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Hof

5000 Arbeitslose "verschwinden"

In der offiziellen Statistik für den Bezirk Bayreuth/Hof taucht ein Drittel der Menschen ohne Job nicht auf. Die Gewerkschaft spricht von Manipulation.



Hof - Arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos. Das zeigt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Darin tauchen im Agenturbezirk Bayreuth-Hof im Januar 2018 gut 5000 Menschen ohne Job nicht auf. Laut der amtlichen Statistik waren in der Region Bayreuth-Hof, zu der auch Kulmbach, Wunsiedel und Marktredwitz gehören, im vergangenen Monat 11 337 Menschen arbeitslos gemeldet. Diese Zahlen werden regelmäßig bundesweit von den Medien verbreitet. Unberücksichtigt bleibt allerdings die Zahl der "Unterbeschäftigten" - immerhin gut 5000 Menschen im Agenturbezirk. Sie werden im monatlichen 36-seitigen Arbeitsmarktreport der Arbeitsagentur zwar auf zwei Seiten detailliert aufgelistet, gehen in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings unter. Im Endeffekt sind im gesamten Agenturbezirk Bayreuth-Hof insgesamt 16 409 Menschen ohne Job.

Zu den "Unterbeschäftigten" gehören Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen. Sie werden nicht als arbeitslos gezählt. Viele Arbeitslose, die älter als 58 Jahre sind und seit einem Jahr kein Jobangebot mehr bekommen haben, erscheinen nicht mehr in der offiziellen Statistik. Auch wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos.

Die größten Gruppen der "Unterbeschäftigten" in der Region Bayreuth-Hof sind 2400 Menschen in verschiedenen Weiterbildungen, 905 Menschen in "Aktivierung und beruflicher Eingliederung" sowie 850 Menschen, die älter als 58 Jahre sind und seit einem Jahr kein Jobangebot mehr bekommen haben. Bei der Statistik hängt alles von der Berechnungsmethode ab - und die wurde im Fall der Arbeitslosenzahlen seit 1986 schon 17 Mal geändert, berichtete das ZDF Ende Januar 2018.

In der Unterbeschäftigung würden neben den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem "arbeitsmarktbedingten Sonderstatus" seien, erklärte Evelyn Kannhäuser, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof. Diese Personen würden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil ihnen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehle. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung würden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und "realwirtschaftlich bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt", betonte Kannhäuser.

Die Gewerkschaften sehen das kritisch. "Das ist eine Manipulation der Statistik", sagte Peter Igl, Geschäftsführer von Verdi Oberfranken-Ost mit Sitz in Bayreuth. Für ihn ist derjenige arbeitslos, der eine Beschäftigung sucht, aber keine findet. Sicher gebe es für die Erfassung der Arbeitslosen eine gesetzliche Grundlage, doch werde auf diese Weise die Statistik manipuliert. Es sei politisch gewollt, dass nicht alle Arbeitslosen in der amtlichen Statistik auftauchen. "Die Statistik ist gesetzeskonform, aber nicht jedes Gesetz ist richtig", sagte Igl. Darauf erwiderte Kannhäuser: Die Grundlage der Statistik sei die Definition der Arbeitslosigkeit, die im Sozialgesetzbuch geregelt ist. "Eine Diskussion über die Grundsätze der Arbeitslosenstatistik ist daher nicht unser Thema", sagte sie.

Auch bundesweit wird die Statistik entsprechend dargestellt. So waren im Januar 2,57 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet, tatsächlich waren aber - die Unterbeschäftigten eingerechnet - rund 3,5 Millionen Menschen ohne Job. Mehr als 900 000 Menschen fallen so aus der offiziellen Statistik heraus. Arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos.

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Peter Engelbrecht
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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
18:15 Uhr

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Peter Engelbrecht

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
18:15 Uhr



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