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Hof

Die Krankheit als Chance

Bernd und Ursula Reitberger helfen Paaren bei einer Prostatakrebs-Diagnose. Bei der Hofer Selbsthilfegruppe erzählen sie von eigenen Erfahrungen.



Eine Krebsdiagnose bringt das Leben aus dem Gleichgewicht und stellt - wie jede andere chronische Krankheit auch - die Partnerschaft auf den Prüfstand. Bernd und Ursula Reitberger aus Roth wollen anderen Betroffenen helfen. Kürzlich waren sie bei der Prostata-Selbsthilfegruppe in Hof zu Gast. Foto: Langer
Eine Krebsdiagnose bringt das Leben aus dem Gleichgewicht und stellt - wie jede andere chronische Krankheit auch - die Partnerschaft auf den Prüfstand. Bernd und Ursula Reitberger aus Roth wollen anderen Betroffenen helfen. Kürzlich waren sie bei der Prostata-Selbsthilfegruppe in Hof zu Gast. Foto: Langer  

Hof - Bernd Reitberger kämpft seit 14 Jahren gegen Prostatakrebs. Er ist Leiter der Nürnberger Selbsthilfegruppe und arbeitet ehrenamtlich für die Hotline des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS). Seine Frau Ursula war lange für die Frauengruppe des Bundesverbandes tätig, denn eine chronische Erkrankung betrifft auch den Lebenspartner - besonders, wenn die Krankheit die Sexualität beeinträchtigt. Bernd und Ursula Reitberger aus Roth waren jetzt als Referenten bei der Selbsthilfegruppe Prostata am Sana-Klinikum Hof zu Gast. Viele Betroffene hatten auch ihre Partnerinnen mitgebracht.

Gut zu wissen

Die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Hof trifft sich immer am letzten Mittwoch im Monat um 17.15 Uhr im Schulungsraum des Sana Klinikums Hof (Sommerpause im August und September). Auch Frauen, die sich über den Prostatakrebs informieren wollen, sind willkommen. Wolfgang Bittorf (Telefon: 09281/9285817), und das Sekretariat des Prostatakarzinomzentrums am Sana-Klinikum Hof (09281/98-3536) stehen für Fragen zur Verfügung. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) bietet eine telefonische Beratungshotline an. Die Berater, zu denen auch Bernd Reitberger gehört, sind zu erreichen dienstags, mittwochs und donnerstags (außer an bundeseinheitlichen Feiertagen) von 15 Uhr bis 18 Uhr unter der gebührenfreien Nummer 0800/7080123.

"Die Diagnose kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel", berichtete Ursula Reitberger. Ihr Mann habe sich nach dem ersten Schock noch gar nicht selbst mit der Krankheit und den Behandlungsmöglichkeiten beschäftigen können. Die Diagnose lautete "Krebs im fortgeschrittenen Stadium". Es gab bereits Metastasen. Rund zwei Jahre habe man ihm damals noch gegeben.

 

Heute, 14 Jahre später, helfen Bernd und Ursula Reitberger anderen Betroffenen. "Dass wir das gemeinsam durchstehen wollen, war schnell klar", erinnert sich die Lehrerin. Doch eine chronische Erkrankung stellt jede Beziehung auf die Probe. Wann und wie informiert man die Familie? Wie verhält man sich Freunden und Bekannten gegenüber? Wie kann Partnerschaft gelingen, wenn sich alles um Krankheit und Therapien dreht und man ständig an die Endlichkeit des Lebens erinnert wird? Familie Reitberger wählte den Weg der Offenheit und will auch andere dazu ermutigen. "Kommunikation ist alles, besonders in der Partnerschaft", weiß Ursula Reitberger. Wenn sie gerade nicht weiß, wie sie mit ihrem Mann, seinen Schmerzen und seiner Verzweiflung umgehen soll, dann fragt sie ihn: "Wie kann ich dir helfen? Was möchtest du, dass ich tue - oder lasse?"

Auch Ursula Reitberger selbst hat gelernt, Hilfe anzunehmen - sei es von guten Freunden oder auch einem Psychologen. Studien belegen, dass die Partner chronisch oder unheilbar kranker Menschen in manchen Phasen der Erkrankung mehr leiden als der Erkrankte selbst. Bei Prostatakrebs kommt hinzu, dass Operationen die Gefahr einer Impotenz bergen und die medikamentöse Behandlung unter Umständen die Libido völlig zum Erliegen bringt. "Das Selbstwertgefühl der Männer leidet dadurch extrem. Und die Frauen wiederum leiden unter Mangel an Berührungen und Zuwendung." Auch hier helfe es nur, offen miteinander zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Bernd Reitberger ist glücklich darüber, dass sich seine Frau gemeinsam mit ihm so intensiv mit der Krankheit und möglichen Therapien beschäftigt: "Sie ist auch bei den ärztlichen Beratungen an meiner Seite und notiert die Ergebnisse. Außerdem gibt sie mir nach den Sitzungen der Selbsthilfegruppe das nötige und kritische Feedback."

Neben seiner Arbeit als Vorsitzender der Nürnberger Selbsthilfegruppe leistet Reitberger regelmäßig an der Hotline des Bundesverbandes Prostatakrebs Dienst. Er weiß: "Es ist ein großer Unterschied, ob ein betroffener Patient am Telefon Auskunft gibt oder ein Arzt, der nicht von der Krankheit betroffen ist." Dass er im Rahmen seines Dienstes immer wieder mit seiner eigenen Leidensgeschichte konfrontiert wird, stört ihn nicht. Im Gegenteil: "Die Gespräche geben mir Kraft und Mut, mit meiner Krankheit fertig zu werden."

Gute und schlechte Tage wechseln sich ab im Kampf gegen die Krankheit. Sowohl der Betroffene als auch der Partner stehen dem Krebs hilflos gegenüber. Aggressivität und Angst brechen sich bisweilen Bahn. Ursula Reitberger hörte bei ihrer Arbeit für den Bundesverband oft den Satz "Das ist nicht mehr der Mensch, den ich einmal geliebt habe." Sie weiß aus eigener Erfahrung: "Manchmal liegen die Nerven einfach blank."

Dennoch empfinden Ursula und Bernd Reitberger die Krankheit trotz aller Sorgen und schlaflosen Nächte auch als Chance auf die Weiterentwicklung ihrer Partnerschaft. Sie erleben mehr Respekt und Achtung im Umgang miteinander und arbeiten immer wieder daran, den Humor und die Leichtigkeit zu behalten. "Leben im Hier und Jetzt" fasst Ursula Reitberger zusammen, was das Damoklesschwert Prostatakrebs sie und ihren Mann gelehrt hat. Sie empfinde Dankbarkeit für die kleinen Dinge - wie die morgendliche Kühle an einem heißen Sommertag - und hoffe, dass ihr noch viel Zeit bleibt, die sie mit ihrem Mann genießen kann.

Autor

Sandra Langer
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Veröffentlicht am:
03. 07. 2019
18:56 Uhr

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Sandra Langer

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2019
18:56 Uhr



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