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Hof

Der Altstadt-Papagei krächzt in Bad Elster

Der Kunstvogel mit den gelben Federn lebt seit fünf Jahren in einem Hotel. Die Junior-Chefin will das Tier demnächst aufpolieren.



Nicole Schneider ist das neue Frauchen des Hofer Altstadt-Papageis. Er lebt in ihrem Hotel in Bad Elster. Ein Video vom Papagei ist online unter www.frankenpost.de zu finden.	Foto: Ertel
Nicole Schneider ist das neue Frauchen des Hofer Altstadt-Papageis. Er lebt in ihrem Hotel in Bad Elster. Ein Video vom Papagei ist online unter www.frankenpost.de zu finden. Foto: Ertel  

Hof/Bad Elster -"Wen haben wir denn da? Willst du ein Geschenk? Ara ist lieb!" - diesen Sermon haben die Hofer und Besucher der Stadt 22 Jahre lang gehört. An sechs Tagen in der Woche, 3600 Mal am Tag. Als "Werbe-Gag" vor dem Zeitungsladen von Markulf und Rosemarie Drechsler krächzte er Kunden ins Geschäft herbei. Oder er jagte sie davon. Denn der Papagei polarisierte: Die einen mochten den schrägen Vogel, der zu einem Markenzeichen der Stadt geworden war; die anderen fanden sein Gerede nervig. Als die Drechslers im Februar 2013 in Rente gingen, wurde auch Aras Stecker gezogen. Vor fünf Jahren fand der Elektro-Vogel schließlich sein neues Zuhause im Hotel Goldner Anker in Bad Elster. Für die 36-jährige Junior-Chefin Nicole Schneider ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung.

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Der Altstadt-Papagei krächzt in Bad Elster

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Seine neue Wirkungsstätte ist der Durchgang zur Terrasse hinter dem Hotel. Hier laufen die Hotel- und Restaurantgäste vorbei, und Ara bedenkt sie zuverlässig mit seinen Sprüchen. "Es sind auch viele Hofer darunter. Sie kennen den Papagei und freuen sich, ihn zu sehen", sagt die 36-Jährige und legt eine Hand auf den gelben Käfig. Da nicht alle Gäste und Mitarbeiter imstande sind, dem Vogel voller Gelassenheit einen ganzen Tag lang beim Philosophieren zuzuhören, soll er demnächst einen Bewegungsmelder bekommen. "Er soll nur dann sprechen, wenn jemand an ihm vorbeigeht." Außerdem steht eine Frische-Kur an, denn die Farbe ist an einigen Stellen abgesplittert. Auch soll der Vogel wieder als Spender von Überraschungseiern in Betrieb gehen.

Nicole Schneider hat eine besondere Beziehung zu dem Papagei. "Als ich mit meiner Familie 1989 kurz nach der Wende das erste Mal in Hof war, war ich sofort von ihm fasziniert", erzählt sie. Damals war sie sechs Jahre alt. Zusammen mit ihrer dreijährigen Schwester habe sie dem Vogel entzückt und gebannt zugehört: "Bei uns im Osten gab es ja so etwas nicht."

Auch bei weiteren Besuchen in Hof steuerten sie den Papagei an, "das war das Highlight" - und durften sich auch für eine Mark ein Überraschungsei kaufen. "Dieses Feeling war unbeschreiblich." Der Papagei bleibt mit ihrer Kindheit verbunden. Auch als sie in einem Hofer Hotel als junge Frau ihre Ausbildung machte, machte sie immer halt bei Ara.

Vor fünf Jahren dann, im Mai 2014, lernte sie zufällig die Besitzer des Papageis, die Drechslers, kennen. "Sie waren Gäste in unserem Restaurant, und wir kamen miteinander ins Gespräch." Sie bat die Drechslers, ihr den Papagei zu verkaufen. Die beiden stimmten zu.

Denn sie waren zu dem Zeitpunkt mit dem Schicksal des Vogels nicht glücklich: "Nachdem wir in Rente gegangen waren, haben wir den Vogel dem neuen Betreiber, der in den Räumen einen Obstladen eröffnet hatte, zur Verfügung gestellt", erzählt Markulf Drechsler am Telefon. Ara sollte auch weiterhin die Geschäfts-Pforten zieren und seinen Job als Lock-Vogel verrichten. Es lief aber anders: Immer wieder hätten ihn Hofer zu Hause in Selb angerufen und erzählt, dass der Papagei oft fehle. "Mal stand er da, mal nicht. Das fand ich schade", sagt Drechsler. Er selbst hatte den Käfig jeden Morgen um 7 Uhr vor die Tür gestellt und bei Ladenschluss hereingeholt. "Dass wir Nicole Schneider kennenlernten und sie den Vogel haben wollte, war ein toller Zufall", sagt Drechsler.

In den vergangenen 28 Jahren zwischen den zwei Stationen in Hof und Bad Elster war der Papagei mehrmals unterwegs: Einmal, als ein Wartungstechniker ihn von Mark auf Euro umrüstete, und einmal buchte ihn eine Gruppe von Studenten für ihre Weihnachtsfeier. Ende der 90er-Jahre tauschten die Drechslers den Papagei gegen ein neue Attraktion aus - einen Schellen schlagenden Affen. Das war der Rat des Werbeunternehmens, bei dem sie den Papagei erworben hatten. Doch der Affe brachte nur Beschwerden ein, und nach zwei Wochen holte Drechsler den Papagei wieder zurück. Auch als Schauspieler hat Ara sich versucht: Er spielte im Februar 2013 eine kleine Rolle im Stück "Hochzeit mit Hindernissen" am Hofer Theater. Er erschien in einer Szene, in der dem Brautpaar die skurrilsten Hochzeitsgeschenke überreicht wurden.

Zuletzt war der Papagei vor rund einer Woche in Hof und hatte einen Auftritt beim Kunst- und Kulturfestival Hoftexplosion. "Mich freut es, dass die Hofer ihn noch kennen", sagt Drechsler. Er und seine Frau besuchen den Vogel ab und zu in Bad Elster. "Im Goldnen Anker gehen wir Kaffee trinken und Windbeutel essen." Aber wirklich vermissen tun sie ihn nicht, nein.

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Julia Ertel

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
18:22 Uhr

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Julia Ertel

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11. 10. 2019
18:22 Uhr



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