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Eine Anleitung zum Regelbruch

Warum sind viele Menschen so angepasst? Weshalb ist Perfektion in manchen Fällen schädlich? Der erfolgreiche Buchautor Hermann Scherer weiß Antworten.



"Wir sind viel zu angepasst. Loten Sie bewusst Ihre Grenzen aus", rät Hermann Scherer, der in Hof einen Vortrag hielt. Foto: Matthias Will
"Wir sind viel zu angepasst. Loten Sie bewusst Ihre Grenzen aus", rät Hermann Scherer, der in Hof einen Vortrag hielt. Foto: Matthias Will  

Hof - Der Referent hat einiges auf Lager an diesem Tag. Selbst das Pareto-Prinzip aus den Wirtschaftswissenschaften, wonach 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwands erzielt werden. Die 80-zu-20-Faustformel gilt nach Ansicht von Hermann Scherer auch für das Zeitmanagement. Die meisten Menschen verbrächten 80 Prozent ihrer Zeit mit Dingen, die nicht entscheidend für den Erfolg seien. Entsprechend kärglich seien die Resultate. "Überlegen Sie deshalb bei jeder Tätigkeit, ob Sie das weiterbringt", rät Scherer den 250 Besuchern im Automobilzentrum von Motor-Nützel in Hof. Der Bestseller-Autor spricht im Rahmen des "Forum Erfolg" der Frankenpost-Leserakademie darüber, wie Mitarbeiter und Unternehmen den Sprung vom Mittelmaß an die Spitze schaffen können. Mitinitiator der Veranstaltung ist der Ortsverband Hof des Bundes der Selbständigen (BDS) Bayern.

Scherers Empfehlung hört sich banal an, doch warum wird sie häufig nicht umgesetzt? Es seien die Störfaktoren, die Menschen daran hindern, Spitzenleistungen zu erbringen, zeigt er sich überzeugt. Bloß keine "To-do-Listen" schreiben. Lieber notieren, welche Arbeiten man sich nicht leisten könne. "Wir alle haben riesiges Potenzial. Lassen Sie das Göttliche aus sich heraus", ruft der Referent ins Publikum. Scherer liebt solche flotten Sprüche. Er ist ein Entertainer, ein Kommunikations- und (Selbst-)Vermarktungs-Profi. Der erfolgreiche Buchautor schaffte es sogar, den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton für einen Vortrag nach Deutschland zu holen. Für damals 450 000 Mark, wie Scherer berichtet. Plus 200 Euro Spesen, damit sich Clinton "beim Bummel über den Nürnberger Christkindlesmarkt eine Bratwurst kaufen kann", fügt er süffisant hinzu.

Mittelmaß - das ist in der modernen Wirtschaftswelt, in der jeder noch so dröge Akteur irgendetwas von Kreativität und Innovation faselt, geradezu ein Schimpfwort. Die Neomanie - die Sucht nach Neuem, nach Fortschritt - ist auch in der Gesellschaft verbreitet. Scherer weiß diese Entwicklungen zu nutzen, indem er Wege aufzeigt, um der Durchschnittlichkeit zu entkommen. Er spricht über die Perfektionsfalle. Es bringe nichts, auf den vermeintlich besten Zeitpunkt zu warten, um Chancen zu ergreifen. "Der erste Schritt ist wichtig. Fangen Sie einfach an!", fordert er die Besucher auf.

Mancher ist überrascht, als der Redner erklärt, "Miesmuffel" hätten in puncto Veränderungen Vorteile. Denn wer die Welt in rosaroten Farben sehe, dem fehle die Unzufriedenheit. Diese sei aber die Voraussetzung für Veränderungsprozesse. Scherers Motto lautet: "Besser, besser, besser". Auch bei Erfolgen schärfe er seinen Mitarbeitern ein: "Der heutige Zustand ist der allerschlechteste."

Die Bedeutung von Talent wird seiner Einschätzung nach maßlos überschätzt. Jeder, der bereit sei, etwa 10 000 Stunden zu üben, könne auf einem bestimmten Feld Spitzenleistungen erbringen. Talent gebe lediglich dann den Ausschlag, wenn es darum gehe, zu den Besten der Welt zu gehören oder - wie etwa Mozart - ein Genie auf seinem Gebiet zu sein.

Auf dem Weg zum Erfolg dürfe man dem Zweifel keinen Platz einräumen. Es folgt eine Anleitung zum Regelbruch. "Wir sind viel zu angepasst. Wir tun das, was andere von uns erwarten", klagt Scherer - und rät: "Loten Sie bewusst Ihre Grenzen aus." Denn ohne den Mut zur Rebellion würde es viele Errungenschaften der Menschheit nicht geben. Es sei ebenfalls wichtig, loslassen zu können. "Nur dann können sich neue Regeln bilden und entfalten."

Geschlechtsspezifisches Verhalten - dieses Thema geht eigentlich immer. Scherers Vortrag bildet da keine Ausnahme. Viele Gäste lachen, als er Frauen als die "besseren Chancenentdecker" bezeichnet. Sie seien die besseren Kommunikatoren. Ein weiterer Grund sei ihre ausgeprägte Beobachtungsgabe. Männer hingegen hätten häufig den berühmten "Scheuklappenblick". Es ist eben alles ein bisschen dabei an diesem Tag.

Zur Person

Hermann Scherer, geboren am 28. März 1964 in Moosburg an der Isar, hat sich einen Namen als Buchautor gemacht (unter anderem "Schatzfinder", "Glückskinder", "Jenseits vom Mittelmaß"). Vor seiner Karriere als Redner und Autor absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann und studierte Betriebswirtschaft.

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Matthias Will

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Veröffentlicht am:
22. 02. 2017
18:27 Uhr

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22. 02. 2017
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