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Hof

Einkaufskosten treiben Strompreise hoch

Kommunale Stromanbieter der Region heben ihre Preise an. Die "Anpassung nach oben" hat vielschichtige Gründe.



Vielerorts müssen private Stromkunden im nächsten Jahr mehr bezahlen.	Foto: Arno Burgi/dpa
Vielerorts müssen private Stromkunden im nächsten Jahr mehr bezahlen. Foto: Arno Burgi/dpa   » zu den Bildern

Hof/Landkreis - Mit dem Jahreswechsel steigen die Strompreise für Privatkunden der HEW HofEnergie+Wasser GmbH der Stadtwerke Hof um rund fünf Prozent. Dabei bleibt der Grundpreis unverändert, der Arbeitspreis wird um 1,67 Cent je Kilowattstunde (brutto) erhöht. Der monatliche Grundpreis war zuletzt zum 1. Januar 2019 um vier Euro erhöht worden, dabei war der Arbeitspreis unverändert geblieben.

Energiespartipps vom Fachmann

Gerd Dilsch, Geschäftsführer der Licht- und Kraftwerke Helmbrechts GmbH (LuK), gibt Tipps zum Energiesparen: Man solle darauf achten, elektrische Geräte möglichst nicht ständig im "Stand-by-Modus" zu betreiben. Auch durch den Austausch alter Umwälzpumpen im Bereich der Heizungsanlage und durch den Austausch alter Kühltruhen und Kühlschränke könne man ordentlich sparen. Doch dürfe man nicht nur ein Auge auf die großen Stromverbraucher werfen, sondern auch auf die kleineren, die nahezu das ganze Jahr laufen, etwa Umwälzpumpen. "Wir empfehlen unseren Kunden, die Zählerstände regelmäßig zu notieren", sagt Gerd Dilsch. So könne man rechtzeitig feststellen, wenn der Stromverbrauch ungewöhnlich ansteige, und bleibe vom bösen Erwachen auf der Rechnung verschont. So sei bei einem Kunden die Dachrinnenheizung wegen eines Defekts das ganze Jahr in Betrieb gewesen. Auch durch den dauerhaften Einsatz leistungsfähiger Computer, wie sie für Spiele verwendet werden, könne sich schnell der Strombedarf erhöhen.


Wie Michaela Vater, Sprecherin der Stadtwerke Hof, auf Anfrage mitteilt, gibt die Strompreiserhöhung von netto 1,4 ct/kWh nur die einkaufsbedingte Preiserhöhung von 0,95 ct/kWh, die Steigerung der Umlagen von 0,35 ct/kWh und die Erhöhung der Netzentgelte von 0,1 ct/kWh weiter. "Die Preisanhebung ist ausnahmslos gestiegenen Beschaffungskosten und Änderungen gesetzlicher Umlagen und Netzentgelte geschuldet. Die Änderungen haben wir nicht zu vertreten." Eigene Kostensteigerungen, etwa im Bereich Personal, seien in die Erhöhung nicht mit eingeflossen.

Auf die Frage, welchen Einfluss die Energiewende auf steigende Strompreise hat, findet der Geschäftsführer der Stadtwerke Hof, Jean Petrahn, deutliche Worte: "Entweder wir sterben einen ökologischen oder einen ökonomischen Tod. Wahrscheinlich sogar beide." Seine Sprecherin Michaela Vater drückt es so aus: "Das Abschalten konventioneller Energieanlagen hat den Energiepreis verteuert. Deutschland möchte im Stromsektor Vorreiter für die Energiewende sein. Die Erfolge sind unverkennbar, die Höhe der Kosten aber auch."

Gerd Dilsch, Geschäftsführer der Licht- und Kraftwerke Helmbrechts GmbH (LuK), hält die Frage nach dem Einfluss der Energiewende für nicht so leicht zu beantworten: "Hier müsste man auch die bisherigen Vergünstigungen, wie den Kohlepfennig und die massive finanzielle staatliche Unterstützung der Kernenergie mit einbeziehen." Fakt sei, dass die Stromkunden mit staatlich veranlassten Umlagen wie der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)deutlich belastet würden. Hinzu komme die bisherige und auch die weitere Erhöhung der Netzentgelte. "Zukünftig werden hier noch die erforderlichen Investitionen für den Ausbau der Übertragungsnetze und auch der Verteilnetze mit einfließen, um den regenerativ erzeugten Strom bei steigendem Anteil zu den Kunden transportieren zu können."

Auch die LuK Helmbrechts erhöht zum Jahreswechsel die Preise. Bei einem haushaltsüblichen Jahresbedarf von 3500 kWh betrage die Erhöhung rund vier Prozent oder 3,80 Euro brutto pro Monat, teilt Gerd Dilsch mit. Die letzte Erhöhung um rund 6,5 Prozent sei zum 1. Januar 2019 gewesen, im Jahr davor aber seien die Strompreise um etwa vier Prozent gesenkt worden.

Den Grund für die bevorstehende Erhöhung sieht Dilsch in erster Linie darin, dass die Energiepreise in den vergangenen beiden Jahren an der Strombörsen deutlich angestiegen seien: "Dabei konnten wir zwar Spitzen an den Börsen durch rechtzeitige Einkäufe abfedern, aber letztendlich hat sich aktuell der Strompreis an der Börse auf ein eher hohes Niveau eingestellt." Zudem hätten sich die Netzentgelte bei den vorgelagerten Übertragungsnetzbetreibern erhöht, und auch die staatlich veranlassten Umlagen würden stetig ansteigen. Die aktuelle Preiserhöhung sei in etwa der Hälfte durch die Erhöhung der Umlagen wie EEG-Umlage und Netzentgelte des vorgelagerten Netzbetreibers und der weiteren Hälfte durch die Erhöhung der Energiepreise an der Börse geschuldet.

Auch bei der Zusammensetzung des Preises insgesamt haben regionale Anbieter offenbar einen untergeordnete Einfluss: "Bei einem haushaltsüblichen Strombedarf von 3500 kWh pro Jahr fallen alleine fast 50 Prozent der Gesamtkosten für Steuern, gesetzlich veranlasste Umlagen und für die Konzessionsabgabe an", informiert Gerd Dilsch. Rund 36 Prozent würden die regulierten Netzentgelte ausmachen, lediglich rund 14 Prozent der Kosten würden für Energieeinkauf, Vertrieb und unternehmerisches Wagnis entfallen.

Auf die Frage, ob neue Speichermöglichkeiten in Zukunft den Strompreis günstiger machen könnten, hat der Fachmann keine eindeutige Antwort - aber gibt einen faszinierenden Ausblick: "Mit überschüssigem Strom könnte man zum Beispiel mittels der Power-to-Gas-Technologie Wasserstoff oder synthetisch erzeugtes Erdgas erzeugen und in die Erdgasnetze einspeisen." Das über 500 000 Kilometer lange Erdgasnetz in Deutschland könne dabei als Speicher dienen. Die Investitionskosten seien hierfür aber noch sehr hoch, man müsse deutlich in Forschung und Entwicklung investieren.

Bei der Speichertechnologie gehe es aber in erster Linie nicht darum, die Strompreise günstiger zu machen, sondern die Energiewende bis hin zu 100 Prozent regenerativ erzeugtem Strom überhaupt realisieren zu können. "Die Energiewende hat bisher viel Geld gekostet und wird auch zukünftig noch weiter Geld kosten", sagt Gerd Dilsch. "Das ist unser gemeinsamer Beitrag, um uns von Kernenergie, Kohleverstromung & Co lösen zu können." In Verbindung mit einer Photovoltaik-Anlage oder einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage wie einem Erdgas-Blockheizkraftwerk oder einem Erdgas-Brennstoffzellenheizgerät und einem eigenen Batteriespeicher könne man den Anteil des selbst erzeugten und zugleich selbst verbrauchten Stroms erhöhen. Hier müssten dann aber in den Stromkosten auch die Investitionskosten einkalkuliert werden.

Für das Gros der Kunden bleibt nur, die gängigen Preise hinzunehmen. Und die verweilen bei der Eon, die im Landkreis Hof unter anderem Rehau versorgt, einstweilen, wo sie sind: "Die Energiepreise selbst bilden sich am Markt und im Wettbewerb", schreibt auf Anfrage Stefan Moriße, Sprecher der Eon Energie Deutschland GmbH. Moriße verspricht: "Eon wird die weitere Entwicklung beobachten und die Preise bis auf Weiteres im Landkreis Hof stabil halten."

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Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
18:50 Uhr

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Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
18:50 Uhr



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