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Fichtelgebirge

"Covid-19 verblüfft immer wieder"

Gesundheitsamts-Chef Gerhard Fleißner warnt, die Pandemie zu unterschätzen. Masken und Abstand seien nach wie vor entscheidend.



"Covid-19 verblüfft immer wieder"
"Covid-19 verblüfft immer wieder"  

Wunsiedel - Noch können die Beschäftigten im Wunsiedler Gesundheitsamt nicht durchschnaufen. Wann dies wieder möglich sein wird, steht in den Sternen. "Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei", sagte denn auch der Leiter der Behörde, Gerhard Fleißner, den Kreisräten in der jüngsten Sitzung. Die Situation möge derzeit vielleicht harmlos aussehen, doch von einer Durchseuchung der Bevölkerung sei Deutschland und damit auch die Region noch meilenweit entfernt.

Die aktuell Infizierten in den Städten und Gemeinden

Derzeit sind im Landkreis Wunsiedel insgesamt sechs Personen mit dem Corona-Virus infiziert. In den einzelnen Städten und Gemeinden sind infiziert (die erste Zahl gibt die Gesamtzahl wieder, die zweite die der aktuell Infizierten und die dritte die der bereits genesenen Menschen):

 

Arzberg 55 0 50

Bad Alexandersbad 12 0 11

Höchstädt 4 0 4

Hohenberg 23 0 23

Kirchenlamitz 27 0 27

Marktleuthen 10 0 10

Marktredwitz 226 6 205

Nagel 16 0 15

Röslau 30 0 29

Schirnding 31 0 28

Schönwald 19 4 15

Selb 73 2 65

Thiersheim 12 0 12

Thierstein 5 0 5

Tröstau 20 0 20

Weißenstadt 52 0 45

Wunsiedel 57 0 55

 

Landkreis 672 12 619

 

Fleißner sagte, dass das Pandemie-Geschehen derzeit auf einem machbaren Level sei. Eine Entwarnung sei dies jedoch keineswegs. "Das bisherige Maximum der Infizierten haben wir in der Woche vor Ostern registriert. Damals hatten wir an einem Tag 76 neue Fälle. Wenn dieses Niveau fünf Tage bestanden hätte, dann hätten wir ein echtes Problem bekommen."

 

Jeder neue Corona-Infektionsfall zieht einen ganzen Rattenschwanz an Detektivarbeit hinter sich her. "Wir müssen bei jedem Betroffenen im Durchschnitt um die fünf bis 15 Kontaktpersonen ermitteln. Diese müssen angerufen, informiert und natürlich getestet werden", berichtete Fleißner.

In den vergangenen Wochen seien viele Begriffe in den allgemeinen Wortschatz eingegangen: Verdoppelungszeit (er besagt, wie lange es dauert, bis sich die Zahl der Infizierten verdoppelt), R-Wert (Wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?) oder Sieben-Tage-Inzidenz (sie sagt aus, wie viele Menschen in der untersuchten Region in sieben Tagen neu erkrankt sind, bezogen auf jeweils 100 000 Einwohner). So wissenschaftlich exakt die Daten auch ermittelt werden, "Covid-19 verblüfft uns immer wieder", sagt Fleißner. So sei nicht klar, warum es in verschiedenen Gegenden so unterschiedlich hohe Sterberaten gebe. Vor allem die Dunkelziffer sei, wie der Name sagt, die große Unbekannte. "Die muss erforscht werden."

Ein weiterer verblüffender Faktor sei der sogenannte Streufaktor. "Die Wissenschaft geht davon aus, dass 20 Prozent der Infizierten für 80 Prozent der Infektionen verantwortlich sind." Genau deshalb sei es wichtig, Massenansammlungen zu vermeiden. "Es ist belegt worden, dass zum Beispiel ein Chormitglied alle übrigen Sängerinnen und Sänger angesteckt hat." Auch für das Infektionsgeschehen in den Touristenhochburgen seien die sogenannten Superspreader verantwortlich gewesen. "Natürlich können die aber nichts dafür." Dennoch: "Es kommt darauf an, dass die Superspreader erst gar keine Gelegenheit haben, das Virus zu verbreiten." Es sei allerdings extrem schwer, diesen Personenkreis zu identifizieren. "40 Prozent der Superspreader bleiben asymptomatisch."

Wie der Freistaat Bayern, haben auch der Landkreis Wunsiedel und das Gesundheitsamt darauf gesetzt, so viele Menschen wie möglich zu testen. "Unsere Aufgabe ist es, die Nadel im Heuhaufen zu finden."

Wichtig sei vor allem, dass das Virus aus Altenheimen Kindertagesstätten und Gemeinschaftsunterkünften ferngehalten werden könne. Wie Fleißner sagt, gibt es gerade bei Kindern noch keine einheitlichen wissenschaftlichen Datengrundlagen. "Da werden wir noch unsere Erfahrungen machen." Es sei davon auszugehen, dass das Immunsystem der Kinder die Viren relativ gut abwehren könne. "Aber die Frage ist, wie stark sie das Virus weitergeben."

Einige Sorgen bereitet Gerhard Fleißner, dass offenbar mittlerweile einige Bürger glauben, die Pandemie sei so gut wie überstanden. Er spricht hier vom sogenannten Präventionsparadox. Das bedeutet, dass der Erfolg der bisherigen Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie dazu geführt hat, dass die aktuell weniger strengen Einschränkungen infrage gestellt werden. Man fühlt sich sicher, weil Präventionsmaßnahmen funktionieren. Und so scheint es, als hätte man die Krankheit gut im Griff. In der Folge sinkt bei einem Teil der Bevölkerung die Motivation, sich an die Regeln zu halten.

Fleißner lobt die Menschen im Landkreis Wunsiedel: "Die meisten halten sich an die Bestimmungen. Nur einige meinen offenbar, wir hätten es schon geschafft. Aber das haben wir leider noch nicht." Es habe sich gezeigt, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Maske und das Abstandhalten sehr wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus seien. "Wenn wir dies beherzigen und vernünftig bleiben, sind wir auf einem guten Weg." Für diesen Appell erhielt der Leiter des Wunsiedler Gesundheitsamtes einen langen Applaus von den Kreisräten.

Landrat Peter Berek zeigte sich beeindruckt von dem Engagement Fleißners und seines Teams. "Die Mitarbeiter leisten hervorragende Arbeit. Aber mir ist klar, dass diese die Frauen und Männer an ihre Grenzen und darüber hinaus gebracht hat." Matthias Bäumler

—————

Aus Gründen des Infektionsschutzes tagte der 50-köpfige Kreistag nicht im Sitzungssaal im Landratsamt, sondern in der geräumigen Fichtelgebirgshalle.

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
17:24 Uhr

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31. 07. 2020
17:24 Uhr



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