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Auf rechten Wegen

Die Ausstellung "Die braune Falle" im Münchberger Gymnasium erzählt von den Werdegängen junger Neonazis. Breiten Raum nehmen die Aussagen von Betroffenen ein.



Zur Vernissage herrschte großer Andrang: Mehr als 100 Gäste aus Politik, Polizei, Schulwesen und öffentlichem Leben waren gekommen, um ein erstes Mal durch die Ausstellung zu gehen. In den kommenden beiden Wochen führen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Interessierte durch die Schau. 	Foto: cp
Zur Vernissage herrschte großer Andrang: Mehr als 100 Gäste aus Politik, Polizei, Schulwesen und öffentlichem Leben waren gekommen, um ein erstes Mal durch die Ausstellung zu gehen. In den kommenden beiden Wochen führen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Interessierte durch die Schau. Foto: cp  

"Meine Kumpels haben mich blutend in der Gosse liegen lassen. Was ist das für eine Kameradschaft?" Carsten

Münchberg - Ob Carsten es geschafft hat, auszusteigen, wissen wir nicht. Aber er hat es versucht. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er mittendrin war und geachtet in der Szene, hat er gemerkt, was er da eigentlich tut. Carsten, der hier stellvertretend steht für viele andere junge Menschen in Deutschland, war Neonazi. Und wie so viele wollte er irgendwann raus aus der Szene - und hat angefangen zu erzählen. Die Aussage Carstens, die nicht kommentiert oder erklärt oder analysiert werden muss, um zu wirken, ist ein kleiner Teil einer großen Ausstellung über Rechtsextremismus in Deutschland. "Die braune Falle" heißt die Schau, die von nun an zwei Wochen lang in Münchberg zu sehen ist.

"Wenn jemand zu Tode gequält wird, gefällt mir. Das macht mich richtig an. Nein, ich empfinde kein Mitgefühl." Unbekannt

Diese Schautafel ist blutrot unterlegt. "Was ist ein Menschenleben?" steht in großen Lettern über der Stellwand, auf der grausige Bilder und ungeschönte Texte erzählen, was los ist in Deutschland. Ein Video lässt den Betrachter teilnehmen an einem rechtsextremen Angriff auf ein Asylantenheim, einige Säulen zuvor hat der Ausstellungsbesucher schon ein Computerspiel gesehen, in dem Juden getötet werden müssen. Die Ausstellung kommt trocken, nüchtern und in betont sachlicher Struktur daher - gleichwohl haben sich die Macher heftige Inhalte ausgesucht. Prägnant und direkt präsentiert, wirken sie besonders eindringlich.

"Action und Randale waren mir irgendwann zu wenig, mit 17 machte ich eine ideologische Schulung. Ich redete danach nie von Gewalt, aber jeder wusste, wie es gemeint war." Mario

Vor dem Aussteigen und vor dem Tätersein steht das gedankliche Gleichschalten. Wer sich in neonazistischen Gruppen aufhält, gerät schleichend tiefer in den Sumpf der rechten Ideologien und Ansichten. Die Propaganda der Szene hat viele Kanäle, um die Menschen zu beeinflussen - und die Ansichten der eigenen Kameraden hören sich immer besser an, je öfter man sie eingetrichtert bekommt. So lange, bis man selbst zu den Plärrern gehört. Der Bundesverfassungsschutz hat für "Die braune Falle" viele Originalquellen zusammengetragen und ausgewertet. Und auch kommentiert: "Blinde Treue gestern" steht unter einem Foto jugendlicher Flakhelfer aus dem Zweiten Weltkrieg; das Bild daneben zeigt einen Jugendlichen mit Armbinde und Hitlergruß, es ist noch nicht alt. Bildunterschrift: ". . . und nichts dazugelernt."

"Über die Medien, die wir schaffen, wollen wir dem Feind etwas entgegensetzen. MTV und Viva sind halt die Instrumente des Feindes."

Neonazistischer Kameradschaftsführer

Zum ersten Mal in Kontakt mit der rechten Szene kommen viele junge Leute durch Musik, durch Konzerte oder über die sozialen Netzwerke im Internet. Knapp 160 rechte Bands gaben im vergangenen Jahr Konzerte auf deutschen Bühnen. Und Neulinge sind oft leicht zu begeistern - mit Freibier, Partystimmung und dem Gefühl, dazuzugehören.

"Plötzlich gab es Leute, die an mir interessiert waren. Ich hatte das Gefühl, endlich Freunde gefunden zu haben." Jörg

Am Stammtisch oder bei Feiern und Zusammenkünften der Rechten werden Neue schnell willkommen geheißen - und hofiert, und umworben. Die Ausstellung zeigt, welche Sogwirkung das, was wie Freundschaft aussieht, auf junge Leute hat. Sie sehen darin einen Weg aus der Orientierungslosigkeit, aus der sie kommen. Wie das enden kann, davon berichtet Carsten auf der anderen Seite des Raumes.

Selbst erleben

Die Ausstellung ist bis zum 29. Juli in der Aula des Gymnasiums aufgebaut. Sie richtet sich an Schulklassen und Gruppen, aber auch an Einzelpersonen. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes führen durch die Schau, Anmeldung unter Telefon 09251/1219. Die Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr und Freitag 8 bis 12 Uhr. Auch zum Schulfest am 27. Juli ist die Ausstellung zugänglich. Der Eintritt ist frei.


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Von Christoph Plass
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Veröffentlicht am:
18. 07. 2011
00:00 Uhr

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Von Christoph Plass

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18. 07. 2011
00:00 Uhr



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