer Jürgen Schödel einzogen, sich in gebührlichem Abstand im Altarraum aufstellten und zusammen den Gottesdienstablauf gestalteten.

In seiner Begrüßung erinnerte der Dekan an das Pfingstgeschehen vor 2000 Jahren und an den "Geburtstag der Kirche". "Wir wollen zusammen diesen Geburtstag feiern, wir wollen gemeinsam singen und beten und das Wort Gottes hören", sagte der Dekan und lud dazu ein, zwar unter Masken und mit äußerlichen Abstand, aber freudigen Herzens, den Choral mit anzustimmen, der auch vor 114 Jahren bei der Einweihung der damals neuen Orgel erklungen sei: "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren".

Natürlich nahm bei diesem besonderen Gottesdienst die Orgel einen breiten Raum ein, und Kirchenmusikdirektor Schelter, glücklich und stolz über die gelungene Sanierung "seiner Orgel", war sichtlich und vor allem hörbar bemüht, die Gemeinde an seiner Freude teilhaben zu lassen und den neuen Klangreichtum zu präsentieren. Er und seine Frau Ulrike Schelter-Baudach spielten vierhändig von dem jetzt im Kirchenraum stehenden alten Spieltisch eine Fuge von Leberecht Baumert über "Lobe den Herren".

Ein feines Klangerlebnis für die Gemeinde war auch das Vorspiel - nun wieder direkt von der Orgel herab - zu dem Lied "Komm, o komm, du Geist es Lebens" , bei dem die Orgel die Melodie mit verspielten Arabes-ken umrahmte.

Noch einmal auf das Pfingstgeschehen ging Dekan Bauer in seiner kurzen Predigt ein. Er betonte, dass Worte eine ganz anderes Gewicht bekommen können, wenn wir sie nicht nur hören, sondern sie in ihrer Wirkung und Bedeutung auch verstehen lernen. Dies sei vor 2000 Jahren mit den Menschen geschehen, die vom Wort Gottes bewegt wurden und die verstanden hatten, was "Erlösung" bedeutet. "Die Welt wartet auch heute auf die Worte, die die Gemeinde Jesu Christi spricht."

Die feierliche Wiedereinweihung der Orgel erfolgte mit den Worten "Der Herr segne alle, die sie hören und die auf ihr spielen."

Eine Reihe technischer Details über den Zustand der Orgel vor, bei und nach bei der Restaurierung der Orgel gab Orgelbaumeister Dominik Friedrich aus Oberasbach bekannt. Es galt, die Windladen und Relais auszubauen und zu überarbeiten. Danach kamen die 2594 Pfeifen mit 39 Registern an die Reihe. Alles wurde in der Werkstatt in Oberasbach aufwändig gereinigt und instand gesetzt. Die Orgel erhielt zudem einen neuen elektronisch steuerbaren Spieltisch, der es erlaubt, die Möglichkeiten des Instrumentes künftig besser auszunützen. Der alte Spieltisch bekam als denkmalgeschütztes Objekt einen Ehrenplatz im Kirchenschiff. Schließlich musste das Ganze wieder zusammengebaut und jede einzelne Pfeife und jedes Register intoniert werden - alles in allem eine wahre Herkulesarbeit. Dabei war auch Reinhold Schelter beteiligt, der viele Tage auf einer Kirchenbank saß, hörte und beim Stimmen und Intonieren half. Verantwortlich dafür war ein Mitarbeiter der Firma Friedrich, ebenfalls ein Kirchenmusiker und Opernsänger, der Pfeife für Pfeife einsetzte und stimmte.

"Es ist alles richtig gut geworden." Diese anerkennenden Worte für den Orgelbaumeister fand Dekan Bauer und bedankte sich bei allen Beteiligten für die "hochprofessionelle und angenehme Zusammenarbeit, auch im Hinblick auf die dabei unvermeidliche Bürokratie.

Mit dem "Rondo alla latina" von Hans-André Stamm stellte Reinhold Schelter eine weitere Facette der erneuerten Orgel vor. Zum Schluss erklang als Gemeindegesang die Pfingstvariante von "O du fröhliche" zu den Klängen der Orgel samt dem neuen Zimbelstern, der sich munter unter dem Engel auf der Orgel drehte. Mit der anspruchsvollen Toccata aus der "Suite Gothique" des Spätromantikers Leon Boellmann entließ Reinhold Schelter die frohgestimmten Kirchenbesucher in den sonnigen Pfingstsonntag.

Autor

Johanne Arzberger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 06. 2020
16:08 Uhr

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Johanne Arzberger

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01. 06. 2020
16:08 Uhr



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