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An den Inseln scheiden sich die Geister

Die Verweil-Oasen sollen von Ende Mai an die Aufenthaltsqualität in der Hofer Ludwigstraße verbessern. Das Projekt finden nicht alle gut.



An den Inseln scheiden sich die Geister
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Hof - Hof hat die Verweil-Inseln nicht erfunden: In Berlin-Kreuzberg gibt es in der Bergmannstraße seit einem Jahr sogenannte "Parklets", die den Verkehr entschleunigen und den Raum für Fußgänger erweitern. Bestückt sind sie mit Pflanzen, Holzliegen oder Barstühlen mit Tresen. Doch nicht alle erfreuen sich an den Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum: Anwohner kritisieren, dass die Parklets vor allem nachts von lärmenden Partyleuten in Beschlag genommen werden, die Müll hinterlassen; Autofahrer beklagen weggefallene Parkplätze und die noch enger gewordene Straße. Und überhaupt, finden manche, seien die Dinger hässlich. Manche entsorgten dort sogar alte Matratzen und Möbel, wie der Tagesspiegel berichtete.

Auch in der Hofer Ludwigstraße werden gerade, wie berichtet, drei Verweil-Inseln gebaut. Auch hier wird über die Inseln diskutiert, die Ende Mai fertig werden sollen.

Die Inseln sollen nicht nur die Aufenthaltsqualität in der Ludwigstraße verbessern. Die Verantwortlichen wollen im Hinblick auf die geplanten baulichen Veränderungen in der Innenstadt herausfinden, wie die Bevölkerung solche Räume findet. Denn diese kurzfristige Aufwertung soll, wie berichtet, nur ein Zwischenschritt sein, bis im nächsten Jahr das Obere Tor umgestaltet und danach die Ludwigstraße in Angriff genommen wird.

Die drei Flächen sind jeweils ungefähr zwölf Meter lang und 2,50 Meter breit und sollen zusammen etwa 50 000 Euro kosten. Sie werden demnächst mit Möbeln und Pflanzen bestückt und zur Straße hin abgegrenzt. Dann sollen Passanten sich hier ausruhen und sich darüber Gedanken machen können, wo sie shoppen wollen. Zudem sollen die Inseln die Autofahrer dazu animieren, langsamer zu fahren. Sechs Parkplätze mussten weg, zunächst war man von 13 ausgegangen.

Zum Teil sollen die kleinen Oasen gastronomisch genutzt werden: Das Restaurant Season will auf der Verweil-Insel vor der eigenen Haustür ab 17 Uhr seine Gäste bewirten. Bis 17 Uhr steht die Insel für alle offen. Die anderen zwei Inseln - die eine oberhalb des Schultors und die andere schräg gegenüber - werden öffentliche Flächen. Ein Biergarten soll zudem vor dem italienischen Restaurant gegenüber des Rathauses noch in dieser Woche entstehen.

Die Idee zu den Inseln ist in Gesprächen zwischen der Stadtverwaltung, der Werbegemeinschaft Ludwigstraße und dem Hofer Einzelhandelsverband entstanden. Einzelhandelssprecher Lutz Pfersdorf findet es "schön", dass die Stadt die Vorschläge der Händler angenommen hat und sie umsetzt. Er lobt auch die jüngsten Anstrengungen der Stadt, "dass wir draußen mehr erleben können", indem zum Beispiel auch die Pacht für die Außenbestuhlung reduziert worden sei oder dass die Geschäftsleute außerhalb der Ludwigstraße vor ihren Läden Hinweisschilder aufstellen dürfen. "Wenn das mit den Inseln nichts wird, können wir das jederzeit wieder ändern."

Davon geht die Stadt aber nicht aus. Wirtschaftsförderer Klaus-Jochen Weidner erwartet, dass die Verweil-Inseln gut ankommen werden. Auch Wolfgang Uhl, der einen Outdoor-Laden im Sigmundsgraben betreibt, hält die Inseln für eine Bereicherung. "Aber ob sie uns mehr Kunden bringen, müssen wir abwarten".

Season-Chef Eduard Stähle ist optimistisch: "Vielleicht wird diese Maßnahme ja die gesamte Ludwigstraße beleben." Voller Überzeugung wolle er mit seinem Team eine der Inseln ab 17 Uhr bespielen. "Wir freuen uns schon darauf", sagt er.

Andere Geschäftsleute sehen es deutlich kritischer: "Ich finde diese Inseln armselig", sagt Karin Hoch, die Inhaberin der "Klamotte", die aus ihren Schaufenstern auf eine entstehende Insel blickt. Die "Klamotte" gibt es in Hof schon seit 48 Jahren, Karin Hoch ist im Jahr 1985 mit ihrem Geschäft aus der Marienstraße in die Ludwigstraße gezogen und hat schon vieles in Sachen Stadtmarketing miterlebt. Sie glaubt nicht, dass dieses aktuelle Projekt von Erfolg gekrönt sein wird und den gewünschten Effekt - mehr Leben in die Stadt - bringt. "Erst müsste der komplette Straßenbelag saniert werden."

Karin Hoch sieht vor allem die Nachteile: Sie und ihre Lieferanten haben jetzt weniger Platz zum Ein- und Ausladen, weil den Inseln Parkplätze weichen mussten. Dass sich viele kaufwillige Passanten an den Inseln aufhalten werden, glaubt sie außerdem nicht. Sie befürchtet eher, dass sich darauf "Betrunkene" niederlassen, die derzeit die nahe gelegene Bushaltestelle "belagern". "Meine Nachbarn haben schon oft die Polizei rufen müssen."

Die Nachbarn, das ist Paolo Perrozza mit seinem Bistro Italiano da Antonella. Schon oft habe er Ärger mit den "Alkoholikern" gehabt, die an der Bushaltestelle schräg vor seinem Bistro Kippen und Flaschen verteilten und auch Leute anpöbelten, erzählt der 32-Jährige. "Sie werden sich auch auf den Inseln niederlassen und keiner wird die Möglichkeit haben, die Inseln zu überwachen."

Er kritisiert zudem die Standort-Verteilung der Inseln: Er hätte sich eine vor der eigenen Tür gewünscht, die er auch gerne bewirtschaftet und immer im Blick gehabt hätte. Und die fehlenden Parkplätze würden den Geschäftsleuten und den Kunden abgehen: "Wer innerhalb kürzester Zeit keinen Parkplatz in der Nähe findet, fährt einfach woanders hin."

Die beiden Geschäftsleute Hoch und Perrozza fühlen sich schlecht über das Projekt informiert, geben aber beide zu, nicht an den Info-Veranstaltungen der Werbegemeinschaft teilgenommen zu haben. "In den Veranstaltungen waren die Reaktionen positiv", sagt Lutz Pfersdorf. Auch die Parkplätze seien in den Umfragen unter den Geschäftsleuten kein Thema gewesen.

Autor
Julia Ertel

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
19:02 Uhr

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Julia Ertel

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
19:02 Uhr



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