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Hof

Die Helfer nehmen Fahrt auf

Gut ein Jahr nach seiner Gründung sitzt der Verein für psychisch Kranke und gegen Altersarmut fest im Sattel. Die Akteure helfen im Kleinen - und sorgen für manches Hochgefühl.



Die Helfer nehmen Fahrt auf
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Hof - Der älteren Dame hat er neulich mal einen Einkauf bezahlt. Mit einem Betroffenen macht er regelmäßig Spaziergänge um den Untreusee, um reden zu können. Einer Familie in Not hat er 250 Euro überwiesen - so viel Geld nimmt er sonst nie in die Hand. Ernst Günter Deeg, Vorsitzender und Hauptakteur des jungen "Vereins für psychisch Kranke und gegen Altersarmut in Deutschland", ist viel unterwegs für seine Mission. Zwei bis drei Einzelgespräche mit Betroffenen führt er jede Woche, er organisiert monatliche Kaffee- und Grill-Runden, er spricht potenzielle Mitstreiter, Mitglieder und Spender an. "Ich muss aufpassen, dass ich mir nicht zu viel aufhalse", sagt er - im Gespräch und auch sich selbst gegenüber immer wieder. Denn der Helfer ist - finanziell wie psychisch - selbst in keiner rosigen Situation. Umso mehr sehe er in seinem Tun "die Aufgabe, die mir der da oben gegeben hat". Und die er mit unverbrüchlichem Optimismus angeht. "Ihr seid ja Engel!": Den Satz hat er auch schon gehört.

Termine

Die nächsten Treffen zu Kaffee und Kuchen im Postsportheim finden statt jeweils um 14 Uhr am 14. Juni, 12. Juli (mit Grillen), 13. September, 18. Oktober, 15. November sowie am 6. Dezember (dann ab 18 Uhr mit Weihnachtsfeier). Im September ist eine Fahrt nach Dresden geplant, möglich gemacht durch Spenden unter anderem des Rotary Clubs.

Kontakt: Ernst Günter Deeg, Telefon: 0151/10610645,

E-Mail: egger64@freenet.de


Anfang 2018 gegründet, vor ziemlich genau einem Jahr als gemeinnützig anerkannt und eingetragen: Der junge Verein besteht aus einer handvoll aktiver und aus einigen zahlenden Mitgliedern. Die Zielgruppen sind klar definiert, der Kernansatz ist einfach: "Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen." Das hatten Deeg und sein stellvertretender Vorsitzender Lutz Wellhöfer vor einem Jahr im Frankenpost-Gespräch gesagt, und daran hat sich nichts geändert. Völlig unabhängig von der Frage nach den monetären Möglichkeiten.

1500 Euro: Das ist der Kontostand des Vereins heute; ähnlich viel habe er einnehmen und ausgeben können im ersten Jahr des Vereins, sagt Deeg. Die Autolackiererei Thomas Richter hat dazu einen dreistelligen Betrag beigesteuert, einen weiteren Privatmann Alexander Luding aus Schönwald. Neben den finanziellen Unterstützern kann er auf einige zählen, die ihn anderweitig entgegenkommen: auf die Metzgereien Schiller und Krafft beispielsweise, die ihm regelmäßig Wurst, Grillgut und Co. zur Verfügung stellen, oder das Hofer Postsportheim, das ihm bei den monatlichen Zusammenkünften sehr entgegenkommt. Sie haben sich zum terminlichen Rückgrat des Vereinslebens entwickelt.

Einmal im Monat sind Interessierte freitagnachmittags im Postsportheim willkommen. "Meine Frau backt Kuchen und dekoriert den Saal schön, und dann machen wir uns einen gemütlichen Nachmittag", erklärt Deeg. Die einen kämen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, die anderen nur des kostenlosen Kaffees wegen - und das sei voll in Ordnung so, betont er: Dass überhaupt jedes Mal 20 bis 25 Menschen hier beisammen sitzen, ist für ihn alles andere als selbstverständlich.

"Viele kommen aus Scham nicht, obwohl sie sich ruhig angesprochen fühlen dürften", weiß er. Das betreffe vor allem die Alten: Gerade Rentner mit niedriger Rente scheuten sich davor, auf Hilfsangebote einzugehen. Im Kreis der Menschen mit psychischen Belastungen oder Erkrankungen tausche man sich dagegen oft rege aus. "Man hilft sich gegenseitig, gibt sich Tipps für Behörden-Sachen und so weiter." Da setzt auch er selbst an: Der frühere Mitarbeiter des Hofer Sozialamts unterstützt auch bei Behördengängen oder vermittelt Hilfsangebote. Dafür vernetzt er den Verein gerade, wo es geht.

Am Runden Tisch der Selbsthilfegruppen der Region hat er bereits einen Platz, demnächst hofft Deeg von dort sogar auf eine kleine Finanzspritze. Auch an die regionalen Firmen möchte er nun herantreten - bisher war er da sehr zögerlich, er weiß schließlich, dass viele etwas von ihnen wollen. Zudem hat er sich schon jede Menge Abfuhren (und Ignoranz) eingeholt: Der Verein hatte alle 709 Bundestagsabgeordneten angeschrieben; von 20 hat er eine Antwort erhalten, kein einziger hat sich bereit erklärt, den Verein zu unterstützen - auch nicht in Form der zwölf Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr. Trotzdem oder gerade deshalb machen die Akteure weiter, legen sie sich ins Zeug, sagen sie nicht Nein, wenn jemand sie um Unterstützung bittet. Auch, wenn sie das selbst schlaucht.

Ernst Günter Deeg ist selbst Betroffener, er müsse immer aufpassen, sich nicht zu viel zuzumuten, sagt er. Und fängt dann meistens wieder an zu erzählen, welch schlimmes Schicksal er wieder einmal kennengelernt hat. Wie die Familie aus der Kölner Gegend, auf die er über Facebook aufmerksam geworden ist: Körperliche und psychische Erkrankungen, Missbrauch des Sohns durch einen Verwandten - "die haben so viel abbekommen, das kann man gar nicht glauben". So hat der Verein die Familie finanziell unterstützt, so hat Deeg sie schon zum wiederholten Mal zum Urlaub machen zu sich nach Hause eingeladen. "Einfach, dass sie mal was anderes sehen." Man sei mittlerweile regelrecht befreundet, und erlebe eine Dankbarkeit, die einen immer wieder bestärke. Im Kleinen helfen zu können, ganz direkte Ansprache bieten zu dürfen: Das erfüllt auch die Helfer.

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
19:18 Uhr

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Christoph Plass

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06. 06. 2019
19:18 Uhr



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