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Hof

Die letzten Tage der Schnäppchenjagd

Der Ausverkauf ist in vollem Gange. Am 12. Januar öffnet der Kaufhof zum letzten Mal, zum Bedauern vieler Kunden: "In Hof wird etwas Wichtiges fehlen."



Noch acht Tage, dann ist endgültig Schluss: Der Hofer Kaufhof öffnet am 12. Januar zum letzten Mal seine gläsernen Schwingtüren. Foto: Schobert
Noch acht Tage, dann ist endgültig Schluss: Der Hofer Kaufhof öffnet am 12. Januar zum letzten Mal seine gläsernen Schwingtüren. Foto: Schobert  

Hof - Orange. Das sieht jeder, der dieser Tage den Kaufhof in Hof betritt. Schilder in der auffällig leuchtenden Farbe hängen von der Decke, an den Wänden und an Wühltischen in allen vier Stockwerken. "Wir schließen", ist auf den einen zu lesen, auf den anderen Schildern stehen die Prozente, die es auf die Restware im Hofer Traditionshaus gibt. Auf einigen wird sogar beispielhaft vorgerechnet, wie viel man spart. Noch acht Tage Zeit bleibt für die große Schnäppchenjagd, dann schließen sich die Pforten des Kaufhofs in der Saalestadt endgültig.

Auskünfte nur noch aus Köln

Wie fühlen sich die Kaufhof-Verkäufer und -Verkäuferinnen in diesen Tagen? Was tut sich hinter den Kulissen? Und was passiert eigentlich mit Ware, für die sich kein Abnehmer findet? Auf Fragen der Frankenpost zeigte sich gestern Bernd Reuter, Geschäftsführer der Hofer Filiale, zum ersten Mal sehr wortkarg: Er verwies an die Pressestelle von Galeria Kaufhof in Köln.

Dort wollte sich auch Unternehmenssprecher Steffen Kern auf kein Pressegespräch einlassen. Stattdessen fasste er in einer schriftlichen

Stellungnahme ein paar Fakten zusammen:

Einrichtungsgegenstände und Dekorationsmaterial würden katalogisiert und teilweise unternehmensintern weiterverwendet. "Einige dieser Sachen haben wir auch an gemeinnützige Organisationen oder Privatpersonen verschenkt beziehungsweise veräußert", heißt es weiter.

Der Mann mit dem Mikrofon, der zurzeit Waren und Schnäppchen anpreist, sei ein "Propagandist für Kleinlederwaren". Er informiere die Kunden über die Rabatte bei den einzelnen Sortimenten.

Abschließend schreibt Steffen Kern: "Es war und ist uns ein großes Anliegen, unseren Mitarbeitern Hilfe zur Orientierung für ihre Zukunft zu geben. Wir haben zusammen mit dem Betriebsrat einen Sozialplan aufgestellt, der für die Mitarbeiter verschiedene Optionen bereithält, und unterstützen beispielsweise durch Bewerbungstrainings."

Die gläserne Schwingtür knarzt. In den vergangenen Monaten ist sie wohl so oft auf- und zugegangen wie zuvor in vielen Jahren nicht. Zwischen 30 und 70 Prozent auf das gesamte Sortiment gibt es derzeit. Das lockt die Schnäppchenjäger an. Vom alten Glanz des Warenhauses ist wenig übrig geblieben. Leere Regale, verwüstete Wühltische, Kabel, die aus den Wänden hängen: Die Verkaufsräume sind kaum wiederzuerkennen. Wer den alten Kaufhof kennt, kann bei diesem Anblick wehmütig werden.

 

Im Erdgeschoss preist seit einigen Tagen ein Marktschreier die übrige Ware an. "Nutzen Sie die Gelegenheit, meine Damen und Herren. 50 Prozent auf alle Geldbörsen", krakeelt der adrett gekleidete Herr in sein Mikrofon, während Kunden um ihn herum in Bergen von Taschen und Unterwäsche wühlen. "Ja, meine Damen und Herren, 70 Prozent auf die komplette Damenwäsche. Greifen Sie zu!"

An den Kassen haben sich lange Schlangen gebildet. Die Verkäufer und Verkäuferinnen versuchen immer wieder, das verbleibende Sortiment trotz des Ansturms zu ordnen. Äußern dürfen sie sich gegenüber der Presse nicht; das wurde ihnen untersagt, erzählt eine von ihnen. Begeistert wirkt hier aber niemand.

Einige Kunden finden es eher befremdlich, wie die Ware in den wenigen verbleibenden Tagen angepriesen wird. "Wir sind gar nicht zum Einkaufen hier, wir wollten uns das nur mal anschauen", sagt Carmen Kramer aus Köditz. Sie ist mit ihrem Mann da. Die beiden haben den Marktschreier kurz beobachtet und begutachten jetzt die wenigen Süßigkeiten, die noch in den einst prall gefüllten Regalen liegen. "Es ist wirklich schade, dass der Kaufhof schließt. Da wird in Hof etwas Wichtiges fehlen", da sind sich die beiden einig.

Von den Haushaltswaren im Untergeschoss ist ebenfalls nicht mehr viel übrig. Die Wände sind kahl, teilweise schon für den Umbau freigelegt. Regale gibt es nur noch wenige, und die sind leer. Im Kontrast dazu stehen die feinen Leuchtschilder einer bekannten Haushaltsmarke. Fast schon absurd wirkt in dieser Kulisse auch das edle Glänzen der Kochtöpfe und Pfannen, die unter der Leuchtreklame stehen.

"Ich bin heute nicht hier, weil ich noch etwas kaufen möchte. Ich will mich nur noch einmal umgucken", sagt auch Anita Jobst. Die Hoferin hat die Glanzzeiten des Kaufhofs in der Saalestadt miterlebt. "Ich habe bei der Bäckerei in der Feinschmeckerabteilung gearbeitet", erzählt sie. Die gibt es zwar schon lange nicht mehr, trotzdem sei es seltsam, das Geschäft jetzt so kahl und leer zu sehen. "Alles wird schon abgebaut", stellt die Rentnerin fest. "Wenn man sich an den alten Glanz des Hauses erinnert, wird man traurig."

Im ersten Stock findet man ein ähnliches Bild vor. Arbeiter bauen Regale ab und stapeln Euro-Paletten, während sich Kunden auf Klamottenständer und Wühltische stürzen. 70 Prozent günstiger ist hier ein Großteil der Ware. "70 Prozent auf eine Jacke, die 69,95 Euro kostet", rechnet ein älterer Herr seiner Frau vor. "Das ist ja geschenkt." Und schon wird die Errungenschaft zur Kasse gebracht. Andere gehen strategischer vor: "Wir warten mal noch bis nächste Woche", raunt eine Frau ihrem Mann zu. "Dann sind die Hemden vielleicht noch billiger."

Die Spielzeugabteilung im zweiten Stock ist wie abgegrast. Nun durchflutet Tageslicht das oberste Stockwerk, denn die Regale und Platten vor den Wänden sind bereits entfernt. Ein Großteil der Kinder-, Spielwaren- und Sportwelt steht bereits leer. Dicke Wollmäuse fliegen über den Boden. Wo früher Kinderaugen beim Anblick eines Streichelzoos aus Knuddeltieren leuchteten, liegt heute ein einsamer grüner Plüschhase auf einem Tisch, an dem ein 70-Prozent-Schild prangt.

Verlässt man das Warenhaus durch die Glastür im Erdgeschoss in Richtung Fußgängerzone, wird man von Osterhasen, -eiern und Frühlingsdekoration verabschiedet.

Die steht hier schon seit der Vorweihnachtszeit. Denn - wie eine Lautsprecher-Durchsage die Kunden noch einmal erinnert - "Alles muss raus, verehrte Damen und Herren. Wir schließen."

 

Autor

Nadine Schobert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
18:56 Uhr

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Nadine Schobert

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03. 01. 2019
18:56 Uhr



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