Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Hof

Bundeswehr stellt klar: Hüttner war Nazi

Ein Sprecher weist die Kritik an einer Enthüllung in der Oberfranken- Kaserne zurück: Die Tafel diene nicht dem Gedenken, sondern ausschließlich der Information.



Die Tafel in der Hofer Oberfranken-Kaserne ist enthüllt. Im Bild (von links) der Hofer Standortälteste, Oberst Torsten Greve, Brigadegeneral Dag Baehr und Bürgermeister Eberhard Siller. Foto: BW-Pressesstelle
Die Tafel in der Hofer Oberfranken-Kaserne ist enthüllt. Im Bild (von links) der Hofer Standortälteste, Oberst Torsten Greve, Brigadegeneral Dag Baehr und Bürgermeister Eberhard Siller. Foto: BW-Pressesstelle  

Hof - Die Enthüllung einer Tafel mit den drei einstigen Namensgebern der Oberfranken-Kaserne (die Frankenpost berichtete) ist bei den Hofern nicht nur auf Gefallen gestoßen. So hat ein Leserbriefschreiber in der Ausgabe vom vergangenen Dienstag Vorwürfe erhoben: Die "Gedenktafel" in der Kaserne huldige dem ehemaligen Nazi-General Hüttner, nach dem die Kaserne früher benannt war.

Tod im Bomber

Zu den früheren Namensgebern der Kaserne zählt der US-Bombenschütze David Richard Kingsley (1918 bis 1944). Er starb, als sein Bomber über Bulgarien abgeschossen wurde. Kurz vor dem Absturz - so ist es auf der Tafel zu lesen - gab er seinen Fallschirm einem Verwundeten. Beim Ausstieg der Besatzung blieb er allein zurück.

 

Tatsächlich stellt die Tafel die früheren Namensgeber der Kaserne vor, neben General Johann Schmidtler (1870 bis 1932) und US-Lieutenant David Richard Kingsley (1918 bis 1944) auch den Weltkriegsgeneral Hans Hüttner. Nach ihm war die Kaserne von 1985 bis 2013 benannt, bevor sie wegen Hüttners Nazi-Vergangenheit ihren heutigen Namen "Oberfranken-Kaserne" erhielt.

 

Die Pressestelle des Bundeswehrstandorts hat auf Nachfrage der Frankenpost die Kritik zurückgewiesen. Es handele sich eben nicht um eine Gedenk-, sondern nur um eine Informationstafel mit Angaben zu Lebensläufen, militärischen Werdegängen und historischen Hintergründen. Entstanden sei sie unter Zuarbeit des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr in Potsdam, erklärt Presseoffizier Daniel Melzer.

Ein genauer Blick auf die eng beschriebene Tafel zeigt, dass sie Hüttners Rolle im Zweiten Weltkrieg kritisch einordnet. Johann Elias "Hans" Hüttner wurde 1885 in Hirschberglein bei Geroldsgrün geboren und starb 1956 in Bayreuth. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er an der Ostfront und wurde hoch dekoriert. Zum Thema Umbenennung der General-Hüttner-Kaserne 2013 heißt es: Hüttner sei - militärisch betrachtet - ein "bemerkenswerter Aufstieg" vom Maurer zum Generalmajor gelungen. "Dies stand damals in der Region Oberfranken für eine vorbildliche Erfolgsgeschichte." Hervorzuheben seien seine Tapferkeit und seine militärischen Leistungen. "Er war wohl ein truppennaher Kommandeur und galt zudem als ein typischer Franke."

Dann heißt es aber: Hüttner sei auch überzeugter Nationalsozialist gewesen, "er stand dem NS-Regime kritiklos gegenüber". So habe er sich mit öffentlichen Treuebekundungen gegenüber Hitler hervorgetan. Am rasse-ideologischen Vernichtungskrieg habe er nie Kritik geäußert. Hüttner, so ist zu lesen, müsse "die Folgen der Kriegsführung, der Verfolgung der Juden und der nationalsozialistischen Besatzungspolitik an der Ostfront gesehen und in ihren Konsequenzen begriffen haben".

Bei der Enthüllung war auch der Hofer Bürgermeister Eberhard Siller dabei. Er sagte, Hüttner habe auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges "in weiten Kreisen unserer Bevölkerung als Mensch immer noch einen guten Ruf" gehabt. Auch diesen Satz kritisiert der Leserbriefschreiber. Er wirft Siller vor, dieser habe den Nazi-General als "honorigen Bürger" gelobt. Der Bürgermeister hätte an der Enthüllungszeremonie nicht teilnehmen dürfen.

Auf Nachfrage stellt Siller klar, dass sein Zitat verkürzt wiedergegeben worden sei. Er habe gesagt: Hüttner hatte einen guten Ruf, "doch nur noch wenige junge Menschen wissen überhaupt noch, wer er war". Und: Der heutige Name der Oberfranken-Kaserne sei ideal, denn er mache die enge Verbundenheit mit der Bevölkerung deutlich. Wiederholt hätten die Redner bei der Enthüllung gesagt, dass die Tafel reine Informationszwecke habe, betont Siller. Dass Hüttner nach dem Krieg in weiten Kreisen angesehen war, sei ein Fakt. Das habe er, Siller, als Kind noch selbst erlebt. Dies bedeute aber nicht, dass er ihm Wertschätzung entgegenbringe oder seine Rolle im NS-Regime verharmlosen wolle.

Autor
Hannes Keltsch

Hannes Keltsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
18:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Bundeswehr Bundeswehr Hof Eberhard Siller Frankenpost Juden Judenverfolgung Kommandanten Kriege Kriegs- und Gefechtsführung Nationalsozialismus Nationalsozialisten Weltkriege
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Oberster Vertreter des jüdischen Glaubens in Deutschland und Vizepräsident des jüdischen Weltkongresses: Dr. Josef Schuster aus Würzburg vertritt die Israelitischen Kultusgemeinden im In- und Ausland. Dass er nach Hof kommt, um den Kampf gegen Antisemitismus hier auszuzeichnen, ist die größtmögliche Ehre für alle, die sich hier einbringen. Foto: Jens Büttner, dpa

24.10.2019

Hof ist Vorbild im Antisemitismus-Kampf

Das Wirken hier gegen judenfeindliche Umtriebe ist einzigartig im ganzen Land. Deshalb kommt Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, nach Hof. » mehr

Die Tafel in der Hofer Oberfranken-Kaserne ist enthüllt. Im Bild (von links) der Hofer Standortälteste, Oberst Torsten Greve, Brigadegeneral Dag Baehr und Bürgermeister Eberhard Siller. Foto: BW-Pressesstelle

11.10.2019

Ein Stück Kasernen-Historie

Eine Infotafel erinnert in der Oberfranken-Kaserne an deren Geschichte. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Namensgeber vergangener Zeiten. » mehr

Antreten zum Quartalsende: Oberst Torsten Grefe, Mitte, bekommt am Freitagvormittag gemeldet, dass die Soldaten und zivilen Mitarbeiter der Kaserne angetreten sind. Zum Programm gehören Beförderungen, Bekanntgaben und die besten Wünsche für die anstehende Urlaubszeit - ebenso wie eine Gedenkminute für den tödlich verunglückten Kampfpiloten.	Foto: cp

05.07.2019

Nur den salzigen Geruch vermisst er

Seit 100 Tagen ist Oberst Torsten Grefe Dienststellenleiter der Oberfranken-Kaserne. In Hof fühlt sich der Flensburger herzlich aufgenommen - von den Kollegen schwärmt er. » mehr

Zwei Jungen im derzeit umkämpften Norden Syriens: Das Bild ist am Sonntag entstanden. Weit hergeholt für einen Hofer Wettbewerb zum Thema Antisemitismus? Nicht unbedingt: Zu einem breit aufgestellten Projekt der Münsterschule gehört ein Interview mit zwei ihrer Schülerinnen - Jesidinnen, die aufgrund ihres Glaubens aus Syrien fliehen mussten. Denn die Geschichte des Antisemitismus ist ebenfalls eine Geschichte von Flucht und Vertreibung.	Foto: dpa

22.10.2019

Schulen arbeiten gegen Antisemitismus

Ein Schülerwettbewerb zum Thema Judenfeindlichkeit in Hof bringt bemerkenswerte Beiträge hervor. Die Jury ist baff, wie sich die Jugendlichen der Materie nähern. » mehr

Am Hallplatz stand früher die Synagoge, hier wüteten zur Reichskristallnacht die Hofer Nazis - die auch nach dem Krieg nie juristisch belangt wurden. Auch in den vergangenen Jahren erstarken wieder antisemitische Einstellungen, monieren Betroffene und Beobachter. Dagegen müsse man angehen.	Foto: cp

07.03.2019

"Die Hofer Juden sind beunruhigt"

Als sie eine Studie über Hofer Juden in der Nazizeit in Auftrag gegeben hat, ahnte sie nichts von den aktuellen Ausmaßen. Nun spricht Dr. Gisela Strunz über Demokratie heute. » mehr

Versuch gescheitert: Die Verweilinseln in der Hofer Ludwigstraße sind bald Geschichte, die Paletten landen auf dem Bauhof. Foto: Uwe von Dorn

16.09.2019

Es hat sich ausverweilt

In zwei Wochen haben die Verweilinseln in der Hofer Ludwigstraße ausgedient. Stadträte im Hauptausschuss bedauern das und können sich Seitenhiebe nicht verkneifen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

A 9: Lkw-Anhänger geht in Flammen auf Rudolphstein/Bad Lobenstein

A 9: Lkw-Anhänger geht in Flammen auf | 11.11.2019 Rudolphstein/Bad Lobenstein
» 20 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
Hannes Keltsch

Hannes Keltsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
18:26 Uhr



^