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Hof

3000 Euro für "leichte Schubser"

Ein Mann attackiert einen Telekom-Werber aus Hof. Es steht Aussage gegen Aussage. Das Gericht stellt das Verfahren ein.



3000 Euro für "leichte Schubser"
3000 Euro für "leichte Schubser"  

Hof/Kulmbach - Aus einem Gespräch ist ein folgenschwerer Streit geworden: Ein Kulmbacher attackierte voriges Jahr im Mai in seiner Wohnung einen Telekom-Werber aus Hof, weil er mit dessen Werbung zur Umstellung auf Glasfaser nicht einverstanden war. Ihm wurde vorgeworfen, dem Hofer Schläge verpasst und an den Kehlkopf gegriffen zu haben, sodass dem Opfer die Luft wegblieb. Der Angeklagte schilderte vor dem Kulmbacher Amtsgericht den Vorfall anders - aus den Schlägen wurden "leichte Schubser". Einen Griff an den Kehlkopf habe es nicht gegeben. Das Verfahren gegen den 45-jährigen Kulmbacher wurde vorläufig eingestellt. Dennoch muss er als Auflage 3000 Euro an die "Aktion Deutschland hilft" in monatlichen Raten von 500 Euro zahlen.

Der Telekom-Werber aus Hof und seine Begleiterin schilderten den Fall im Zeugenstand aus ihrer Sicht. Von einer Fachärztin hatte sich das Opfer die Verletzungen am Kehlkopf und am Hals attestieren lassen. Der Mann war für kurze Zeit krankgeschrieben; da er auf Provisionsbasis arbeitet, hatte er auch einen Verdienstausfall.

Die erste Verhandlung in Kulmbach war unterbrochen worden, als die Ehefrau des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen wurde und man feststellte, dass sie nicht gut genug Deutsch spricht. In der zweiten Verhandlung war nun eine Dolmetscherin dabei. Zudem wurden die beiden Polizeibeamten vorgeladen, die damals den Vorfall an Ort und Stelle aufnahmen. Auch die Fachärztin war vorgeladen worden; sie verwies aber vorab auf ihr volles Wartezimmer und gab eine schriftliche Stellungnahme ab, die dem Gericht allerdings nicht viel weiter half. Denn das ursprüngliche Attest beruhte offensichtlich hauptsächlich auf den Angaben des Geschädigten. Auch der Polizeibeamte, der den Sachverhalt an der Wohnungstür des Angeklagten aufnahm, hatte nicht erkennen können, dass der Geschädigte kurz vorher am Hals gewürgt worden war.

In einem ersten Versuch wollte Richterin Sieglinde Tettmann der Ehefrau doch noch eine Anhörung ersparen - sie schlug zusammen mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens vor. Verteidiger Alexander Schmidtgall signalisierte zunächst "grünes Licht", doch nach einer kurzen Unterredung mit seinem Mandanten war klar, dass der Angeklagte damit nicht einverstanden war.

Zusammen mit einer Dolmetscherin wurde dann die Ehefrau des Angeklagten befragt. Schon nach wenigen Aussagen wurde deutlich, dass sie sich in widersprüchliche Aussagen verstrickte und damit selber in Bedrängnis brachte. Richterin Sieglinde Tettmann musste den Ehemann auf der Anklagebank zudem mehrmals zur Ordnung rufen, weil er immer wieder dazwischen redete und der Dolmetscherin vorwarf, sie würde die Fragen falsch übersetzen. Der Angeklagte korrigierte sich dann aber wieder: "Sie hat nicht falsch übersetzt, sondern meine Frau hat nur falsch verstanden." Und er fügte hinzu: "Ich gehe bis nach Brüssel, um recht zu bekommen."

So weit muss er nun doch nicht gehen, denn die Ehefrau machte auf Vorschlag von Richterin Sieglinde Tettmann von ihrem Zeugenverweigerungsrecht Gebrauch und erklärte alle bisherigen Aussagen, die sie im Zeugenstand getroffen hatte, als gegenstandslos. Das Verfahren wurde daraufhin gegen die Geldauflage eingestellt.

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
22:03 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
22:03 Uhr



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