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Die Kraftstoffpreise in der Stadt Hof liegen über denen im Umkreis. Nun versuchen die Mineralölkonzerne, die Unterschiede zu erklären.



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Hof - Zumindest kurzzeitig atmeten die Hofer Autofahrer im Januar auf: Die Preisunterschiede zwischen der Stadt und dem Umkreis glichen sich an - kurz nachdem Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner einen offenen Brief an die Mineralölkonzerne geschrieben hatte (die Frankenpost berichtete). Die Zentralen der in der Saalestadt ansässigen Mineralölkonzerne forderte er in einem Schreiben auf, die im Vergleich zu direkt angrenzenden Gemeinden überhöhten Preise zu erklären und entsprechend anzupassen.

Die Konzerne ließen sich Zeit, verwiesen in Anfragen der Frankenpost darauf, dass sie ein Antwortschreiben vorbereiten würden. Die erste Bilanz: Von sechs angeschriebenen Unternehmen antworteten drei - mit unterschiedlichen Erklärungsansätzen.

Vergleichsweise offen gaben Aral und Esso (Exxon Mobil) zu, dass die Preise in Hof höher liegen würden als im Umland. Eine Bestätigung, die sie bei den Anfragen der Frankenpost noch nicht in dieser Form gaben. So bestreitet Aral nicht, dass die Preise in Hof zuletzt oft deutlich teurer waren als im benachbarten Umland. Das Unternehmen verweist als Erklärung unter anderem auf die lokale Konkurrenzsituation. Unterschiedliche Kraftstoffpreise ließen sich auf die lokale Wettbewerbssituation zurückführen - dies sei aber nicht nur in Hof, sondern deutschlandweit ein Faktor. Die Verärgerung der Hofer könne man im Übrigen verstehen.

ExxonMobil, der Konzern, der die Esso-Tankstellen betreibt, erklärt das Preisgefälle wie folgt: "Hof war bis zirka Mitte des Jahres 2015 ein Preistrichter, das heißt, Kraftstoffe waren in Hof häufig preiswerter als im Umland." Ab etwa Ende August habe sich dies geändert. "Eine solche Entwicklung schmerzt und fällt auf. Die vorherige komfortable Situation wird dabei leicht vergessen." Preistrichter, so der Esso-Vertreter, entstünden aufgrund des harten Wettbewerbes. Mehrmals täglich seien die Tankstellenbesitzer verpflichtet, die Preise der Wettbewerber an die Zentralen zu melden. Eine gegenseitige Unterbietung der Preise führe dann in Brennpunkten des Wettbewerbes zu ebendiesen Preistrichtern.

Tankstellen-Betreiber, die anonym bleiben wollten, und Automobil-Clubs hatten hingegen in der Frankenpost eine andere Vermutung für die tieferen Preise im Vorjahr: die stets preiswerte Tankstelle in Hof-Moschendorf, die allerdings Ende des Jahres schließen musste. Ohne den preiswertesten Anbieter auf dem Hofer Kraftstoffmarkt, der die Preise der anderen drückte, hätten sich die Benzin- und Diesel-Preise anschließend auf einem hohen Niveau eingependelt. Auch Hofs Oberbürgermeister kennt dieses Argument. Er meint: "Wir nehmen an, dass der Wegfall eines billigeren Anbieters hierfür der Grund sein könnte. Dies führt nun offenbar zu höheren Preisfestsetzungen durch die Konzerne, die sich zulasten der Hofer Bürger und auch der Tankstellenbetreiber selbst auswirken, welche ja besonders von attraktiven Spritpreisen abhängig sind."

Gegen mögliche Preisabsprachen wehrt man sich unterdessen bei Exxon Mobil - mit dem Verweis auf die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes, der die Konzerne die Preisänderungen innerhalb von fünf Minuten in Echtzeit melden müssen.

Überhaupt keine Unterschiede sieht Shell: "Nach interner Prüfung können wir Ihren Vorwurf nach überzogenen Kraftstoffpreisen nicht nachvollziehen", heißt es unter anderem im Standard-Schreiben der Shell-Pressestelle. Ein höheres Preisniveau könne man für Shell, wenn überhaupt, nur in den Nachtstunden feststellen. Auch die Nähe zu Tschechien spiele keine Rolle bei der Preisfestsetzung.

Die drei Stellungnahmen stoßen im Hofer Rathaus auf keine positive Reaktion: Dr. Harald Fichtner sagt: "Dass sich nur die Hälfte der Unternehmen zu Wort gemeldet hat, überrascht mich nicht." Ärgerlich seien insbesondere die hohen Schwankungen des Benzinpreises über den Tag, die zeitweise bis zu zwölfmal stattfinden. Einzelne Tankstellenbesitzer brachten dazu einen möglichen Ansatz für eine Verbesserung der Situation ins Spiel: So wäre es nach ihren Angaben möglich, die mehrfachen Preiswechsel innerhalb eines Tages zu unterbinden und einen sogenannten "Tagespreis" einzuführen - ähnlich wie dies beim Heizöl gehandhabt wird. So wären extreme Preisschwankungen vermeidbar, der Markt könnte etwas beruhigt und das Vertrauen der Verbraucher in Tankstellen und Konzerne wieder aufgebaut werden. Viele Pächter verzeichnen durch die zunehmenden Schwankungen beim Benzinpreis über den Tag auch einen Rückgang im Nebengeschäft.

Dass sich nur die Hälfte der Unternehmen zu Wort gemeldet hat, überrascht mich nicht.

Dr. Harald Fichtner,

Oberbürgermeister der Stadt Hof

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2016
00:00 Uhr

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