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Hof

Die Flüchtlings-Profis von nebenan

2900 Flüchtlinge leben in Stadt und Landkreis. Das sind zu viele für die Helfer - und zu wenige, als dass sich an der Situation viel ändern wird. Doch werden die Helfer professioneller.



Kleine Geste, große Wirkung: Das Tannenberg-Café in der Asylunterkunft Haus Tannenberg in Rehau ist eines von vielen niederschwelligen Angeboten.
Kleine Geste, große Wirkung: Das Tannenberg-Café in der Asylunterkunft Haus Tannenberg in Rehau ist eines von vielen niederschwelligen Angeboten.   » zu den Bildern

Hof/Landkreis - Marie aus Münchberg kann nicht Nein sagen. Zwar kommt sie gerade von einem Arztbesuch mit einem ihrer Schützlinge, doch geht sie natürlich ans Telefon, wenn es läutet - und sagt zu, am nächsten Tag mit dem nächsten Hilfsbedürftigen ins Landratsamt zu fahren. Marie heißt in Wirklichkeit anders, auch ihr Betätigungsfeld konzentriert sich auf eine andere Stadt: Doch ist sie eine derer, die sich in den vergangenen zwei Jahren so richtig aufgeopfert haben. Die sich so richtig aufopfern: Viele der Kinder, Frauen und Männer, die es aus ihrer Heimat in unsere Heimat verschlagen hat, brauchen Hilfe. Zwar gibt es ein ganzes Heer an Ehrenamtlichen, die ihnen unter die Arme greifen, zwar bieten staatliche Stellen und engagierte Wohlfahrtsverbände viel Unterstützung an. Doch gibt es in vielen Orten im Landkreis das Phänomen, dass Einzelne sich abrackern - obwohl man Aufgaben doch auf mehrere Schultern verteilen könnte. So arbeiten viele Beteiligte daran, das zu ändern.

Helfer gesucht

Vor allem in der Stadt Rehau, aber auch in anderen Bereichen in Stadt und Landkreis sind Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe willkommen. Drei Ansätze bietet Bärbel Uschold als "Starthelferin Asyl" den Interessierten:

eine Tandem-Betreuung, bei der Helfer sich immer nur um einen einzelnen Geflüchteten kümmern

junges Ehrenamt, bei dem sich vermehrt Jugendliche und junge Erwachsene einbringen. Das Gros der bisherigen Helfer ist eher Ü 50

Hilfe nur nach konkreten Arbeitsaufträgen: Bärbel Uschold koordiniert alle Anfragen und fragt bei den Helfern in der Kartei nach, wer was übernehmen kann und möchte. Das soll die Ehrenamtlichen vor Überlastung schützen und dient einem sanften Hineinschnuppern.

 

Kontakt für Interessierte: Wer sich einbringen möchte, kann sich direkt an Starthelferin Bärbel Uschold wenden - Telefon 09281/540390599, E-Mail baerbel.uschold@diakonie-hochfranken.de.

 

 

 

Bärbel Uschold, bei der Diakonie Hochfranken angestellt als "Starthelferin Asyl", ist für die Koordination der Freiwilligen zuständig. Ihren Aufruf, sich zu engagieren, verbindet sie jedoch mit einer ganz klaren Botschaft: Die sich in der Flüchtlingsfrage einbringen, seien wirklich nicht die naiven Gutmenschen im Land. Im Gegensatz zu vielen anderen, die nur schlau daher redeten, wüssten sie nämlich mittlerweile, worum es bei mancher Frage wirklich geht. Ihre erste These: Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sind in den vergangenen beiden Jahren wesentlich professioneller geworden. Die zweite Erkenntnis: Alteingesessene Einwohner, die nicht von Berufs wegen oder als freiwillige Helfer mit dem Thema Flüchtlinge konfrontiert werden, haben keinerlei Berührungspunkte mit den Neuankömmlingen. Oder gar Einschränkungen durch sie.


Zur ersten These zuerst: In der Stadt ebenso wie in allen Kommunen im Landkreis, in denen Flüchtlinge leben, gibt es Helferkreise. Oft sind die E-Mail-Verteiler riesig: In den Runden werden ebenso Waschmaschinen und Sofas als Spenden angeboten wie neue Gesetzesänderungen oder internationale Gauner-Maschen verbreitet. Die Anzahl der Hochfranken, die sich interessieren, ist groß. Allerdings: "Die Anfangs-Euphorie ist schon lange vorbei", sagt Bärbel Uschold. Viele Flüchtlingshelfer müssten sich im privaten Umfeld für ihren Einsatz rechtfertigen. Immer wieder fühlten sich die Unterstützer in ihrem Tun von den eigenen Behörden ausgebremst. Und nicht zuletzt gebe es auch Schützlinge, die Hilfe und Helfer kernig auszunutzen versuchen. Bei nicht wenigen der Helfer habe das zu tiefer Resignation - und zum Aufgeben - geführt; bei einigen aber habe es nur ihre eigene Herangehensweise verändert.

"Es gibt viele Fortbildungsangebote für die Helfer, und sie werden auch rege genutzt", freut sich Bärbel Uschold. So manche allzu idealistische Herangehensweise vom Anfang habe mittlerweile einer kritischen Selbstreflexion Platz gemacht: "Wichtig ist immer die Frage, wobei man den Menschen wirklich helfen muss - und was man sie auch alleine machen lassen sollte." Der Austausch von Wissen, das Bündeln von Kräften, der Schutz des Einzelnen vor Überarbeitung oder überzogenen Vorstellungen: Im großen Netz der Helfer in Stadt und Landkreis fließen viele Informationen. Und Emotionen: Nicht wenige, die sich hier einbringen, scheinen hier ihre Aufgabe gefunden zu haben. Auch, wenn ihr Arbeitsfeld heute viel mehr im Verborgenen liegt als am Anfang.


Die Flüchtlinge in der Region seien kein Problem für die Bevölkerung; lediglich die Behörden hätten mit den großen Fallzahlen zu kämpfen. Das hatte Klaus Weich, Leiter der Polizeiinspektion Hof, im Frühjahr dem Hofer Stadtrat im Rahmen seines jährlichen Sicherheitsberichts erklärt (die Frankenpost berichtete). Dazu reichte er die Kriminalstatistik, nach der zwar die Straftaten ausländischer Hofer angestiegen ist - nach der aber bei den allermeisten Fällen sowohl Täter als auch Opfer aus dem gleichen Milieu kämen. Bestätigt wird sein Eindruck immer wieder von anderen Behörden: Ob es die Jobcenter sind oder die Schulen, die Ausländerämter in den Kommunen oder die anderen Blaulicht-Organisationen, die Bildungsträger oder die Wohlfahrtsverbände - sie alle ächzen unter der Last der hohen Zuzugszahlen. Wiederholt hatten heuer Verantwortliche öffentlich um Unterstützung gebeten, unter anderem der Hofer OB Dr. Harald Fichtner (die Frankenpost berichtete). Umso mehr verwundert es hauptamtliche Helfer wie Bärbel Uschold, dass Klagen über den Flüchtlingszustrom meist nicht von den Betroffenen oder Belasteten, sondern aus ganz anderen Richtungen kommen.

 

Ein syrischer Imbiss in der Hofer Ludwigstraße, ein afghanischer Händler in der Pfarr, dazu viele neue Döner-Läden in Richtung Bahnhofsviertel: Durch die Neuankömmlinge verändert sich jetzt schon manches Stadtbild. Ist ja klar: 2900 Menschen meist arabischer Herkunft in Stadt und Land, 357 Euro bekommt jeder anerkannte Flüchtling monatlich vom Staat - und alles Geld geben die Menschen vor Ort für Lebensmittel, Zugtickets und Kleidung aus. Ein größeres Konjunkturpaket hat es seit der Einführung des Soli nicht gegeben im Land. Davon profitieren nicht nur Wohnungsmarkt und Handel in der Region, das hat auch Auswirkungen auf Kindergärten, Schulen und Arbeitgeber der Gegend. Umso mehr werben diejenigen, die schon aktiv sind in der Flüchtlingshilfe, sie zu unterstützen: Weil, wenn die Hilfe nicht noch zunimmt, erst noch wirkliche Probleme entstehen werden.

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
30. 12. 2017
00:00 Uhr

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
30. 12. 2017
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